Informationsbrief
Evangelische Arbeitnehmerschaft Baden e.V. -
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Nr. 3/2005 - Monat November 2005
Berichte aus den EAN - Gruppen
Kurzinfos aus KDA und EAN
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Kurzinfos aus KDA und EAN:
Neues Buch,
Neue Tagungskosten,
Pfr. M. Huhn
bleibt in MA.,
Neue Industriepfarrerin im Elsass,
Neuer Industriepfarrer in Freiburg
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Kurzinfos aus KDA und EAN:
Empfang
für Ehrenamtliche,
Jahrestreffen
der christlichen Arbeitnehmerorganisationen,
Bündnis für mehr Demokratie,
Betriebswahlen 2006,
Billig hat seinen Preis,
EAN
im Vorstand
der ACA vertreten
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Kurzinfos aus KDA und EAN:
ACA legt bei Sozialwahlen zu,
Erster Preis für W. Müller,
Antwort auf Schreiben EAN - Forum, Kirche und Globalisierung, Nov. 2004
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Stellungnahme
des Beirats für Ökumene, Mission, Kirchlichen Entwicklungsdienst und
Interreligiöses Gespräch der Evangelischen Landeskirche in Baden
zum Brief der ökumenischen Konsultation in Soesterberg 2002 an die Kirchen
Westeuropas "Wirtschaft im Dienst des Lebens" (Fassung nach Kollegiumssitzung am
7. Juni 2005
I. Der Beirat für Ökumene,
Mission, Kirchlichen Entwicklungsdienst und Interreligiöses Gespräch der
Evangelischen Landeskirche in Baden ist in Übereinstimmung mit dem Brief der
Soesterberg-Konsultation an die Kirchen Westeuropas vom Juni 2002 der
Auffassung, dass die Kirchen in all ihren Sozialgestalten ebenso wie Christinnen
und Christen angesichts negativer politischer, sozialer und ökologischer
Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung ihr Engagement für
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung fortsetzen und intensivieren
müssen. Zugleich ist der Beirat davon überzeugt, dass die weltweite ökumenische
Gemeinschaft der Kirchen als der eine Leib Christi in besonderer Weise zu einem
solchen Engagement befähigt ist.
Grundlage dieses Engagements ist für
die Evangelische Landeskirche in Baden
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die Auffassung der Unionsurkunde,
die evangelische Kirche in Baden sei "mit allen Christen in der Welt
befreundet".
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die Grundsatzerklärung von Barmen
1934, wonach wir - durch Christus befreit aus den gottlosen Bindungen dieser
Welt - in allen Lebensbereichen der Rechtfertigung und Heiligung durch ihn
bedürfen (These 2), und wonach die Kirche die Aufgabe hat, an Gottes Reich,
Gottes Gebot und Gerechtigkeit zu erinnern und damit an die Verantwortung der
Regierenden und Regierten (These 5).
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der Grundkonsens für evangelische
Weltverantwortung innerhalb der Leuenberger Kirchengemeinschaft (nach den
Leuenberger Texten 3,1997): "Gott ist der Herr in allen Bereichen der Welt und
des menschlichen Lebens. Gott will, dass in allen Bereichen seinem fordernden
und verheißenden Wort entsprochen wird. Das Heil ist auch im Dienst am Wohl
des Menschen und der Gesellschaft zu bezeugen."
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die ökumenisch geteilte Überzeugung
von "Gottes vorrangiger Option für die Armen" (vgl. Wirtschafts- und
Sozialwort 1997)
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die Kundgebung der EKD-Synode 2001
"Globale Wirtschaft verantwortlich gestalten", in der es heißt: "Die Kirchen
müssen ihre Autorität. in die Waagschale werfen, um im Sinne der vorrangigen
Option für die Armen Einfluss auf politische Entscheidungen hier und in
anderen Teilen der Welt zu nehmen."
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Deshalb gilt es, das Motto
"Wirtschaft im Dienst des Lebens" sowohl in globaler wie in lokaler
Perspektive zu realisieren.
