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BVEA - Rundschau Ausgabe 4-2008 - "Gier und Größenwahn" - Werner Künkler

Gier und Größenwahn - In der Situtaion werden Erinnerungen wach

Eine treffendere Überschrift ist wohl kaum zu finden wenn die Wall-Street- Bosse Milliarden in den Sand setzen und weltweit auch die nationalen Finanzsysteme an den Abgrund führen.

Nosferato - Tannenbaum - Sinnbild für Finanzmärkte sind wie Spielhöllen - Collage Elke LartzIn der Tat werden viele ältere Bürger und Kenner der deutschen Geschichte an die Ereignisse des Börsen- crash im Jahre 1929 erinnert. Der so genannte „Schwarze Freitag“ kam überraschend mit seiner zerstörerischen Wirkung auf die Volkswirtschaften. Keiner der betroffenen Staaten tat etwas um die Auswirkungen für die Menschen zu mildern. In Deutschland verordnete die Regierung unter Reichskanzler Heinrich Brüning einen strikten Sparkurs, der zur Arbeitslosigkeit und Verelendung der Arbeitnehmerschaft führte und im Nationalsozialismus endete. Mit all` den schlimmen Folgen. Anders ist die heutige Finanzkrise absehbar gewesen. Finanzexperten und Fachleute wiesen seit Jahren darauf hin, dass sich weltweit eine riesige Aktienseifenblase entwickelt, die vor dem Platzen steht.

Aber selbst in Regierungskreisen wurden diese Fachleute belächelt oder gar in die sozialistische Ecke gestellt. Stattdessen wurde seit der Kohl- Kanzlerschaft, über die SPD geführte Regierung bis hin zur großen Koalition, die Freiheit und die sogenannten Selbstheilungskräfte der Wirtschaft gepriesen. Die grenzenlose Freiheit in einem globalisierten Markt wurde selbst von Finanzwissenschaftlern glorifiziert. So fanden die weltweit operierenden Finanzhaie viele willige Helfer. Alle Kontrollen und staatlichen Eingriffe, die es hätte schon längst - anlässlich vieler erkennbarer Indikatoren - geben müssen, wurden als kleingeistig und als sozialistische Engstirnigkeit verteufelt.

Der Neoliberalismus wurde zur großen neuen Finanzreligion gekürt. Der Turbokapitalismus, bei dem die Geldströme immer schneller und mit gigantischen Gewinnen - unabhängig von der Weltwirtschaft oder der Produktivität - den Globus umrunden, wurde zum Naturgesetz erklärt und bis in die Hochschulwelt gelehrt. Scheinbar ist nicht nur der angerichtete Scherbenhaufen erkannt, sondern auch die Einsicht eingekehrt, dass der riesige Schaden kaum noch eine erkennbare und messbare Größe hat. Dies geschah leider viel zu spät.

Neoliberalismus wurde zur großen Finanzreligion

Viele deutsche Banker teilten beruhigend mit, dass ist ja in der USA, bei uns in Europa und ganz besonders Deutschland ist so etwas in dieser Form nicht möglich. Dank unseres besseren sicheren Bankensystems, das im Wesentlichen über eine weitreichende Einlagendeckung verfügt.

Doch schneller als erwartet erreichte Europa und Deutschland die verheerende Krise der Banken Lehmann Brothers, Freddie Mac des AIG Versicherungskonzerns unsere Banken und Finanzwelt.

Die genannten grossen Rettungs- summen könnten besser verwendet werden

Hatten doch auch unsere soliden Banken mit den vorgenannten ein gigantisches Finanzroulett gespielt. So wurden die leichtfertig und in ihrer Höhe kaum gesicherten Hypotheken die sogenannten faulen Kredite von den amerikanischen Großbanken nur gemischt, neu verpackt und als neue angeblich gewinnbringende Anlagen auch über die deutschen Banken als Superprodukt an die Anleger verkauft. Die Folgen wurden nicht gesehen oder nicht erkannt.

Erlaubt bleiben den Bürgerinnen und Bürgern einige Fragen:

- Was könnte mit einem Bruchteil der zugesagten Bürgschaften und realen Geldbeträgen im Bereich Bildung, Arbeitsmarktpolitik, Wirtschaftspolitik, in den innovativen Bereichen der Sozialpolitik und international gegen den Hunger in der Welt getan werden?

Werner Künkler- Warum müssen Staat, Bürger und Steuerzahler ein Finanzsystem unter- stützen, dass in großer Weise versagt hat und selbst in der Vergangenheit wenig Solidarität und soziale Verantwortung gezeigt hat?

Die einzige Rechtfertigung ist, dass ein anderes, solideres und besseres Finanzsystem sofort an die Stelle dieses maroden Systems treten sollte.

Werner Künkler Stv. Bundesvorsitzender des BVEA und Landesvorsitzender der EAB NRW

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