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BVEA - small logoZeitenwende - Reinhard Ziegler

Zeitenwende!

Wir müssen uns von unserer Lebensweise verabschieden -

Nachrichten erreichen uns oft nur noch als Info-Fetzen, die zu ordnen keine Zeit bleibt, weil Aktuelleres drängt. Also reduziert sich zum Beispiel der Klima-Gipfel von Kopenhagen zu „Konferenz gescheitert“, während das Kyoto-Protokoll von 1997 noch mit dem Etikett „Durchbruch gelungen“ glänzte. Diese Schlagworte sind ohne differenzierte Hintergrundausleuchtung wertlos.

Ausschnitt aus einer bemalten Mauer aus der Ausstellung Mauerfall 2009 - Foto Elke Lartz

Die CO² -Konzentration in der Erdatmosphäre hat sich seit Kyoto dramatisch erhöht; allein im kurzen Zeitraum von 2000 bis 2004 stieg der weltweite Ausstoß von 24,6 Mrd. Tonnen auf 28,2 Mrd. Tonnen, in China gar von 2,4 auf 4,8 Mrd. Tonnen. Was damals als Durchbruch gefeiert wurde, ist zum Dammbruch missraten. In 12 Jahren hat sich kein breites Problembewusstsein entwickelt. Das ist auch nicht verwunderlich angesichts einer Bedrohung, die bislang nur punktuell auf sich aufmerksam macht und für die es in der Menschheitsgeschichte kein Beispiel gibt.

Im Zeitraffer: In einem Zeitraum von 200 Millionen Jahren (Karbon bis Jura) wurde der Kohlenstoff in der Erdkruste gebunden, den wir Menschen seit ca. 200 Jahren durch das Verbrennen von Gas, Erdöl und vor allem Kohle wieder freisetzen.

Wir zappeln in der Wachstumsspirale wie der Junkie an der Nadel. Dass wir uns an eine immer schwungvollere Rotation gewöhnen konnten, hat eine zentrale Ursache: Billige Energie. Nicht die Erfindungen der Industrialisierung haben den Energiehunger angeregt, sondern die scheinbar unendliche Verfügbarkeit fossiler Brennstoffe hat eine massenhafte Einführung der Innovationen erst möglich und sinnvoll gemacht; ohne Kohlekraftwerke keine flächendeckende Elektrizität, ohne Öl keine schrankenlose Mobilität! Wir können also gar keinen Klimaschutz betreiben, ohne uns von einer Lebensweise zu verabschieden, die auch jene als alternativlos erstrebenswert ansehen, für die sie sich noch gar nicht verwirklicht hat, und das sind mehr als zwei Drittel der Menschheit.

Es geht um nicht weniger als die Erkenntnis, dass westliches Komfortniveau ein Auslaufmodell sein müsste, bevor die Menschheitsmehrheit es erklimmen konnte. Welcher Staatenlenker, ob Demokrat oder Autokrat, könnte das den Massen erklären, ohne Revolten zu riskieren? Andererseits erübrigt sich jede Erklärung, wenn der steigende Bedarf an verfeuerbaren Ressourcen den Vorrat immer schneller schwinden lässt.

Eine vertrackte Situation, die beim Namen zu nennen sich kein Politiker traut. Stattdessen wird der Tagtraum kultiviert, man zwinge schon alles unter einen Hut: Kräftiges Wirtschaftswachstum mit intelligentem Klimaschutz, der Arbeitsplätze schafft und obendrein die Gewinne steigert. Lästige Klimagase werden vergraben, so dass die weitere Kohleverbrennung folgenlos bleibt, als sei das Desaster der ungelösten Atommüllentsorgung nicht Warnung genug, Massenmotorisierung stellt der Elektromotor sicher, als käme der Strom aus der Steckdose und nicht aus zusätzlichen Kraftwerken.

Man klammert sich an Techniken, die entweder nicht funktionieren, zu teuer oder unbeherrschbar sind und vorhandene Probleme letztlich nur verlagern und damit vergrößern. Erneuerbare Energie, ob aus Windoder Sonnenkraft, könnte durchaus die notwendigen Lebensbedürfnisse späterer Generationen erfüllen, mit den Wachstumsanforderungen kapitalistischen Wirtschaftens ist sie überfordert. Die waren und sind an billige Energie gebunden, die aus der Erde kam und in Zukunft nicht mehr unbegrenzt und wohlfeil zur Verfügung steht.

Energiesparleuchten und Hybrid-Autos sorgen für Gesprächsstoff und dienen der Gewissensberuhigung, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise stellen sie jedoch nicht in Frage. Das aber würde die Dimension der Probleme erfordern.

Reinhard Ziegler, EAB Essen.

 

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