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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2008 - " Verwegene Zeiten - Die Einführung der Deutschen Mark" - Werner Künkler

Verwegene Zeiten: Die Einführung der Deutschen Mark

Die Einführung einer neuen Währung nach dem 2. Weltkrieg öffnete das Tor zum Wirtschaftswunder. Die alte noch gültige Reichsmark war durch den Krieg und seinen Folgen faktisch wertlos.

Der Tauschhandel gestützt durch die Zigarettenwährung (1 Zigarette = 10 Reichsmark) war offiziell verboten, dennoch wer im Besitz von Waren aller Art war, konnte bei dem riesigen Nachholbedarf, gut davon leben. Diese Art von Volkswirtschaft war den Besatzungsmächten suspekt und erzeugte nach fast dreijährigen funktionieren bei ihnen erhebliches Misstrauen. Es hatte sich etwas entwickelt, was sich weitgehend der Kontrolle entzogen hatte. Also sollte eine neue stabile Währung her – aber wie?

Deutschland lag in Schutt und Asche, wenn auch schon ein zögerlicher Wiederaufbau zu erkennen war.

Auf welchem wirtschaftlich gesicherten Fundament sollte eine neue Währung existent werden? Waren doch die für eine Volkswirtschaft wichtigen Vermögen, die eine Währung stützen, durch die Kriegsereignisse nicht mehr vorhanden.

Reaktion des Ostens: Blockade Berlins

Die Besatzungsmächte der sogenannten Trizone, d. h. der im westlichen Teil Deutschland durch Amerika, England und Frankreich besetzten Gebete, entwarfen seit 1945 nahezu 250 Pläne zur Einführung einer neuen Währung und einer damit verbundenen Wirtschaftsordnung. Doch endlich am 20. April 1948, wurde zusammen mit 11 deutschen Wirtschaftsfachleuten, die Geheimaktion unter dem Decknamen „Hühnerhund“ zur Einführung einer neuen Währung gestartet.

Die vorgenannten Finanzexperten wurden von diesem Zeitpunkt an unter strengster Geheimhaltung zusammen mit den Experten der Besatzungsmächte in einer Nacht- und Nebelaktion in eine Kaserne bei Kassel verfrachtet. Es wurden Vorgehensweisen, Logistik und Termine beraten. Alles sollte unter strengster Geheimhaltung geschehen. Endlich nach fast zwei Monaten wurde am 14. Juni 1948 mit einem für die damals schwierigen Verhältnisse, in Zusammenarbeit mit den deutschen Zentralbanken und vielen auch ehrenamtlichen und dienstverpflichteten Helfern, das Startsignal gegeben.

Doch schon vorher waren durch die vielen organisatorischen und logistischen Vorbereitungen über mit vielen Lastwagen, in die Kisten wurden verladen, die Geheimhaltungskriterien nicht mehr vollständig durchzuhalten.

Um die Einführung der DM in West- Berlin zu verhindern und den Anspruch auf die Halbstadt zu verdeutlichen, wurde Berlin knapp ein Jahr lang durch die Russen von allen Verkehrswegen abgeschnitten. Die berühmte Luftbrücke mit seinen Rosinenbombern sicherte das Überleben in der blockierten Stadt.

Wollte man doch eines in jedem Fall verhindern, dass es viele unrechtmäßige Gewinner gab, die Waren hätten horten können, um sie dann mit der neuen Währung zu Geld zu machen. Leider ist das so nicht gelungen. Während der Vorbereitungszeit waren 73 Milliarden Reichsmark im Umlauf und Waren und Produkte waren trotz bescheidener Produktivität nicht mehr zu bekommen. Erzeuger und Händler ahnten schon etwas.

Völlig skurrile Gesetze wurden erlassen, wie das „Speisekammergesetz“; die Bürgerinnen und Bürger sollten ihre gehorteten Lebensmittel angeben. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, dass deutsche Hühner für die alte Reichsmark keine Eier mehr legen und auf den Obstbäumen kein Obst mehr wuchs, dass es zu kaufen gab. Die Geldentwertung nahm nochmals rasend Fahrt auf. Aber es gab schon eine Menge Menschen, besonders im Einzelhandel, die auf vollen Lagern saßen.

Am Abend des 18. Juni 1948 unterbricht der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) plötzlich sein Abendprogramm und teilt den Menschen mit, dass es ab Sonntag, dem 24. Juni 1948 eine neue Währung gibt. - Jeder Bürger bekommt 60 Deutsche Mark, 40 DM sofort als Kopfgeld und 20 DM einen Monat später.

- Das Kopfgeld von 40 DM sollte jedem Bürger mit der so genannten Stunde „O“ die gleichen Chancen geben.

Viele Menschen, besonders die Selbstständigen, verloren durch die rigorose Abwertung der alten Reichsmark den größten Teil ihres Sparvermögens bzw. ihrer Lebensversicherungen zur Altersvorsorge, den größten Teil ihrer finanziellen Sicherheit. Nur die gesetzlichen Rentenversicherungen hatten Bestandsschutz und wurden nicht abgewertet. Dennoch wurde mit der neuen Deutschen Mark ein in der Deutschen Geschichte nie gekannter Aufschwung eingeläutet. Ebenso fleißig waren aber auch die Menschen in der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Republik.

Auch hier wurde eine neue Währung eingeführt – „D-Mark Ost“ genannt.

Wenn wir heute die Erfolgsgeschichte der nicht mehr vorhandenen DM betrachten, so war sie bis auf den heutigen Tag ohne nostalgische Verklärung ein Garant für eine fortschrittliche Wirtschaft, die in der Verbindung und Einmaligkeit der sozialen Marktwirtschaft den Menschen Freiheit und Frieden sowie ein auskömmliches Leben gesichert hat.

Werner Künkler Stv. Bundesvorsitzender des BVEA

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