BVEA Archiv 2-2009 | Archiv 2-2009 aus den Landesverbänden |
BVEA - Rundschau - Ausgabe - 2-2009 zur Startseite -- Zum Geleit - Werner Künkler - Prekäre Arbeitsverhältnisse und Mindestlohn sind eine unendliche Diskussion
Liebe Leserin, lieber Leser,

Prekäre Arbeitsverhältnisse und Mindestlohn sind eine unendliche Diskussion

Werner KünklerIst die Tarifautonomie in Deutschland unter die Räder gekommen? Warum hat es die große Koalition innerhalb der Legislaturperiode nicht geschafft, einen bundesweiten Mindestlohn einzuführen?

In der Tat stellen sich die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land diese Fragen.

Zumal feststeht, dass die Bundesrepublik im europäischen Vergleich von 27 EU-Staaten im Bereich sozialer Gerechtigkeit in Verbindung mit einer gerechten Bezahlung auf Platz 17 gelandet ist.

Das heißt, 6,5 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Mindestlohnbereich unter 7,50 Euro / Stunde und 1,0 Million Menschen haben einen Durchschnittslohn von 3 Euro/Stunde. Die überproportional schlechte Bezahlung der Frauen, bei den einfachen Arbeitsplätzen, bedarf einer gesonderten Betrachtung.

Forderung an die neue Regierung

Warum ist es sozialpolitisch nicht möglich, diesen Bereich mit oder ohne Gewerkschaft zu ordnen und damit eine menschenwürdige Entlohnung zu schaffen, von der die Menschen leben können, auch ohne Aufstockung durch Hartz IV?
Die Unionspolitiker innerhalb der großen Koalition stellen immer klar dar, ein flächendeckender Mindestlohn als gesetzliche Vereinbarung ist abzulehnen. Es ist und bleibt Sache der Tarifvertragspartner.

Richtig ist, dass die im DGB vertretenen Gewerkschaften über Branchentarifverträge alles Mögliche unternehmen, um diese Missstände zu verhindern. Dennoch steht Deutschland bei den tarifgebundenen Löhnen mit 63% an drittletzter Stelle vor Luxemburg und Großbritannien.

Durch das Ausscheren vieler Unternehmen aus den Arbeitgeberverbänden konnten nur noch 1,5 % der Tarifverträge 2008 für verbindlich erklärt werden (1991 waren es noch 5,1 %). Im Übrigen verweisen die Unionsparteien der CDU/ CSU auf die Möglichkeiten staatlicher Lohnergänzungszahlen, d. h. die Steuerzahler gleichen die Missstände einer gerechten Entlohnung aus.

Die Sozialdemokraten wollen die verheerenden Auswüchse bei der Entlohnung innerhalb der prekären Arbeitsverhältnisse mit der Festlegung auf 7,50 Euro / Stunde begrenzen möchte und liegen damit auch auf der Linie des DGB.
Natürlich wäre es im Rahmen unserer sozialen Marktwirtschaft richtig, wenn die Tarifsvertragspartner solche Vereinbarungen treffen können. Auch einer Wettbewerbsverzerrung würde man dabei zuvorkommen.

So werfen speziell die Konservativen und liberalen Politiker die Frage auf, wie man denn unqualifizierten Arbeitnehmern den Staat in ein erfolgreiches Berufsleben ermöglichen kann, wenn nicht durch einen Arbeitsplatz, der auch im unterbezahlten Bereich liegen kann.

Leider ist die Wirklichkeit eine andere.

70% der Mindestlöhner und Leiharbeiter haben eine qualifizierte Berufsausbildung, 10 % haben einen akademischen Abschluss und nur 20 % haben keinen Berufsabschluss.

Was bleibt sind schlimme Wahrheiten.

So liegt die Spanne einer gerechten Entlohnung zwischen 70 Millionen Euro / Jahr (Porschechef Wedekind) und den 6,5 Millionen Mindestlöhnern bzw. Leiharbeitern die für 5 Euro / Stunde oder weniger arbeiten müssen.

Selbst die OECD stellt fest, dass ein Mindestlohn zur Sicherung des Sozialstaates unabdingbar ist, und die meisten europäischen Staaten machen es der Bundesrepublik erfolgreich vor.

Leider haben die Regierung und unsere Gesellschaft es zugelassen, dass hier Werte wie angemessene Bezahlung und die Grenzen des Anstandes und der Menschenwürde signifikant nach unten gelegt wurden.

Es bleibt zu hoffen, dass alle an der Politik beteiligten die Gefahren für unseren sozialen Rechtsstaat erkennen und gegensteuern.

Der soziale Frieden ist ein zu hohes Gut. In diesem Sinne verbleibe ich

Euer Werner Künkler
Stv. Bundesvorsitzender des BVEA

nach oben

zum Seitenanfang - BVEA - Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
bvea@bvea.de
©BVEA Internetseiten 2001-2015 Deutschland | Stand 18.06.2015
Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich - siehe Impressum
Nachdruck und andere Veröffentlichungen der hier genannten Artikel und gezeigten Bilder sind nur nach vorheriger Genehmigung des BVEA erlaubt!

Über uns | Landesverbände | Aktuelles BVEA | Aktuelles aus den Landesverbänden | Pressemitteilungen | Impressum |

Startseite BVEABundesverbandLandesverbändeAktuellesRundschauArchiv

Suche: