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Brunhild BaldLiebe Leserin, lieber Leser,

auch wir widmen uns in dieser Ausgabe den skandalösen Ereignissen auf dem Finanzmarkt. Auch wenn die Auswirkungen davon nur wenige von uns erreicht haben. Noch befinden wir uns im Auge des Hurrikans. Der erste Sturm ist über uns hinweggefegt, und die Betroffenen bangen um ihre Einlagen. Aber das sollen ja nur 10% der Bevölkerung sein, die Verluste zu beklagen haben. Und die wenigsten davon sind Arbeitnehmer, die durch ihrer Hände Arbeit diese Werte erschaffen. Die können sich solche Aktien, Derivate, Zertifikate etc. gar nicht leisten. Aber wenn der Sturm weiterzieht und die momentane Ruhe im Auge uns verlässt, dann sind wir nahezu alle betroffen.

Haben wir bei diesem Tanz ums goldene Kalb zu lange zugesehen, ohne die Stimme zu erheben und zu warnen? Wir haben die Ethik und Verantwortung der Manager für ihr Unternehmen und deren Arbeitnehmer/innen angemahnt – vielfach eingeklagt! Wir haben auch mehrfach auf die unsinnigen Gehälter und Boni der Manger aufmerksam gemacht. Vor allem, wenn tausende von Arbeitsplätzen durch die gut bezahlte Manager verloren gingen. Leider ohne Konsequenzen! Es war eben politisch nicht durchsetzbar, wie das in Demokratien, die Mehrheiten braucht, eben so ist. Soziale Marktwirtschaft beinhaltet auch (günstigstenfalls) soziale Gerechtigkeit. Welches der Begriffe wird das Wort des Jahres 2008?

Vielleicht sollten wir bei den nächsten Wahlen (Europa und Bundestag - 2009) besser hinschauen, wem wir unser Vertrauen schenken. Es ist gerade Mangelware.

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen derzeit so niedrig wie lange nicht erscheinen, so ist auch dies ein Trugschluss. Acht Millionen Menschen sind in „atypischen“ Arbeitsverhältnissen, d.h. durch den Staat gefördert, z.B. in ABM, 1€ Jobs, Kurzarbeit, Kombilöhne und Zeitarbeitnehmer/innen. Mindestlöhne sind auf breiter Front (noch) nicht durchsetzbar. Die Zukunft sieht düster aus.

Der Einzelhandel in unserem Land hofft auf gute Weihnachtsgeschäfte trotz schlechter Zeiten. Der Finanzminister rät Werte anzuschaffen! Ich möchte auf einen anderen Wert aufmerksam machen. Schenken Sie ihren Lieben Zeit, die sie mit ihnen verbringen mit Gesprächen über Gott und die Welt und die Liebe, die alles verbinden kann.

Nach sechs Jahren Tätigkeit als Bundesvorsitzende des BVEA – ein Blick zurück ohne Zorn.

Abschied als Bundesvorsitzende

In diesen sechs Jahren ist natürlich vieles passiert, auf das ich im einzelnen nicht eingehen kann. Wir haben im Vorstand immer versucht, das Steuer in stürmischen Zeiten in der Hand zu behalten. Unruhige See gab es vor allem, weil die EKD ein geringeres Steueraufkommen verzeichnete und dies zum Anlass nahm, ihre Schwerpunkte neu auszurichten. Davon waren wir am meisten betroffen. Die größte Gefahr, den BVEA ganz aufzulösen, konnten wir abwenden, obwohl die Zuschüsse aus Hannover auf weniger als ein Drittel gekürzt wurden. Die eigenständige Geschäftstelle in Berlin musste daraufhin aufgegeben und so manches eingespart werden.

Doch mit viel Engagement und Phantasie konnten die praktischen Probleme allmählich gelöst werden – das ist aber ein dynamischer Prozess, der noch weiter geht.

In den Zeiten des turbulenten Finanzdenkens war es nicht immer leicht, unserem Anliegen, dem Sozialen Protestantismus in der Kirche und in der Öffentlichkeit mehr Gehör zu verschaffen, auch gerecht zu werden. Es war eine schmerzliche Erfahrung für mich, dass auch Vertreter in der Kirche andere Kategorien wichtiger nahmen. Ehrenamtliche haben es gegenüber dem Selbstverständnis einer bürokratischen Großorganisation, auch wenn sie Kirche heißt, wahrlich nicht einfach.

Die Daseinsberechtigung des BVEA innerhalb der großen Gemeinden in der EKD ergibt sich nicht nur aus einer guten alten Tradition der Seelsorge und des Schutzes der Arbeitnehmer/innen und ihrer Rechte. Diese werden heute gerne in Sonntagsreden und Denkschriften beschworen. Aber mit Herz und Verstand diese Werte emphatisch und konsequent zu verfolgen, sie also, wie man heute so gerne sagt, nachhaltig umzusetzen, ist ein eklatanter Mangel, den ich immer beklagt habe und, nachdem die globale Welt in diesen Monaten von einem freien, sogenannten liberalen Denken des Gewinns geprägt wurde, noch mehr beklagen muss.

Hier liegen also die tiefen Wurzeln für die Aufgaben eines BVEA, von denen er sich radikal auch in der Zukunft zum Wohle der arbeitenden Menschen leiten lassen muss.

Es hat in dieser Zeit auch gute Begegnungen gegeben – ein Highlight für unseren Vorstand war die Einladung des Bundeskanzlers Gerhard Schröder in das Kanzleramt.

Bei meiner Antrittsrede (2002) hatte ich mir vorgenommen, den BVEA bekannter werden zu lassen. Ich denke, dies ist innerhalb der Vertreter und der Gremien der EKD gelungen.

Es werden neue Herausforderungen an den BVEA herangetragen werden, und einige zeichnen sich am Horizont auch schon ab. Deshalb kann ich dem jetzigen und allen zukünftigen Vorständen und seinen Vorsitzenden nur viel Sensibilität bei den Entscheidungen sowie Kraft und Ausdauer für die Arbeit wünschen. Möge Gottes Segen über ihrem Tun liegen. In Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Landesverbände sollte das Gelingen.

Ein letztes Mal an dieser Stelle danke ich allen, die sich unserer gemeinsamen Sache annehmen, wünsche ihnen und ihren Familien ein gesundes, segensreiches Weihnachtsfest und ein erfolgreiches und glückliches neues Jahr 2009.

Brunhild Bald


Brunhild Bald mit Stephan Reimers und Hans-Joachim Bieletzki

Stephan Reimers

im Gespräch mit Hajo Bieletzki

und Brunhild Bald

auf dem Johannisempfang 2008

in Berlin

Brunhild Bald mit Helmut Schmidt„Für den Sozialstaat gehe ich auf die Barrikaden“,

erklärte Altbundeskanzler Helmut Schmidt am 15. Oktober 2008 auf einem Podiumsgespräch mit Wolf von Lojewski im Atrium des Medienzentrums in Passau.

Er begeisterte mit seinen kühlen Analysen und freimütigen Bekenntnissen:

„Wir erleben eine Globalisierung des Spekulationismus“,

so warnte auch er vor den Auswüchsen der globalen Finanzmärkte.

Hier im Gespräch mit der Bundesvorsitzenden Brunhild Bald beim anschließenden abendlichen Treffen im Glasmuseum in Passau.

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