|
Seitenübersicht der EAN Baden -
Info
Tagung EAN-Senioren 01.11.- 04.11.2004
Bad Herrenalb, Haus der Kirche
|
Unter dem Thema "Was bin ich als Mensch wert" trafen sich 30
Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Haus der Kirche. Was bin ich als Mensch wert?
Dieser Frage gingen wir nach und Schwester Ilse Wolfsdorff, Dr. Uwe Ortmann und
Dr. Urte Bejick versuchten uns dabei zu helfen.
Unser Materialwert ist gleich null - wie sieht es aber mit unserem ethischen
Wert aus? Was bin ich mir selber wert? Was bin ich der Gesellschaft wert, wenn
ich alt bin und nicht mehr im Arbeitsprozess stehe? Welchen Wert hat die
Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht?Fragen über Fragen, die alle
nicht gelöst werden konnten, sondern jeder muss für sich selbst entscheiden, wie
er mit seinem Leben umgehen möchte, was er will, wenn er nicht mehr für sich
selbst sorgen kann.
Dr. Ortmann zeigte uns in erschreckender Weise auf, wie der Wert des Menschen in
der Medizin berechnet wird - nach welchem Punktsystem gearbeitet wird. Er sagte
uns in seiner offenen und auch sehr direkten Art, dass wir mündige Patienten
sein müssen, dass wir das Recht haben auf jede Behandlung - gerade in unserem
Alter - und wir uns nicht drohen lassen dürfen von den Parolen, die im
Augenblick im Umlauf sind - alte Menschen brauchen keine Hüftgelenk oder
Knieoperationen mehr, Intensivbehandlung sei zu teuer usw..
Anhand von einer Statistik zeigte er aus auf, je länger wir leben, umso
billiger ist das für die Krankenkassen und nicht umgekehrt. Er machte uns Mut
zum selbstbestimmten Handeln, zum Gespräch mit den Ärzten und warnte uns vor zu
viel Vertrauen - so nach dem Motto " der Doktor wird schon wissen, was er tut".
Gleichzeitig zeigte er aber auch auf, dass die Patientenverfügung ein
zweischneidiges Schwert ist und ein Arzt sich nicht danach richten muss. In
erster Linie steht für den Arzt das Leben zu erhalten - ob eine Apparatemedizin
dann sinnvoll ist oder nicht, dass sei erst mal dahingestellt.
Frau Dr. Bejick informierte uns dann umfassend über die Patientenverfügung
und über die Vorsorgevollmacht. Für uns alle, war es doch erschreckend zu
erfahren, wie wenig eine Patientenverfügung gültig ist, wenn diese nicht mit
eigenen Worten erstellt wurde, die Leitfäden, die von vielen Institutionen dazu
gereicht werden, sind nur eine Hilfe. Am Besten erstellt man diese
Patientenverfügung zusammen mit seinem Hausarzt. Wichtig ist, dass diese
Verfügung spätestens alle zwei Jahre erneuert wird, immer wieder mit eigenen
Worten.
Die Vorsorgevollmacht muss notariell beglaubigt sein, damit diese Gültigkeit hat
- einmal eine Vorsorgevollmacht erstellt, gilt diese für alle Zeit, also muss
nicht immer wieder erneuert werden, kann aber geändert werden, sollten sich die
Bedingungen verändern.
Schwester Ilse, die ja sehr viel mit diesen Dingen zu tun hat, bestätige diese
Vorgaben, viele von uns wollten es einfach nicht glauben. Hierzu gibt es aber
Richtlinien, die unsere Teilnehmer alle erhalten haben - Sie können diese beim
Diakonische Werk Baden kostenlos anfordern.
Was ist der Mensch wert? Was bin ich mir wert? Was möchte ich weitergeben,
wenn ich nicht mehr bin? Fragen, die in der Andacht von Schwester Ilse, von mir
und von Frau Ungeheuer aufgegriffen wurden. Einmal als eine Vision eines
Weltbürgers, der nach seinem Wert als Arbeitskraft eingeschätzt werden sollte
und sich einfach weigerte, dies zu tun, sondern den Beamten fragte, wie er
Fürsorge, Liebe, Treue, Verantwortungsbewusstsein berechnen will. Einmal mit
sehr guten Gedanken von Frau Ungeheuer über das Thema "Einer trage des andern
Last" und einmal mit Schwester Ilse über die Endlichkeit des Lebens.
Was bin ich als Mensch wert? Am Ende unseres Lebens stehen wir alle vor Gott,
dieser richtet uns nicht, nachdem was wir geleistet haben, sondern nachdem wie
wir gelebt haben - er kennt mich, er ruft mich bei meinem Namen - ihm bin ich
vertraut und ich darf darauf vertrauen, dass er es mit mir gut meint.
Hella Reinecke
|