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Anzeige Versammlung Gründung eines evangelischen ArbeitervereinsDamals wie heute eine Herzenssache

Blick in die Geschichte einer sozialen Bewegung

Der Gewerkschaftssekretär Hermann Sparenberg, kam 1907 von Nordhorn nach Gronau. Am 16. Februar 1908 wurde der Evangelische Arbeiterverein (heute EKMD) ins Leben gerufen. Er wählte Hermann Sparenberg zum 1. Vorsitzenden. Dass sich der Verein die Vertretung der Interessen der Arbeiterschaft zu einem ernsten Anliegen machte, zeigte Sparenbergs Wahl im November 1909 in das Stadtverordnetenkollegium.

In den „Gronauer Nachrichten“ aus dem Jahre 1909 wird von den Schwierigkeiten der Wahl Franz Kerkhoffs und Hermann Sparenbergs, der eine Mitglied der KAB, der andere des Evangelischen Arbeitervereins, berichtet. Mit den beiden wollte eine neue Partei in das Stadtparlament. Die kommunalpolitische Laufbahn von Franz Kerkhoff und Hermann Sparenberg hatte begonnen. Als evangelische und katholische Arbeitervertreter kämpften sie gemeinsam als Gewerkschafter in den beiden christlichen Arbeitervereinen und in der Kommunalpolitik.

EKMD Flagge Gronau WestfalenBekannt wurde Sparenberg durch den ersten großen Textilarbeiterstreik in Gronau im Jahre 1910. Er führte die Verhandlungen über die Löhne und Arbeitszeiten. 6.000 Textiler wurden von den Unternehmern ausgesperrt. Sparenberg nahm von 1914 bis 1917 am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Kriegsende schon sporadisch als Versammlungsredner auf christlichen Gewerkschaftsversammlungen in der Grafschaft aktiv, kehrte er 1921 wieder nach Gronau zurück. Dort wurde er im Mai 1924 als Abgeordneter des „Vereinigten Gronauer Wählerblocks“ Mitglied des Bürgervorsteher-Kollegiums. Sogleich nach seiner Rückkehr in das Münsterland setzte er sein gewerkschaftliches Engagement u.a. in der Grafschaft fort, indem er Betriebsräte ausbildete, Versammlungen abhielt und bei Lohnverhandlungen Unterstützung leistete.

Gewerkschaftssekretär Hermann Sparrenberg war erster VorsitzendeIn Gronau fungierte Sparenberg als bedeutendste Person der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Die Macht-übernahme der Nationalsozialisten führte zu einem tiefen Einschnitt in seinem Leben. Er verlor seine Arbeit als Gewerkschaftssekretär und wurde gezwungen, den Vorsitz des „EvangeliDamals wie heute eine Herzenssache Blick in die Geschichte einer sozialen Bewegung Der Gewerkschaftssekretär Hermann Sparenberg war erster Vorsitzender Das Zeichen des Arbeitervereins über der Stadtsiluette der Textilindustriestadt Gronauschen Arbeitervereins“ niederzulegen. Der ehemalige Gewerkschaftssekretär konnte das Ende der NS-Herrschaft nicht mehr erleben. Er starb 1942. (Friedrich Wiltfang)

1.Vorstand 1908- Pfeil SparrenbergVereinsgeschichte aus zeitgenössischer Sicht Auf Anregung weiter Kreise der evangelischen Arbeiterschaft wurde vor 100 Jahren, am 16. Februar 1908, zwecks Gründung eines Evangelischen Arbeitervereins zu einer öffentlichen Versammlung in dem Lilienfeld‘schen Saal in der Mühlenmathe eingeladen. So wurde an jenem 16. Februar 1908 der „Evangelische Arbeiterverein Gronau (Westf.) e.V.“ ins Leben gerufen. Im Rückblick muss man feststellen, dass die Vereinsarbeit damals ihren Höhepunkt erreicht hatte, was von den damaligen Teilnehmern wohl niemand geahnt haben mag. Bereits am 19. Mai 1933 musste in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über die Neuordnung der gesamten Evang. Arbeitervereinsbewegung sowie die Herbeiführung einer autoritären Vereinsleitung beraten und Beschluss gefasst werden. Da der Evang. Arbeiterverein als reine Standesorganisation neben der damaligen DAF keine Daseinsberechtigung mehr hatte und somit unter das von der nationalsozialistischen Regierung erlassene Verbot fiel, wurde unter entsprechender Neufassung der Satzung der bisherige Verein in „Evangelisch-Kirchlicher Männerdienst für Rheinland und Westfalen e.V., Ortsgruppe Gronau (Westf.)“, umbenannt und seine Aufgaben neu festgelegt. Der Kampf galt von nun an der Stärkung unserer evangelischen Bekenntniskirche nach innen wie nach außen.

Theatergruppe GronauMit Berthold Johannesdotter bekam der EKMD 1972 einen Vorsitzenden, der dem Verein über zwei Jahrzehnte seinen Stempel aufdrücken sollte. In seine aktive Schaffenszeit beim EKMD fallen u.a. die Installation der „Grünen Damen“, seine Delegiertentätigkeit beim EAB-Landesverband. Auch der EKMD hat sich über die Jahre dem Wandel nicht verschließen können. Blieben früher die Mitglieder der konfessionellen Vereine meist unter sich, so haben sie sich in den letzten 30 Jahren auch den anderen Konfessionen gegenüber geöffnet. Der EKMD hatte 1948 rund 500; 1958 1.200; 1963 1.400 und 1972 1.700 Mitglieder - mit 1.800 Beitragszahlern war 1988 ein historischer Höchststand erreicht, der Verein umfasst aktuell noch rund 1.300 Mitgliedschaften.

Der jetzige geschäftsführende Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden Heinz Zachej, seinem Stellvertreter Bernhard Vorrink, Rolf Goeters, Jürgen Keibel. Dabei betonen die Verantwortlichen auf der einen Seite die Einbindung in den westfälischen Landesverband der EAB, auf der anderen aber auch die stetige Anlehnung an die Kirchengemeinde. Komplettiert wird der aktuelle Vorstand im Jubiläumsjahr von Kurt Wiezorrek, Dieter Thiele, Manfred Meyer, Manfred Heise, Sven Goeters, Thomas Adamsky, Gerda Benker, Gerhard Tepper, Konrad Tenfelde. Erster geistlicher Beirat ist Uwe Riese.

alle Bilder und Text aus der Festschrift 100 Jahre EKMD in Gronau, zusammengefasst von Matthias Gehlhar

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Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
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