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BVEA - Rundschau Ausgabe 1- 2009 - small logoaus den Landesverbänden - EAB-NRW Ecklohn, Mindestlohn oder Hungerlohn ? Horst Kielmann EAB-Essen-Steele

Ecklohn, Mindestlohn oder Hungerlohn ?

In der Frühzeit der Menschheit lebten diese von dem was sie sammelten oder erjagten. Später, als die Menschheit größer wurde, konnte nicht mehr jeder auf die Jagd gehen oder selber Naturprodukte sammeln. Man tauschte untereinander und schuf bald bestimmte Gegenwerte für die erbrachten Leistungen, tauschte ein Tier gegen einen Sack Getreide.

Dann wurden die Transportwege zueinander länger, schwieriger und wertvolle Mineralien wie z.B. Muscheln, Silber und Gold wurden als Ersatzwerte im Tausch eingesetzt. Man schuf Geld in der Form von Münzen, später Scheinen, für deren Wert Regierende, dann auch Geldverleiher und Banken maßgeblich waren. Alles wurde anonymer im Verhältnis zur persönlichen Leistung. Einige häuften Geld als Kapital an, oft mit Gewalt, ohne eigene, persönliche Leistung einzubringen. Und im Laufe der Zeit wurde die Arbeitskraft als eingebrachte Leistung wie Ware behandelt, wie es Heute noch per Gesetz ist. Eigentlich ein menschenverachtender Zustand.

Aber wieviel ist denn die augenscheinliche nicht messbare oder wiegbare Leistung eines Menschen wert? Schon im biblischen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20) wird der Konflikt sowohl zwischen dem Arbeitgeber wie auch unter den Arbeitern untereinander deutlich. Darf Lohn in all seinen Formen, wie zum Beispiel Gehalt, Stundenlohn, Akkord oder Prämie, als Grundlage des Lebens von einer unbestimmbaren Leistung, einer vorgegebenen Dauer und der dem Mensch gegebenen alternden Kraft für ein Leben in Würde maßgeblich sein sein? So setzt sich der Konflikt bis in die heutige Zeit fort und wir müssen uns fragen, ob Kapital in der Form von Maschinen, Anlagen, Gebäuden oder Geschäften mehr Wert ist als die menschliche Arbeitskraft, die Grundstoffe erst verändert und so neue Werte schafft, wozu Kapital allein nicht in der Lage ist. Der Gedanke ist nicht neu.

Würde man die Bewertung der alles verändernden menschlichen Arbeitskraft allein den Kapitaleignern überlassen, so setzten diese den Wert immer tiefer an, um ihre Gier nach mehr Besitz zu erweitern. Bliebe die Beurteilung von Leistung den abhängig Beschäftigten überlassen, wären diese auf Grund ihrer wirtschaftlichen Ohnmacht garnicht einzeln in der Lage, den gerechten Anteil am Leistungsergebnis durchzusetzen. Im Laufe von Jahrhunderten hat sich zur Klärung des Konfliktes um Lohn und Leistung eine besondere Streitkultur entwickelt. Stellvertretend findet der Streit zwischen Arbeitgebervereinigungen und Gewerkschaften statt.

Das Ergebnis jahrelanger Lohndrückerei ist systembedingt. Die nimmersatte Gier der Wirtschaftsmächtigen privatisiert Gewinne und verlangt Sozialisierung der Verluste auf Kosten der Allgemeinheit. Und so verkommt der gerechte Lohn für menschliche Arbeitskraft immer neu und mehr. Tarifliche Ecklöhne sowie Mindestlöhne werden unterlaufen und Hungerlöhne angeboten. Die staatlichen Behörden für Arbeitsvermittlung werden politisch gezwungen, dabei mitzumachen. Würde man im christlichen Rahmen denken, dürfte es den Konflikt um Lohn und Leistung garnicht geben. Man müßte nur dem Gedanken des Weinbergbesitzers folgen und hätte die Lösung. Nur, die Gier nach Macht und Besitz macht anscheinend blind.

Horst Kielmann EAB-Essen-Steele, EAB Nordrhein-Westfalen

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