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BVEA - Rundschau Ausgabe 4-2008 zur StartseiteÜber 100 Jahre religiöser Sozialismus - Helmut Faber

Über 100 Jahre religiöser Sozialismus - Ein paar Sätze zum Nachdenken

Eigentlich sind es deutlich mehr als 100 Jahre. Der religiöse Sozialismus hat seine Wurzeln in der Bibel, in der jakobinischen Gemeinde in Jerusalem, im Matthäusevangelium: „Ihr wisst, dass die Herrscher der Völker diese knechten, und ihre Großen sie vergewaltigen. So soll es unter euch nicht sein“ (Matth.20, 26). Martin Niemöller (Präsident der Ev. Kirche von Hessen und Nassau 1947-1964) sagte: „Der religiöse Sozialismus steht der Bibel näher als die real existierende Kirche.“

Zeichen des Evangelischen Arbeitervereins GronauEiner der prominentesten Köpfe des religiösen Sozialismus war Leonard Ragaz, vor 140 Jahren in der Schweiz geboren. Mit 53 Jahren (1921) tritt Ragaz von seinem Lehrstuhl in Bern zurück, es ist ihm unmöglich geworden, Pfarrer für eine verbürgerlichte Kirche auszubilden. Er geht in ein Arbeiterviertel bei Zürich und widmet sich dort der Arbeiterbildung bis zu seinem Tod 1945.

Er hatte wesentlichen Einfluss auf Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, die Ökumenische Bewegung, Martin Niemöller, Helmut Gollwitzer. Heute ist es in der Kirche still um sie geworden. Darum einige Sätze zum Nachdenken.

Der Religiöse Sozialismus war und ist seit über 100 Jahren eine wichtige, unverzichtbare Bewegung in den christlichen Kirchen, welche Alternativen zu denken wagt und sich politisch dafür einsetzt - oft unter Inkaufnahme massiver persönlicher Nachteile.

Grundanliegen des Religiösen Sozialismus ist, die biblisch - prophetischen Grundsätze von Solidarität und Gerechtigkeit konsequent aufzunehmen und die Reich-Gottes- Botschaft für das gesellschaftliche Zusammenleben fruchtbar zu machen. Im religiösen Sozialismus geht es von allem Anfang um Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Mit der konstantinischen Wende 313 n. Chr.wird das Christentum zur Staatsreligion und zur Stütze der Herrschaftsgewalten und Ordnungsmächte. Der religiöse Sozialismus, der sich zu Beginn des 20. Jahrhun- derts im Protestantismus ent- wickelt, setzt die revolutionäre Linie des Christentums fort. Für den religiösen Sozia- lismus ist das Reich Gottes zwar nicht von dieser Welt. Aber es ist eine Verheißung für diese Welt.

Wir Menschen sind aufgerufen, ihm den Weg zu bereiten. Schon das Kommen des Reiches ist auch eine Sache des Menschen. Es kommt nicht, wenn nicht Menschen da sind, die darauf warten, die darum bitten, die für sein Kommen arbeiten, kämpfen, leiden. Sie sind keineswegs alle religiös. Gott kann bei den Gottlosen wie bei den Bekennenden sein. Option für die Armen bedeutet: Wir gehören auf die Seite des Proletariats ( heute nennt man das „Prekariat“), der Armen im großen, alten biblischen Sinne, das heißt: der Verkürzten, Enterbten, Unterdrückten. Gerechtigkeit des Reiches Gottes heißt nicht Almosenwirtschaft sondern Genossenschaft.

Genossenschaftlichkeit bedeutet nichts anderes als in der heutigen Sozialethik das Partizipationsprinzip als Teilhabe aller Menschen an den Gütern, die sie erarbeiten und benötigen und an den Entscheidungen, die sie treffen.

Die Frucht der Gerechtigkeit ist der Friede. Wie es den Menschen aufgegeben ist, eine genossenschaftliche Mitmenschlichkeit zu entwickeln, so sollen sie auch mit der Natur eine mit- geschöpfliche Genossenschaftlichkeit entwickeln.

Die Sätze zum Nachdenken finden sich im Wesentlichen bei Willy Spieler, theologiekurse.ch. Kurszeitung Nr.5, Helmut Faber

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