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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2009 aus den Landesverbändenzur Startseiteean-Baden - Evangelische Arbeitnehmerschaft im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden e.V.
20 Jahre Mauerfall - Heike Fischer

20 Jahre Mauerfall - die friedliche Revolution

Kritische Gedanken zur deutschen Einheit

Grenzbild Bornholmer Strasse - Bild Elke LartzAuf Einladung der ean Kehl-Hanauerland referierte Roland Geitmann zum Thema Mauerfall und deutsche Einheit. Der Referent, geboren in Rostock, erlebte als junger Mensch den Sozialismus und die Teilung Deutschlands. Er beteiligt sich seit der Wendezeit aktiv in Initiativen für eine politische Veränderung Deutschlands. Drei Thesen wollte er den interessierten Zuhörern nahe bringen: unverdientes Geschenk, verpasste Chance, bleibender Auftrag.

Die Teilung Deutschlands haben die Deutschen selbst verschuldet. Mit dieser Aussage konfrontierte Geitmann seine Zuhörer zu Beginn des Vortrags. Ideen eines dritten Deutschlands neben den beiden Großmächten Österreich und Preußen mit bundesstaatlichem Charakter scheiterten im 19. Jahrhundert. Preußens Führungsanspruch und Einheitstreben erstickte jede freiheitliche Idee. Frühe Ideen über Weltbürgertum und eine Vermittlerrolle Deutschlands zwischen Ost und West wurden verdrängt vom Gedanken eines starken und mächtigen Einheitsstaats. Der Macht- und Expansionsanspruch der deutschen Politik über Jahrhunderte hinweg, machte Deutschland für seine Nachbarländer unerträglich und führte in letzter Konsequenz zum ersten und zweiten Weltkrieg und somit zur Teilung. Kaum jemand wagte zu hoffen, dass diese Teilung wieder rückgängig gemacht werden könnte.

Die Anfänge zur Befreiung Osteuropas sieht Geitmann bereits 1968 im Prager Frühling. Es entwickelte sich eine kritische Öffentlichkeit und der Ruf nach Liberalisierungs- und Demokratisierung wurde laut. Fortgesetzt hat sich dieser Prozess in Polen mit der Gründung der Gewerkschaft Solidarnosc 1980 und der Streikwelle 1988 in Polen. Dieser Aspekt des Jahres 1989 wird im deutschen Einheitsjubel gern vergessen. Als die Unterdrückung der DDR-Bevölkerung ein unerträgliches Maß erreichte, flohen die Menschen zu Tausenden. Diejenigen, die blieben forderten einen pluralistischen Sozialismus, mehr Freiraum für Mitbestimmung, politische Grundrechte, Rückkehr zur Wahrheit und Demokratie. Hier ging die Initiative von kirchlichen Basisgruppen aus. "Wir sind das Volk!", so ihre Forderung.

Trotz Bespitzelung und Repressalien, denen sie ausgesetzt wurden, konnten sie Tausende von ihren Ideen überzeugen. Die friedlichen Demonstrationen am 8. und 9. Oktober gaben den Ausschlag. Von Seiten der Demonstranten flog kein Stein und kein Soldat richtete seine Waffe auf die Bevölkerung. Dies war einer der größten Glücksfälle für Deutschland. Die Wende war eingeläutet.

Die Volkskammerwahl 1990 gewann die CDU und somit die Einheitsidee.

Wichtige soziale Errungenschaften der DDR, wie Kinderbetreuung, gingen verloren. Ideen zu einer Bodenreform wurden eingestampft. Auch der Artikel 146 des Grundgesetzes, wonach sich das deutsche Volk nach Vollendung der Einheit und Freiheit eine neue Verfassung geben kann, wurde bis heute nicht umgesetzt. Den Bürgern der DDR wurde der westdeutsche Lebensstil quasi übergestülpt. Die Chancen für eine politische Umgestaltung wurden verpasst.

Seit damals haben sich die Probleme verschärft. Militärische Lösungen sind wieder diskutabel. Die Umweltzerstörung schreitet rasant voran. Die Kluft zwischen Arm und Reich, wird immer größer. Das bestehende System kann die Probleme nicht lösen. Als Folgen stellen sich Resignation, Korruption, Gewalttätigkeit ein.

Eine Umkehr so der Referent ist dringend notwendig. Er engagiert sich in Gruppen wie der CGW - Christen für gerechte Wirtschaftsordnung e.V.. Hier finden sich Menschen zusammen, die nach Alternativen suchen. Die derzeitigen Lösungswege der europäischen Staaten, mit denen der Wirtschaftskrise begegnet wird, verzögern den Zusammenbruch des Systems nur, so der Referent. Eine solidarische Ökonomie ist notwendig.

Die Menschen schüttelten gewaltfrei ein unterdrückendes System ab. Veränderungen sind möglich, man muss sie nur wollen.

Heike Fischer, EAN Baden

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