BVEA Archiv 4-2008 | Archiv 4-2008 aus den Landesverbänden |
BVEA - Rundschau Ausgabe 2008- 4 - aus den Landesverbänden - Der Retter der Kinder - Erinnerung an Johann Hinrich Wichern - Klaus Reinhardt zur Startseite

 

Der Retter der Kinder

Erinnerung an den 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern und das von ihm vor 175 Jahren gegründete „Rauhe Haus“

Der 200. Geburtstag des Hamburger Theologen Johann Hinrich Wichern bot Gelegenheit, an das Lebenswerk des Gründervaters der Diakonie zu erinnern.

Wichern wurde am 21. April 1808 geboren. Nach dem Studium der Theologie gründete er bereits mit 25 Jahren das Rauhe Haus für verwahrloste Jugendliche in Horn bei Hamburg, mit 40 Jahren die Hamburger Stadtmission und 10 Jahre später das Johannesstift in Berlin-Spandau.

Seine Stegreifrede auf dem Kirchentag 1848 in Wittenberg führte schließlich zur Gründung des Diakonischen Verbandes der Evangelischen Kirche. Am 7. April 1881 starb Wichern in seiner Heimatstadt.

An den Festgottesdienst in Wicherns Taufkirche, dem „Michel“, schloss sich eine Andacht vor seinem Grab auf dem historischen Friedhof in Hamburg-Hamm an.

Wichern hat wahrhaft revolutionäres geschaffen

Bereits im Februar 2008 hatte Bundeskanzlerin Merkel das „Wichern-Jahr“ feierlich eröffnet und an den Beginn der Diakonie als soziale Arbeit der Kirche in ganz Deutschland erinnert. In den mehr als 27.000 Einrichtungen der Diakonie sind heute ca. 435.000 Menschen beschäftigt.

Wichern hat wahrhaft Großes angestoßen - und man muss rückblickend hinzufügen, revolutionäre Gedanken in die Tat umgesetzt. Seine Werke und Institutionen wirken bis heute zum Segen einer tätigen Nächstenliebe.

Sein Engagement hat stets dem einzelnen Mitmenschen gegolten: Kindern und Schwachen, Kranken und Gefangenen, Ausgegrenzten und Heimatlosen. Wichern hat wesentliche Weichen für die ganze Kirche und die Gesellschaft im zusammenwachsenden Deutschen Reich gestellt.

Berühmt ist sein historischer Appell in der Schloßkirche von Wittenberg, wo er 1848 vor dem Kirchentag spontan zu einer biblisch begründeten Neubesinnung aufrief: „Eines tut Not, dass die evangelische Kirche in ihrer Gesamtheit anerkenne: Die Arbeit der inneren Mission ist mein; dass sie ein großes Siegel auf die Summe dieser Arbeit setze: Die Liebe gehört mir wie der Glaube!“

Wicherns Aufruf hatte Erfolg. Das Nebeneinander zahlreicher christlicher Initiativen und Vereine, die die materielle Armut und die sittliche Verwahrlosung großer Teile der Bevölkerung zu Beginn der Industrialisierung bekämpften, konnte überwunden werden.

Zwischen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit
Diakonie vor den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Am 9. Januar 1849 konstituierte sich der „Central-Ausschuß der Inneren Mission der Deutschen Evangelischen Kirche“. Wichern hat seinen Auftrag in Mission, Unterricht, Seelsorge und Diakonie immer vom „Herrn der Kirche“‘ her gesehen. Seine guten Kontakte zu Kaufleuten und Ratsherren halfen ihm beim Erwerb und der Einrichtung einer ehemaligen Bauernkate.

Im Oktober 1833 war Wichern mit 12 verwahrlosten Jungen, seiner Schwester und seiner Mutter in das reetgedeckte „Rauhe Haus“ (Ruges Haus, vermutlich der Name des Vorbesitzers) in Hörn eingezogen.

Klaus ReinhardtZu dieser Zeit galten mehr als Dreiviertel der Kinder in Hamburg als arm. An der Sonntagsschule in St. Georg erlebte der junge Wichern hautnah die erbärmliche Situation der Heranwachsenden. Er wollte sie vor der körperlichen, sozialen, sittlichen und geistlichen Verwahrlosung retten. Im „Rauhen Haus“ fanden sie ein neues Heim mit Essen, Kleidung, Schlafstatt, Unterricht und vor allem fürsorglicher Annahme. Bald entstanden weitere Häuser, ein kleines Rettungsdorf, aus dem bis heute eine Stiftung der Inneren Mission zur Förderung pädagogischer und pflegerischer Aufgaben gewachsen ist.

Dazu gehören eine Diakonenschule (Brüderhaus), eine Fachhochschule für Sozialpädagogen, die Wichern-Schule (Grund- und Realschule, Gymnasium), Wohngemeinschaften für Familien und Kinder sowie Alten- und Pflegeheime.

Wicherns Erziehungsstil setzte statt auf Zucht und Strafe in Armenhäusern künftig auf kleine familiäre Gruppen. Er betrachtete die Kinder nicht als minderwertig, sondern alle von Gott gewollt. Gemäß ihrer eigenen Würde sorgte er für ihre persönliche Entwicklung. Das Leben im „Rauhen Haus“ begann für jedes Kind mit den Worten: „Mein Kind, dir ist alles vergeben! Hier ist keine Mauer, kein Graben, kein Riegel; nur mit einer schweren Kette binden wir dich hier: Diese heißt Liebe und ihr Maß heißt Geduld!“

Klaus Reinhardt, Stv. Vorsitzender RAKÜ e.V., Hamburg

nach oben

zum Seitenanfang - BVEA - Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
bvea@bvea.de
©BVEA Internetseiten 2001-2015 Deutschland | Stand 18.06.2015
Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich - siehe Impressum
Nachdruck und andere Veröffentlichungen der hier genannten Artikel und gezeigten Bilder sind nur nach vorheriger Genehmigung des BVEA erlaubt!

Über uns | Landesverbände | Aktuelles BVEA | Aktuelles aus den Landesverbänden | Pressemitteilungen | Impressum |

Startseite BVEABundesverbandLandesverbändeAktuellesRundschauArchiv

Suche: