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BVEA - Rundschau Ausgabe 4-2008 zur StartseiteDas Ende des Generationenvertrages - Helmut Faber

Bahnbrechendes historisches Ereignis -

Ein kirchliches Schuldbekenntnis verbessert die Vertrauensbasis für gegenseitige Toleranz und Respekt

„In unseren Kirchen habe wir erkannt, wie christliche Judenfeindschaft mithalf, der Katastrophe den Weg zu bereiten.“
Mit diesen deutlichen Worten, die wir so bislang von unserer Amtskirche noch nicht gehört haben, beginnt das Schuldbekenntnis, das in einer Handreichung zur Gestaltung des Gottesdienstes am 9. November dieses Jahres – am 70. Jahrestag der Reichsprogrom- bzw. Reichskristallnacht – veröffentlicht wurde.
Es sollte in unseren Gottesdiensten in ganz Deutschland verlesen werden.
Für mich ist dieses Schuldbekenntnis ein weiteres bahnbrechendes historisches Ereignis in der gemeinsamen Geschichte von Christen- und Judentum in Deutschland.

kreuz - aufgenommen in der Oberhausener Tafel - Bild Michael PolacekIn unseren Kirchen haben wir erkannt, wie christliche Judenfeindschaft mithalf, der Katastrophe den Weg zu bereiten. Unkenntnis und Vorurteile haben dem Judenhass Nahrung gegeben und zu folgenschweren Irrtümern geführt. Wenn wir diese Irrwege erkennen, können wir umkehren und neue Wege suchen.

Wir glauben und bekennen: Israel ist und bleibt Gottes geliebtes und erwähltes Volk. Wir Christen sind durch unseren Herrn Jesus Christus „Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ geworden – aus Gnade hinzugekommen zum Glauben an den einen Gott, den Schöpfer aller Menschen.

Christinnen und Christen haben immer wieder geglaubt und gelehrt, die Juden seien verantwortlich für den Tod Jesu am Kreuz, seien „Gottesmörder“. Diese böse Rede hat viel Leid über jüdische Männer, Frauen und Kinder gebracht. Wir glauben und bekennen: Jesu Tod gehört wie seine Auferweckung zum Heilshandeln Gottes und damit zum Geheimnis der Erlösung. Unser Herr nahm mit Wissen und Willen sein Kreuz auf sich, wie geschrieben steht: „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“(Philipper 2,8)

Christinnen und Christen haben immer wieder geglaubt und gelehrt, Gott, wie er uns im Alten Testament begegnet, sei ein Gott der Rache und Vergeltung, der Gott der Juden. Erst im Neuen Testament begegne uns durch Jesus Christus der barmherzige Gott der Liebe. Absagen wollen wir der falschen und bösen Rede, im Alten Testament begegne uns ein Gott der Rache, im Neuen Testament aber der Gott der Liebe.

Wir glauben und bekennen: Der Gott der Bibel ist ein Gott. Der Gott Israels ist kein anderer Gott als der Vater Jesu Christi. Für die Menschen aller Zeiten ist er gerecht und barmherzig.

Die Kirche tat sich in der Nachkriegszeit bis heute sehr schwer mit ihrer Rolle im „Dritten Reich“. Trotz einiger ideologischer Vorbehalte kamen nämlich die Kirchen 1933 zunächst dem Wunsch Adolf Hitlers entgegen, die nationalsozialistische Bewegung als Wiederaufrichtung eines christlich-konservativen Staatsgefüges religiös zu legitimieren.

In der evangelischen Kirche entbrannte ein „Kirchenkampf“ zwischen den Deutschen Christen der nationalsozialistischen Kirchenpartei und oppositionellen Kreisen und Gruppen, die sich im Frühjahr 1934 zur „Bekennenden Kirche“ zusammenschlossen.

Einer der bekanntesten evangelischen Widerstandskämpfer war Dietrich Bonhoeffer, der im Konzentrationslager sein berühmtes „Von guten Mächten treu und still umgeben“ schrieb und 1945 hingerichtet wurde.

Als erster Papst hat Johannes Paul II am 12. März des „Heiligen Jahres 2000“ ein umfassendes Schuldbekenntnis zu den Sünden der Kirche im Gesamtverlauf ihrer Geschichte abgelegt („ MEA CULPA“). Einer der darin enthaltenen sieben Punkte war das Schuldbekenntnis im Verhältnis zu Israel.

Ein solches Bekenntnis seitens der EKD liegt jetzt vor – klarer und deutlicher geht es kaum. Es ist ein weiterer Meilenstein in der gemeinsamen Geschichte von Christen- und Judentum hin zu einem unvoreingenommenen und friedlichen Miteinander.

Dr. Gerhard Kühlewind

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