Informationsbrief Evangelische
Arbeitnehmerschaft Baden e.V. - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Nr. 2/2005 - Monat Juni 2005
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Grußwort zur Frauentagsveranstaltung
am Vorabend (07.03.2005) des Internationalen Frauentags des DGB-Ortsverbands
Müllheim-Neuenburg
Die Veranstaltung fand im Galeriecafé
"Blauer Elefant", einer Einrichtung der Diakonie, statt, und der Einladung des
DGB waren ca. 50 Frauen gefolgt. "Hartz - Zeiten - harte Zeiten für Frauen" war
das Thema des Diskussionsabends - aus Anlass des Weltfrauentages wollte der DGB
aufzeigen, wie sich Hartz IV auf das Leben betroffener Frauen auswirkt.
Grünen-Kreisrätin Bärbl Mielich
referierte zum Thema "Hartz IV, Chance oder sozialer Abstieg?", Dagmar Manser
und Susanne Boukhari von der Arbeitsgemeinschaft Breisgau-Hochschwarzwald (ARGE)
berichteten von "Hartz IV in der Praxis" und Gerlinde Dettling und Stefanie Aatz
vom Netzwerk Diakonie erörterten das Für und Wieder der 1-Euro-Jobs; außerdem
berichteten ALG II-Bezieherinnen über ihre ersten Erfahrungen. In einer
ausgiebigen Diskussion, in der sich etliche betroffene Frauen zu Wort meldeten,
wurde deutlich, dass das Gesetz noch einige Härten aufweist, die unbedingt noch
nachgebessert werden müssen, wie auch Grünen-Kreisrätin Bärbl Mielich einräumte
(z.B. dass Hartz-IV-BezieherInnen nur 15% des Einkommens aus einem 400-Euro-Job
behalten dürfen).
Das Grußwort für die Veranstaltung
hielt Sabine Keim von der EAN, das ich im folgenden im Wortlaut wiedergebe:
Mein Name ist Sabine Keim, ich bin 50
Jahre alt, verheiratet und ich bin Mitglied des Landesvorstandes der "Evang.
Arbeitnehmerschaft in der evang. Landeskirche Badens" (EAN e.V.). Ich arbeite
als Sekretärin am Mathemat. Institut der Universität Freiburg und bin seit
vielen Jahren ver.di-Mitglied.
Ich bin gebeten worden, für die EAN-Baden ein Grußwort zu sprechen. Ich meine
auch: Hartz-Zeiten - harte Zeiten für Frauen, obwohl ich bei den Hartz-Gesetzen
nicht von ausgesprochenen Frauen-Diskriminierungsgesetzen sprechen mag, denn sie
treffen genauso hart arbeitslose Männer und indirekt sind natürlich auch Kinder
davon betroffen. Landesvorstand und Landesleitung der EAN-Baden haben viele
Monate vor Inkrafttreten der Hartz-IV-Gesetze (SGB II) in einem Brief an den
Bundeskanzler Kritik und Bedenken vorgebracht. In einem Antwortschreiben
rechtfertigte das Bundeskanzleramt seine Position und zeigte einen
erschreckenden Mangel an sozialer Sensibilität.
Der internationale Frauentag ist
inzwischen auch bei uns zu einem festen Bestandteil im Jahresablauf geworden. Im
Gegensatz zum Muttertag ist der internationale Frauentag kein Tag des Dankes,
keine Reduktion der Frau auf die Mutterrolle, sondern ein Kamptag für
Frauenrechte. Er ist seit 1911 der Tag der Frauen mit ihren Forderungen an
Gesellschaft und Arbeitswelt.
2005, im Jahr der
Rekordarbeitslosigkeit und des großen Sozialabbaus, ist der 8. März deshalb auch
ein Tag der Bestandsaufnahme und der Bewusstmachung des heutigen Lebens von
Frauen, das zwischen den großen Schlagzeilen erstickt wird.
Der 8. März ist gerade deshalb wieder
ein Tag, an dem wir deutlich zeigen müssen, dass wir uns als Frauen nicht
unterbuttern lassen. Angesichts täglicher Horrormeldungen werden die
Auswirkungen von Sozialabbau und Massenarbeitslosigkeit auf Frauen in den
Hintergrund gedrängt. Es wird versucht, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten,
die Arbeitsplatz- und Finanzprobleme auf Kosten und auf dem Rücken gerade von
Frauen zu lösen. Für alles, was die Gesellschaft sich angeblich nicht mehr
leisten kann (wohl auch auf Grund einer falschen Steuerpolitik), wird die
Familie in Haftung genommen. Und wir wissen doch, wer in der Familie diejenige
ist, die die Lasten zu tragen hat - ein Leben lang, denn die Folgewirkungen bis
hin zur geringen Rentenhöhe sind verheerend.
Damit Frauen nicht ihre finanzielle
Unabhängigkeit gegenüber den Männern verlieren, ist unseres Erachtens eine
Grundsicherung für alle Menschen nötig, die nicht an Bedingungen geknüpft ist
und deutlich über den 345 Euro ALG II liegt. Insbesondere ist die
Lebenssituation allein erziehender Frauen zu verbessern. Eine kostenlose
Ganztagsbetreuung von Kindern muss gewährleistet werden. - Teilzeitarbeit wird
zu 90% von Frauen geleistet. Oft genug werden Frauen prekäre und geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse mit extrem hohen Anforderungen an Flexibilität und
Mobilität zugemutet. Die 1-Euro-Jobs werden von uns primär wegen ihres
Zwangscharakters abgelehnt. Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört allen
weiblichen und männlichen Opfern der Hartz-IV-Regelungen. - Ich selbst war in
den Achtzigerjahren lange genug erwerbslos, um zu wissen, welche materielle und
psychosoziale Not mit Arbeitslosigkeit in Verbindung mit einer repressiven
Gesetzgebung verbunden ist, die in der Praxis viel fordert und wenig fördert. -
Ich bedanke mich für die Einladung und wünsche uns allen noch einen anregenden,
interessanten Abend!
Sabine Keim
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