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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2011 zur Startseite Gesellschaft - Glauben - "Wehe dem, der sein Haus mit Unrecht baut" - Dr. Christian Homrichhausen

„Wehe dem, der sein Haus mit Unrecht baut..., der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und ihm den Lohn nicht bezahlt! Deine Augen und dein Herz sind nur auf deinen Gewinn aus.“

(Jer. 22, 13.17)

gesehen in Potsdam -Äskulapstab - Bild Elke LartzDer Prophet Jeremia geißelt mit dieser Anklage den König Jojakim, wohl wissend, dass die Könige nach allgemein herrschender Anschauung über ihre Untergebenen frei verfügen konnten. Jeremia entzieht dem Betrug des Königs die Legitimation, indem er ihn an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten erinnert, die eine bleibende Verpflichtung zur Minderung und Abschaffung von Knechtschaft und Unterdrückung war. Recht und Gerechtigkeit sollten geübt werden und die Beraubten aus der Hand ihrer Bedrücker gerettet werden.

Sicherlich basieren die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der biblischen Lebenswirklichkeit auf dem Diktat einzelvertraglicher Regelungen durch den, der Arbeit anbietet. Genauso aber wird das Recht des Lohnabhängigen auf einen gerechten und lebenssichernden Lohn geltend gemacht. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg bietet dafür ein hervorragendes Beispiel (Matthäus 20, 1-16).

Die Vereinigungsfreiheit der Arbeitnehmer im Wirtschaftsleben und damit die Voraussetzung für den Abschluss von Tarifverträgen ist eine neuzeitliche Errungenschaft. Die Arbeitnehmer drangen darauf, dass in Branchen und Berufen gleicher Arbeit auch die gleichen Löhne gezahlt werden. In der evangelischen Sozialethik sind die Tarifparteien als „Partner“ angesprochen worden, die bei unterschiedlicher Ausgangs- und Interessenlage eine gemeinsame Verantwortung haben. Auch der Einsatz der Mittel von Streik und Aussperrung unterliegt der gemeinsam getragenen Verantwortung für die Prosperität der Unternehmen und die Lebensqualität der Beschäftigten. Nun ist allgemein bekannt, dass die Kirchen ihr Arbeitsrecht im Rahmen des grundgesetzlich garantierten Selbstbestimmungsrechtes nicht mit den Instrumenten des sogenannten Zweiten Weges lösen, sondern einen Dritten Weg gewählt haben, der in der Besonderheit ihres Zeugnis- und Dienstcharakters begründet ist. So ist ein Schlichtungsverfahren in Konfliktfällen vorgesehen, statt eines Betriebsrates gibt es eine Mitarbeitervertretung, Streik und Aussperrung sind nicht zulässig.

Eine Reihe von Ereignissen der letzten Zeit haben Kritik am Instrument des Dritten Weges zur Beilegung arbeitsrechtlicher Konflikte in Kirche und Diakonie hervorgerufen. Im Januar 2011 entschied das Landesarbeitsgericht Hamm, dass Streiks in der Kirche/Diakonie zulässig seien, da der kirchliche Arbeitgeber Teile der Belegschaft ausgliedere und damit den Anspruch der besonderen Zeugnis- und Dienstgemeinschaft gefährde. Mitarbeiter, die den Charakter ihres Dienstverhältnisses ernst nehmen, sehen die vertrauensvolle Zusammenarbeit dadurch in Frage gestellt, dass „Schlichtungsergebnisse in Konflikten zum Teil von den Arbeitgebern nicht umgesetzt“ werden (epd 3. Februar 2011).

Legitimität des Dritten Weges hängt an der Loyalitätsbindung

Die Legitimität des Dritten Weges hängt an der Loyalitätsbindung der Mitarbeitenden und dem nach innen und außen vermittelten Selbstverständnis der Kirche. Drei Muster bestimmen die Diskussion. Zum einen wird für eine Konzentration auf die verkündigungsnahen Dienste in den Gemeinden plädiert. Allerdings kann diese wertbezogene Argumentation der Bedeutung der diakonischen Einrichtungen in der Gesellschaft nur teilweise Rechnung tragen. Zum anderen legen manche kirchliche Akteure eine Trennung zwischen einem verkündigungsnahen, wertgebundenen Bereich und einem ausschließlich unternehmerisch zu führenden Verband nahe.

Dies würde allerdings dem kirchlichen Selbstverständnis widersprechen, die Einheit von Wort und Dienst, Verkündigung und Sendung zu leben und zu gestalten. Dagegen steht eine Position, die gerade in der Vielfalt kirchlicher und diakonischer Dienste die Möglichkeit sieht, auch Nichtchristen zur Mitarbeit einzuladen und für ihre Dienste offen zu sein. Dies scheint besonders dann zu gelingen, wenn die Kirche ihre Aufgaben mit dem ihr vorgegebenen Zweck in Verbindung bringt, der hier als vorwegnehmende Gegenwart der menschlichen Bestimmung in der Gesellschaft beschrieben werden soll. Dann versteht sich die Kirche als Werkzeug des Reiches Gottes und richtet ihr Tun an ihm aus. Sie ist nicht von der Welt, aber in der Welt und ist in ihrem Verhalten nicht schlechter als diese, sondern - wenn möglich - ein sichtbares Zeichen für die Menschenfreundlichkeit Gottes.

Dr. Christian Homrichhausen (Präses des BVEA)
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