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Demut - vergessene Tugend?

„Nicht nur Not, auch Demut macht erfinderisch!“ Ach ja?

Sandfiguren aus Sandsation in Berlin - Bild Elke LartzIn der antiken Tradition ist der Begriff negativ besetzt, meint eine verächtliche Sklavenmoral, die von der einflussreichen Oberschicht gepflegt wird. Im Gegensatz dazu kennzeichnet sie in biblischen Texten die Haltung der Frommen. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ergreift Gott Partei für die Gedemütigten.

Jesus spricht zu den Geknechteten, unter der - buchstäblichen - Last Stöhnenden. Die Juden erkennen, dass der Mensch sein Dasein nicht der eigenen Tüchtigkeit verdankt, sondern allein Gottes Willen. Jesus zeigt später, dass Selbsterniedrigung und demütige Hingabe an Gottes Heilshandeln der richtige Weg ist.

Wer respektiert heute noch die Tugend der Demut? Historisch betrachtet, forderten die Wortführer der Demut eher Unterwerfung oder gar Heuchelei. Für unsere heutige Gesellschaft kann die Erinnerung an demütiges Handeln allerdings die Einsicht fördern, dass menschliche Wertschätzung nicht nur durch Leistung und respektvolle Anpassung zu erlangen ist.

Unsere Freiheit gestattet es, dass wir uns selbst annehmen und ebenso den anderen Menschen in seiner eigenen Würde. Darüber hinaus lernen wir, die Natur zu schätzen und die gesamte Schöpfung zu bewahren. Das alles meint demütiges Leben, auch im Dienst am Nächsten. Somit ist Demut doch eine soziale Tugend, die geradezu befreiend wirkt!

Ein Beispiel: Jahrelang hat ein Geschäftsmann sogenanntes „Schwarzgeld“ auf dubiosen Konten angelegt, selbstverständlich unversteuert. Kürzlich, in Anbetracht der neuen Kontroll- und Auskunftsverpflichtungen der Banken, kamen ihm Bedenken. Danach offenbarte er sich gegenüber der Finanzbehörde und versteuerte nachträglich einen sechsstelligen Betrag. Nachdem nun alles geregelt war, fühlte er sich gereinigt und, wie er sagte, „wirklich eins mit Gott“.

Solche Berichte lesen oder hören wir heute öfter. Reue, Buße und Unkehr sind vielleicht eine Folge der augenblicklichen Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Vorwurf, schmutzige Geschäfte gemacht zu haben, allein des Profits wegen, trifft viele, große und kleine „Sünder“. Um so häufiger wird nun von Moral und ethischem Handeln gesprochen. Plötzlich werden alle wieder gut.

Vielleicht stimmt es doch, dass nicht allein Not, sondern auch Demut - wieder - erfinderisch macht!

Klaus ReinhardtKlaus Reinhardt, Stv. Vorsitzender RAKÜ e.V., Hamburg

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