II. Wir müssen allerdings
eingestehen, dass wir noch nicht in der Lage sind, eine einmütige Antwort auf
alle in Soesterberg aufgeworfenen Fragen zu formulieren.
Einige von uns sind der Meinung, das
entschlossene Eintreten für die Menschenrechte, vor allem für die
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte, müsse das christliche
Engagement jetzt leiten. Dies sei hinreichend orientierend für eine
unideologische, praktische Auseinandersetzung mit den Folgen der
Globalisierungsprozesse, die jetzt ablaufen. Eine Orientierung an den
Menschenrechten könne und müsse zudem auch den Blick schärfen für die Chancen
von Globalisierungsprozessen, die sich keinesfalls auf wirtschaftliches Handeln
beschränken. Nicht zuletzt rückt die Ausrichtung an den Menschenrechten den
Einzelnen als Träger von Rechten in den Mittelpunkt des Engagements. Das
Leitbild "Wirtschaft(en) im Dienst des Lebens" kann auf diese Weise so
konkretisiert werden, dass es zur wirksamen Verbesserung der Lebensbedingungen
von Menschen beiträgt.
Andere von uns teilen die Sicht, die
Schwestern und Brüder vor allem aus den Kirchen des Südens und Ostens und
zuletzt die Generalversammlung des Reformierten Weltbunds im "processus
confessionis" (Bekenntnisprozess) geäußert haben: Die Armen und Ausgegrenzten
sind nicht einfach Opfer wirtschaftlicher Umbruchs- und Modernisierungsprozesse.
Sie sind vielmehr Opfer einer Weltwirtschaft, die mehr und mehr nach den
Grundsätzen neoliberaler Politik und Ideologie gestaltet wird. Die Teilnahme am
von den Kirchen des Südens geforderten "processus confessionis" bedeutet, dass
die nach neoliberalen Maximen [1] gestaltete Globalisierung uns auch theologisch
herausfordert und die Substanz des christlichen Glaubens betrifft. Das heißt,
die Mitgestaltung der Globalisierung nach theologisch begründeten Maximen (Gott
als Schöpfer, vorrangige Option für die Armen, durch den heiligen Geist
gestiftete Ökumene) ist kein beliebiges, sondern notwendiges kirchliches
Handeln. Insofern geht es darum, eine Glaubensverpflichtung einzugehen.
Der Beirat stellt bewusst beide
Positionen nebeneinander und empfiehlt den Gemeinden, Diensten und Werken
unserer Landeskirche, sie kritisch zu überprüfen. Es wird dazu eine Arbeitshilfe
erstellt.
III. In Übereinstimmung mit
dem Brief der Soesterberg-Konsultation betont der Beirat die Bedeutung konkreter
Initiativen und gemeinsamer Aktivitäten: Es geht um ökumenisch ausgerichtete und
verabredete Praxis und damit um pragmatisches Handeln. In diesem Sinne bittet
der Beirat kirchliche Werke, Dienste, Gemeinden und Gruppen der Evangelischen
Landeskirche in Baden, ihr Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung
der Schöpfung fortzuführen und zu intensivieren.
Ebenso bittet der Beirat Christinnen
und Christen, die im Bereich der Wirtschaft berufliche Verantwortung tragen,
Gewissen und Vernunft an den Maßstäben christlicher Sozialethik zu orientieren
(vgl. Wirtschafts- und Sozialwort 1997).
