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BVEA - Rundschau Ausgabe 2-2010zur Startseite / Gesellschaft - Glauben - Melanchthon – eine Herausforderung - Dr. Christian Homrichhausen

Melanchthon – eine Herausforderung

Er wurde zum Begründer des protestantischen Gelehrtenschulwesens

Schulen, Akademien und Kirchengemeinden tragen den Namen des Reformators, der an der Seite des älteren Luther nachhaltig wirkte.

Sie alle werden in diesem Jahr ihres vor 450 Jahren verstorbenen Namensgebers gedenken. Melanchthon, der nie ordiniert wurde und kein Predigtamt annahm, hatte unter„der Kampfwut der Theologen“ gelitten, von der er am 19. April 1560 erlöst worden war. Allerdings hatte er den Studenten in Wittenberg,die den deutschen Predigten nicht folgen konnten, vor dem Gottesdienst lateinische Auslegungen des Sonntagsevangeliums geboten.

Die der Evangelischen Arbeitnehmerschaft nahe stehenden Theologen haben sich nicht nur auf Luther sondern auch auf Melanchthon berufen, wenn sie die Erkenntnis Gottes mit der Förderung der menschlichen Gemeinschaft in Verbindung brachten. Dazu zitierte der Sozialpfarrer Dr.Harald Poelchau aus den Schmalkaldischen Artikeln, in denen die Gnade des Evangeliums nicht nur als „durchs mündliche Wort“ und die Sakramente,sondern „auch durch gegenseitiges Unterreden und Trösten der Brüder“ als zu den Menschen kommend qualifiziert wird. Diese Artikel von 1537, die sich ausführlich mit dem Papsttum auseinandersetzten, hatte Melanchthon zudem mit dem Vorbehalt versehen, dass die Oberhoheit des Papstes über die Bischöfe zugewähren sei, wenn er „das Evangelium zulassen wollte“. Zu dieser Zeit hatte Melanchthon bereits die reformatorische Grundeinsicht Luthers in seine „Allgemeinbegriffe der theologischen Dinge oder Abriss der Theologie“ (1521) gefasst, das„Augsburger Bekenntnis“ (1530), „das eigentliche Unionsbekenntnis des deutschen Protestantismus“ (Alfred Adam) und seine„Apologie“ (1531) formuliert.

Zudem gehörte er seit 1525 den vom Kurfürsten Johann der Beständige angeordneten Visitationskollegien für die Pfarreien an und nahm damit unmittelbar Einfluss auf Theologie und Gestalt der Ortsgemeinden im Land. Melanchthon hatte nicht nur maßgebenden Einfluss auf die protestantische Kirchenbildung.

Förderung der menschlichen Gemeinschaft

Er wurde zum Begründer des protestantischen Gelehrtenschulwesens. Ihm gelang die Verbindung aus neuer theologischer Einsicht und dem humanistisch geprägten Bildungsanspruch, den Luther in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“(1520) als Forderung an die Obrigkeit formuliert hatte, den Aufbau und die Erhaltung der christlichen Schulen zu überwachen und zu fördern. Denn eine„rechte Schulbildung ist so nötig, wenn nicht nötiger als die Sicherung des Gemeinwesens vor äußeren und inneren Feinden“.

Auf Empfehlung seines Großonkels, Johannes Reuchlin (1455 – 1522) war der 21-jährige Melanchthon als Professor für die alten Sprachen durch Vermittlung des Kurfürsten Friedrich der Weise nach Wittenberg berufen worden und hielt dort am 28. August 1518 seine Antrittsrede zur Studienreform. Er zeigte sich als Verfechter der in der Renaissance „wiedergeborenen Musen“ und knüpfte an den alten Fächerkanon der sieben freien Künste an. Üblich war der Unterricht in der Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik, wobei Melanchthon den eingetretenen Mangel an Griechischkenntnisse beklagte und den Rückgang mathematischer Bildung. Beides brachte er mit einer Verwahrlosung der gottesdienstlichen Geschehnisse in Verbindung. Ausdrücklich empfiehlt er die Königin der Musen, die Geschichte, da kein Teil des Lebens ohne sie auskommen könne. Er dachte hoch von der Schule und sein Einsatz für die Erneuerung des Schulwesensveranlasste den Rat der Stadt Nürnberg Melanchthon für seine neue Schule zu gewinnen. Dieser nahm aktiv an der Gründung teil, blieb Wittenberg treu und hielt am 23. Mai 1526 die Festrede anlässlich der Eröffnung. Erführte aus: „Zwei Werte sind göttlicher als alles, was dem menschlichen Wesen zugehört: Die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Beide zu erforschen und zu entfalten ist der Schule anvertraut.“

Der „Lehrer Deutschlands“ (praeceptor Germaniae“) und Reformator war am 16. Februar 1497 dem kurfürstlichen Rüstmeister Georg Schwarzerdt und seiner Frau Barbara geboren worden. Als einer unter fünf Geschwistern wuchs er in Bretten auf und seine Begabungen waren früh erkannt worden. Als sein Großonkel Johannes Reuchlin ihm 1509 eine griechische Grammatik schenkte, legte er ihm den gräzisierten Familiennamen „Melanchthon“ bei. Im gleichen Jahr nahm Melanchthon seine Studien an der Heidelberger Universität auf, wechselte 1512 nach Tübingen, wo er als „Magister“ 1514 Vorlesungen über lateinische Dichter und Historiker zu halten begann. Diese akademische Auszeichnung behielt er bei und durch sein Lebenswerk verlieh ihr einen besonderen Glanz.

Dr. Christian Homrichhausen (theologischer Berater des BVEA)

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