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BVEA - Rundschau Ausgabe 2-2010zur Startseite  Demografischer Orkan zieht auf - Das Ungleichgewicht der Generationen - Helmut Faber

Demografischer Orkan zieht auf

Das Ungleichgewicht der Generationen

Familienbild - Mutter und Schwestern - Bild Elke LartzSchon lange gibt es kein Gleichgewicht der Generationen mehr: Die Lebenserwartung steigt, die Geburtenrate nimmt ab.

Die Sozialleistungen werden abgebaut zu Lasten der sozial Schwächsten. Die Einkommensschere geht beschämend und skandalös auseinander zu Gunsten einer Oberschicht der Gesellschaft. Hier kann man nicht mehr von Einkommen und Verdienst sprechen sondern von schamloser, unsozialer Bereicherung.

Unser Rechtsstaat ist im Begriff, sich zu einem unsozialen Unrechtstaat zu verwandeln. Hier muss die Kirche und die Gemeinschaft von Christen entschiedenen Protest und die Verweigerung politischer Gefolgschaft in die Tat umsetzen.

Ein gutes Beispiel ist der „Schulterschluss“ in der Stadt Oberhausen (WAZ WOB Nr. 146 ): Rat, Kirchen, soz. Einrichtungen, Gewerkschaften protestieren gegen die Sparbeschlüsse der Regierung. Muss unser bisheriges Parteiensystem zwangsläufig um sozialpolitisch alternative (auch radikal linke?) Parteien ergänzt werden?

Am Stammtisch und in einkommenssicheren Kreisen hört sich das allerdings anders an. Wer lern-und leistungsbereit ist, bekommt auch seine Chance. Noch immer kursiert der Vorwurf der „Arbeitsunwilligen und der sozialen Hängematte“. Leid-und Lastentragende sind vor allem die Frauen. Mit 400 € -Jobs werden sie ausgenutzt und im Alter in die Armut entlassen.

Noch bietet sich allerdings ein ganz anderes Bild: Gut versorgte Senioren findet man auf Reisen, im Bildungsund Kulturleben. Auch die kirchlichen Angebote nutzen deren Finanzkraft. Doch der Orkan wird anschwellen, wenn dieses Klientel von Kirche, Kultur und Konsumbetrieb zurückgeht.

Schluss mit dem Gerede an der Theke „Rentner müsste man sein, denen geht es verdammt gut. „Dir geht’s nicht mehr gut, wenn du auf Rente bist. Wart’s ab.“

Das Forschungszentrum „Generationsverträge“ an der Universität Freiburg hat errechnet, dass der Staat Steuern und Sozialbeiträge um 13 Prozent erhöhen oder alle Leistungen um elf Prozent kürzen müsste, um die Versorgungslücke zu schließen. Es steht fest: So gut wie der heutigen Rentnergeneration wird es wohl keiner nach ihr gehen. Verschärft wird diese Entwicklung durch Teilzeitbeschäftigung und Minijobs. Besonders betroffen sind Frauen.

Der Präsident des Hamburger Wirtschaftsarchivs, Thomas Straubhaar, spricht sogar von einem vorstellbaren „Krieg der Generationen“. Aber solchen Szenarien kann man nur entschiedene Bemühungen entgegensetzen, die auf eine Veränderung und Erneuerung des gesellschaftlichen Wirbewußtseins, auf eine Stärkung des Solidaritätsgedankens zielen und eine effektivere soziale und politische Teilhabe ermöglichen. Diese Zusammenhänge werden viel zu sehr außer Acht gelassen, allenfalls in Sonntagsreden gestreift. Sie müssten doch ein zentrales Anliegen der Bildungsarbeit sein. Hier haben auch die Führungskräfte in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erheblichen Lernbedarf.

Wir müssen die Praxis der Begünstigung der Bessergestellten zu Lasten der Benachteiligten beenden. Wenn dies gelingt, dürfen wir stolz darauf sein. Noch bemängelt die OECD, dass in kaum einem anderen Industrieland die Geringverdiener so schlecht abgesichert sind wie in Deutschland.

Das Ungleichgewicht der Generationen und der aufziehende demografische Orkan sind nicht die Folge einer fatalen Entwicklung sondern einer falschen Politik, in der nicht die Stärkung der gesellschaftlichen Kräfte sondern Gewinn und Wachstum zur Maxime wurden. Das Verhältnis zwischen Jung und Alt in Deutschland ist dafür bezeichnend. Man müsste es allenthalben wieder erleben können, dass die Alten der Schatz der Gesellschaft sind und die Jungen ihre Triebkraft.

Helmut Faber

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