In besonderer Weise empfiehlt der
Beirat, dass die jeweils zuständigen Organe, Dienste und Werke der Evangelischen
Landeskirche in Baden sowie - im Rahmen ihrer Möglichkeiten und
Verantwortlichkeiten - Gemeinden und Gruppen folgende Initiativen ergreifen und
Maßnahmen durchführen:
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1. Befragung der Partnerkirchen,
inwiefern sie, ihre Gemeinden und Glieder durch Globalisierungsprozesse
betroffen sind und welche konkreten Schritte sie in diesem Zusammenhang von
der Evangelischen Landeskirche in Baden erwarten; die Antworten der
Partnerkirchen sollen in geeigneter Weise bekannt gemacht werden;
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2. Nutzung von Gemeinde- und
Bezirkspartnerschaften, um Erfahrungen mit Globalisierungsprozessen
zusammenzutragen und um Initiativen zur Gestaltung dieser Prozesse in
menschenrechtlicher und in ökologisch bewusster Perspektive zu unterstützen,
zu stärken oder - sofern möglich und nötig - zu initiieren;
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3. Sammlung von konkreten
Erfahrungen der Gruppen, Gemeinden, Werke und Dienste im Bereich der
Evangelischen Landeskirche in Baden mit Globalisierungsprozessen; in diese
Frage einbezogen werden soll die Frage, auf welche Weise
Globalisierungsprozesse das Verhältnis von Reichtum und Armut im Bereich
unserer Landeskirche berühren; das Ergebnis der Sammlung soll in geeigneter
Weise veröffentlicht werden;
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4. Auswertung der Ergebnisse der
Befragung von Partnerkirchen und der Sammlung konkreter Erfahrungen der
Gruppen, Gemeinden, Werke und Dienste zu den oben genannten Punkten mit dem
Ziel, die bisherigen Schwerpunkte kirchlichen Handelns auf den hier
angesprochenen Arbeitsfeldern zu überdenken und gegebenenfalls neu
auszurichten.
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5. Förderung der "Bildung für eine
nachhaltige Entwicklung" (vgl. UN-Dekade) durch und in Werken, Diensten,
Gemeinden und Gruppen mit besonderer Betonung der Bedeutung der
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte;
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6. Weiterentwicklung und
Weiterverbreitung des Instrumentes ethischer Geldanlage für die Evangelische
Landeskirche in Baden sowie für ihre Gemeinden und Mitglieder;
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7. Unterstützung und Weiterführung
von Kampagnen, die das Ziel haben, Globalisierungsprozesse zur Durchsetzung
von Menschenrechten und ökologischen Standards zu gestalten und zu nutzen
(vgl. Kampagne zur Entschuldung der ärmsten Länder, die "Wasserkampagne" von
Brot für die Welt, Aktionen zum fairen Handel).
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8. Sicherung der Bereitstellung von
Finanzmitteln für die Wahrnehmung der Entwicklungsverantwortung der
Evangelischen Landeskirche in Baden sowie der notwendigen personellen
Ressourcen für die ökumenische Arbeit in der Landeskirche;
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9. Förderung der friedensethischen
Arbeit in der Landeskirche und der Initiativen zur Überwindung von Gewalt
gemäß der gegenwärtig laufenden ökumenischen Dekade (Eintreten für
Gewaltfreiheit als vorrangige Option anstelle weiterer militärischer
Aufrüstung);
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10. Eintreten für entschiedene
Stellungnahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland, ihrer Organe, Werke
und Dienste für eine Gestaltung von Globalisierungsprozessen in
menschenrechtlicher und ökologisch bewusster Perspektive (vgl. die
Liebfrauenberg-Erklärung zu den Herausforderungen von Migration und Flucht vom
Mai 2004, an der die Evangelische Landeskirche in Baden maßgeblich
mitgearbeitet hat).
IV. Der gesamte Beratungs- und
Studienprozess in unserer Landeskirche soll so organisiert werden, dass seine
Ergebnisse zu einem badischen Beitrag für die nächsten anstehenden ökumenischen
Versammlungen gebündelt werden können. Wir denken dabei an die nächste
Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die im Februar 2006 in Porto
Alegre stattfinden wird, und an die für 2007 geplante 3. Europäische Ökumenische
Versammlung im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der
Schöpfung. Bei beiden Gelegenheiten wird die Herausforderung des christlichen
Zeugnisses durch die Folgen der ökonomischen Globalisierung ein Schwerpunktthema
sein. |