Informationsbrief Evangelische
Arbeitnehmerschaft Baden e.V. - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Nr. 1/2005 - Monat März 2005
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Jesus Christus spricht: Ich habe für Dich gebeten, dass Dein Glaube nicht
aufhöre.
Lukas 22,32
Die Jahreslosung für das neue Jahr 2005 bezieht sich auf die Bitte Jesu für
seinen Jünger Petrus: "Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht
aufhöre." Petrus soll das Werk Jesu fortsetzen in seiner Nachfolge. Und Jesus
weiß bereits, dass Petrus ihn verrät, noch ehe der Hahn dreimal kräht. Als Jesus
gefangen genommen wird, gibt es niemanden, der als sein Stellvertreter sein Werk
fortsetzt. Die Angst der Jünger vor der eigenen Gefangennahme ist größer als ihr
Glaube, und deshalb verschwinden sie zunächst alle von der Bildfläche.Doch in
der Illegalität als konspirative Gemeinschaft erleben sie die Auferstehung ihres
Meisters und sie besinnen sich auf ihren Glauben an das Reich Gottes, an die
Aussagen der Bergpredigt, an Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit.
In den ersten Gemeinden Jesu leben die Menschen in seiner Nachfolge miteinander,
teilen ihr Hab und Gut miteinander und kümmern sich um die Schwächeren, die
Kranken und Alten. Es ist der Glaube, der sie zu solchem Zusammenleben befähigt.
Und zu ihrem Glauben gehört, dass sie Gott mehr gehorchen als den Herrschenden.
Der Glaube dieser neuen Religionsgemeinschaft verbreitet sich in Windeseile und
fordert im Laufe der Jahrhunderte viele Opfer. Doch mit der Christianisierung
Europas ist das Tor zur weltweiten Mission geöffnet und zugleich zum brutalen
Missbrauch der Religion, der ganze Völker auslöscht.
In der Geschichte Gottes mit den Menschen wird von Anfang an und immer wieder
deutlich, dass der Glaube ein unermesslich kostbares Gut ist, das sehr leicht
missbraucht werden kann oder verloren geht, wenn Gleichgültigkeit und
Hoffnungslosigkeit in aussichtlosen Situationen übermächtig werden.
Gegenwärtig erleben wir nicht nur außerhalb der Christenheit, dass sich Angst
und Mutlosigkeit ausbreiten und die Impulse des Glaubens und der Erneuerung kaum
erkennbar sind, weil die Wirklichkeit von hoher Arbeitslosigkeit und
niederschmetternden Prognosen für die Zukunft gekennzeichnet ist.
Die Philosophie des Neoliberalismus hat den Menschen als größten
wirtschaftlichen Kostenfaktor entdeckt und sich über alle Religionen gestellt.
Demzufolge haben nur noch die Eliten eine Chance auf eine gesicherte Existenz.
Die Schwachen werden als Bedrohung angesehen, sozial verträgliche Lösungen
verhöhnt, Gewerkschaften als Hemmschuh betrachtet und die Kirchen für
überflüssig gehalten. Soziale Marktwirtschaft, die das Wohl aller Menschen im
Blick hat, gehört der Vergangenheit an und wird als Sozialromantik abgetan. Das
hat denn auch zur Folge, dass mehr als 2/3 der Menschheit in bitterster Armut
lebt und täglich 30000 Kinder verhungern. Rücksichtslosigkeit ist angesagt, und
die ethischen Werte verschwinden im Alltag, indem nicht mehr der Mensch und die
Schöpfung im Mittelpunkt stehen, sondern das Geld und die Gewinnmaximierung.
Gegen die absolute Herrschaft des Geldes ist Widerstand gefordert. Unsere
Aufgabe in der Nachfolge Jesu besteht darin, dass wir uns zurück besinnen auf
das Evangelium und neuen Glauben gewinnen im Bestreben, alternative gerechte
Strukturen zu schaffen. Im Vertrauen darauf, dass sich bereits viele Kirchen in
der Welt auf den Weg gemacht haben für das Wirtschaften im Dienste des Lebens,
gibt es für uns vor Ort und in unserem Land viele Perspektiven zum Handeln. Auf
diesem Weg sind wir nicht allein. Wir können uns verbünden mit anderen
Initiativen und Verbänden.
Der Glaube hat viele Facetten: Dazu gehören Würde, Vertrauen, Treue,
Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Solidarität. Viele Bundesbürger haben in
diesen Tagen diese Tugenden beherzigt, indem sie über 200 Millionen Euro für die
Flutopfer in Südasien spendeten.
Ich wünsche uns im neuen Jahr, dass wir vorankommen auf dem Weg für
Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
Wolf Roßkamp
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