zurück | Startseite | weiter
BVEA - Rundschau - Ausgabe 2-2011 zur Startseite -- Glauben - Dr. Christian Homrichhausen

Ein erfolgreiches Vorbild wird zum gläubigen Realisten. Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott? (Hiob 4,17)

Das Licht am Ende des Tunnels - Bild Elke Lartz

Ansprüche und Leistungen qualifizieren wir umgangssprachlich als vollkommen und gerecht. Der Ausspruch: „Mein gutes Recht“, ist geläufig. Ebenso kann man bei besonderen Leistungen mitunter den Ausruf hören: das ist vollkommen. Wir haben gelernt zu unterscheiden zwischen dem Tun eines Menschen und dem Menschen selbst. Die Frage: „Wie kann ein Mensch gerecht sein?“, ist deshalb schockierend, fremd und ungewöhnlich.

Mitmenschen, das Gewissen und Instanzen des Gerichtswesens können prüfen, urteilen und reagieren. Ein Gott im neuzeitlichen, metaphysisch-philosophischen Sinn geht eine solche Verhaltensweise ab. Für manche wirft er mit den Worten von W. Weischedel die Frage nach dem letzten Grund alles Seienden auf. Er kann als das Von-Woher unserer Fraglichkeit und unser eigenes Fragens bezeichnet werden, aber er ist selbst sprachlos und letztlich unansprechbar. Als der Spruch im 5./4. Jahrhundert v. Chr. geschrieben wurde, war die Welt für die Menschen voller Götter. Sie bezeichneten die Wirklichkeit der Naturkräfte, gesellschaftliche Mächte (z. B. Krieg und Frieden) sowie menschliche Werte (z. B. Gerechtigkeit, Liebe). Diese Götter konnten auf die Menschen eindringen und sie auch überwältigen. Ebenso waren sie Adressaten der Gebete. Eliphas und Hiob, hatten die Frage: „Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?“, in einer ihn überraschend ereilen-den Vision gehört. Dieser Gott war für Eliphas, seine Freunde und Hiob Schöpfer und Garant des menschlichen Schicksals, mit dem Hiob haderte. Nichts hatte Hiob sich zu Schulden kommen lassen. Seinen sozialen Verpflichtungen war er nachgekommen und hatte mehr getan als erforderlich war und dennoch hatte er seinen Besitz, seine Kinder und schließlich seine Gesundheit verloren. Er empfand es als ungerecht, dass ihm sein vorbildlicher Lebenswandel in dieser Weise vergolten wurde.

Eliphas teilte diese Weltsicht mit Hiob und machte ihn nun vorsichtig in seelsorgerlicher Absicht darauf aufmerksam, dass er als Mensch gegenüber Gott nicht auf Gerechtigkeit pochen könne; denn schließlich würden sich die Maßstäbe unterscheiden. Er solle sich an die kultischen Entsühnungsriten halten; denn sie könnten helfen. Da sich Hiob keiner Schuld bewusst war, lehnte er den Rat Eliphas ab und stürzte in eine suizidale Verzweiflung, in der er sich aber weiterhin an Gott wandte, ihm seine Not klagte und Erlösung von seinen Leiden erflehte. Nun wollte er Erheiterung in seinen letzten Tagen (10, 20). Auch veranlassten ihn die Reden der Freunde sich der guten Zeiten zu erinnern, an seine gesellschaftliche Stellung, seine Familie und sein soziales Engagement. Dies legte er Gott vor und verlangte Anerkennung seiner Verdienste. Krankheit, Frevel, Ungerechtigkeit und Willkür sollten ein Ende haben und die guten Verhältnisse von einst sollten wieder hergestellt werden. Damit aber überschritt Hiob seine Geschöpflichkeit, auf die ihn schon Eliphas aufmerksam gemacht hatte, so dass Gott selbst ihn in seine Grenzen verweisen musste. Antwortend bereut Hiob und widerruft sein Verlangen (42, 1-6). Er hatte begriffen, dass sein Wunsch nach der Abschaffung von Frevel und Verbrechen, Leid und Ungerechtigkeit ihn nach der Position Gottes greifen ließ, der Herrschaft und Regierung der Welt, die Gott vorbehalten ist. Hiob wurde zu einem gläubigen Realisten. So wie er mit seinen körperlichen Gebrechen zu leben hat, wird es auch Frevel und Ungerechtigkeit weiterhin in der Welt geben.

Das Licht am Ende des Tunnels

Die Besinnung Hiobs auf die Geschöpflichkeit des Menschen und auf die Grenzen seines Handelns haben den weisheitlichen Vergeltungsgedanken, die angenommene ausgleichende Harmonie von Tun und Ergehen, relativiert. In einzelnen Zusammenhängen mag eine Korrespondenz aufzeigbar sein, aber um eine seinsmäßig verankerte Beziehung handelt es sich nicht.

Die Unterscheidung zwischen dem Ergehen eines Menschen und seinem Tun ist durch die Reformation vertieft worden. Zum einen ist der Mensch sowohl gerechtfertigt vor Gott als auch Sünder, so dass seine Handlungen sein Leben und seinen Lebensweg nicht endgültig zu bestimmen vermögen. Zum anderen können auch kirchliche Instanzen die Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen nicht ersetzen. Sie können diese begleiten und stützen, indem sie zusprechen, dass Gott sich in Jesus Christus als der erwiesen hat, der nicht den Tod des Sünders will, sondern dass er sich bekehrt und lebt. Die Erfahrung der Erlösung, das Licht am Ende eines Tunnels und die Erfahrung des inneren und äußeren Friedens durch das Wort von Chrstus muss allerdings jeder persönlich machen.

Dr. Christian Homrichhausen, Präses des BVEA

 

 

nach oben

zum Seitenanfang - BVEA - Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
bvea@bvea.de
©BVEA Internetseiten 2001-2015 Deutschland | Stand 18.06.2015
Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich - siehe Impressum
Nachdruck und andere Veröffentlichungen der hier genannten Artikel und gezeigten Bilder sind nur nach vorheriger Genehmigung des BVEA erlaubt!

Über uns | Landesverbände | Aktuelles BVEA | Aktuelles aus den Landesverbänden | Pressemitteilungen | Impressum |

Startseite BVEABundesverbandLandesverbändeAktuellesRundschauArchiv

Suche: