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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2010zur Startseite Gesellschaft - Glauben - Aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer Kapitel 12, Vers 21. - Dr. Christian Homrichhausen

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“

Aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer Kapitel 12, Vers 21.

Philippus Melanchthon - Bild Elke LartzDie Zeitgenossen von Paulus vernahmen aus dem Spruch wenigstens zwei Begründungen für ihr gutes Handeln. Zum einen: So wie der Mensch, der das Gute tut, das Böse besiegt, schützt er das Gute. Zum anderen erinnerte er sie daran, dass auch das Böse Anstoß zum guten Handeln gibt; denn nicht das Böse hilft dem Bösen, sondern das Böse dem Guten. Die Jahreslosung hebt die Willensausrichtung des einzelnen Menschen zum Guten hervor, lehnt die sich selbst verstärkende Wirkung des Bösen ab und unterstreicht die sich durchsetzende Macht des Guten.

Die Jahreslosung begegnete 2010 bereits als Wochenspruch zum „Tag der Vereinten Nationen“, dem 24. Oktober. An diesem Tag rief der Spruch die Anstrengungen zur Gestaltung der Gesellschaft und des Völkerrechts während des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung, die den Krieg schließlich beendeten.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion war die Nazityrannei endgültig zu einer Herausforderung für die Völker geworden, die weder in territorialer noch anderer Beziehung eine Bereicherung anstrebten. Menschenrechte und Gerechtigkeit sollten gelten. Die ersten Staaten der Vereinten Nationen setzten sich deshalb für Freiheit, Unabhängigkeit und Religionsfreiheit in ihrer Erklärung vom 1. Januar 1942 ein.

Die Friedenssehnsucht der Menschen erhielt einen neuen Impuls. Sinnfällig ist er durch die Bronzestatue des russischen Künstlers Evgeniy Vuchetich zum Ausdruck gebracht, die 1959 von der Sowjetunion der UNO geschenkt worden ist, im Garten des UNO-Hauptgebäudes steht und den Untertitel trägt: “Wir werden unsere Schwerter zu Pflugscharen schlagen”.

Mit der Gründung der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1945 erhielten die Menschenrechte eine herausragende Bedeutung. Auch die Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation zogen ihre Lehren aus der Vergangenheit und setzten sich u.a. für die Vereinigungsfreiheit außerhalb des Mutterlandes gelegener Gebiete ein, für die Abschaffung der Zwangsarbeit und für Mindestnormen der sozialen Sicherheit.

Im Römerbrief schließt die Jahreslosung eine Spruchreihe mit Ermahnungen ab. Diese nennen Grundsätze des Gemeindelebens und geben Empfehlungen für das Verhalten gegenüber Nichtchristen.

Der Mensch, der das Gute tut, lässt sich von der Liebe speisen. Die Taten des Menschen werden deshalb falsch und anfällig für das Böse, wenn die Liebe geheuchelt oder als Schauspiel vorgeführt wird. Die Empfänger des Briefes werden also aufgefordert, das Böse zu verabscheuen und sich innigst mit dem Guten zu verbinden.

Für das Verhalten untereinander bedeutet dies eine familiär geprägte Form geschwisterlichen Zusammenlebens. Paulus weiß sehr wohl, dass es einen Wettstreit unter Christen geben kann. Damit dieser nicht in Hochmut ausartet, empfiehlt er, den Mitchristen höher zu achten solle als sich selbst.

Dabei hat Paulus offensichtlich Enthusiasten der Gemeinde vor Augen, die er auf die Aufgaben der Zeit hinweisen muss. Ihnen empfiehlt er keinen hochfliegenden Opportunismus, wenn er zum eifrigen und feurigen Dienst auffordert. Schließlich geben sie nicht der Welt die Tagesordnung vor, sondern diese stellt sie in ihren Dienst.

Fröhlich sollen sie ihrer Hoffnung leben, in schweren Zeiten nicht vorzeitig aufgeben und immer wieder zum Gebet zurückkehren. Ein offenes Herz für die Nöte der Mitchristen gehört dazu und Gastfreundschaft für die reisenden Mitchristen.

Die Friedenssehnsucht erhielt einen neuen Impuls

Und sollten sie selbst einmal unterwegs sein und kein offenes Haus finden, sondern geschmäht und verfolgt werden, ruft Paulus ihnen das Wort Jesu in Erinnerung, nicht zu verfluchen, sondern zu segnen. Dann spricht Paulus von der Gleichgesinntheit und der Eintracht, deren Kern und seine Ausprägungen das Bundeslied des BVEA kennt: „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.“

Paulus empfiehlt gegenüber den Nichtchristen den Verzicht auf Vergeltung und die Wahrung des Friedens. Die aus dem Gleichnis vom Weltgericht (Mt. 25, 31-46) bekannten guten Verhaltensweisen, für die Jesus die Schafe mit seiner ewigen Gemeinschaft belohnt, kehren in der Beschreibung bedürftiger Feinde bei Paulus wieder.

Wenn der Feind hungert, soll er gespeist werden, wenn er dürstet, getränkt werden; denn dann wird Christus gleichsam feurige Kohlen auf den Häuptern der Feinde sammeln.

Paulus meint also, dass die Feinde Scham über ihre Lage und ihre Einstellung empfinden werden und zu friedlichem Verhalten geführt werden können.

Das Weihnachtsfest vor dem Beginn des neuen Jahres gibt Gelegenheit sich auf die Quelle des Guten zu besinnen und das Bündnis mit der Liebe zu erneuern. Dazu gehört auch die von Paulus beschriebene Atmosphäre zu beachten.

Dr. Christian Homrichhausen (theol. Berater des BVEA)

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