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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2008 zur StartseiteDas Ende des Generationenvertrages - Helmut Faber

Das Ende des Generationsvertrages - Familienpolitik ist in der Schieflage

Was einmal für ein ganzes Jahrhundert bestimmend war, gilt nicht mehr. An die Stelle der Solidarität der Generationen ist das Prinzip der privaten Vorsorge getreten.

holzfigurenkreis - Bild Elke LartzAls Begründung wird die Stärkung der privaten Verantwortung genannt. Als Folge muss die zunehmende Entsolidarisierung von Jung und Alt festgestellt werden. Jeder sorge für sich selbst. Zukunftsängste wachsen. Kinder werden zur Verarmungsgefahr, prekäre Arbeitsverhältnisse gefährden die Versorgung im Alter.

Jede Generation stößt mit der geforderten Eigenverantwortung an Grenzen. Junge und Alte sind aufeinander angewiesen. Das muss politisch gestärkt werden. So ist es unzutreffend, von einem Sozialkonflikt der Generationen zu sprechen. Es läuft darauf hinaus, dass etwa ein Drittel der Erwerbsfähigen (vor allem Frauen) Geringbeschäftigte oder Niedriglohnempfänger sind, die nicht für eine ausreichende Altersvorsorge sparen können und zwangsläufig auf eine Altersarmut zugehen.

Sie sind ja nicht arbeitslos, aber sie erwerben nur eine Altersvorsorge an der Grenze der Grundversorgung. Wenn sie nicht Erspartes oder Geschenktes zulegen können, sind sie wirklich arm dran, als Hartz IV-Empfänger noch ärmer.

So bildet sich eine Drittel-Gesellschaft heraus, in der ein Drittel an der Armutsgrenze leben wird, das zweite Drittel mehr oder weniger gut versorgt ist und das letzte Drittel weit über alle Bedürfnisse lebt. Das gilt für alle Altersgruppen.

Genau genommen gibt tät sorgt es also keinen Sozialkonflikt zwischen Jung und Alt, aber die Versorgungsproblematik wird dramatisch zunehmen und damit auch unzutreffende und polemische Erklärungsversuche.

Das alte Bismarcksche Solidarprinzip funktioniert nicht mehr. Statt dessen setzt die Politik auf private Vorsorge mit steuerfinanzierter Förderung.

Das kommt den Besserverdienenden zugute und gewährt dem Rest ein Versorgungsminimum.

Hier wird ein Mentalitätswechsel deutlich. Abseits von Solidarität sorge jeder für sich. Der Staat besorgt den Rest. Bestes Beispiel: Die Gewerkschaftsforderung nach einer allgemeinen Erwerbstätigenversicherung wird von Selbständigen und Besserverdienenden abgelehnt.

Wenn es um eine objektive Betrachtung von Jung und Alt in unserer Gesellschaft geht, stellt man fest, dass bereits eine Schieflage in der Familienpolitik auf die Sozialpolitik bis ins Alter zurückschlägt. Zur Zeit noch nicht so spürbar, aber zusehends deutlicher.

Zukunftsangst und Karriereplanung stehen Kinderwünschen entgegen. Mütter riskieren ihre Einkünfte, sobald sie Kinder erwarten. Alleinerziehende Mütter sind besonders betroffen. Frankreich, Schweden Finnland sind viel weiter und stellen Mütter von bis zu dreijährigen Kindern durch Horte, Tagesstätten und Vorschulen für Erwerbstätigkeiten frei. Wer darin eine Vernachlässigung der mütterlichen oder familiären Fürsorge sieht, nimmt die positiven Auswirkungen nicht wahr. Diese besseren familienpolitischen Modelle wirken sich auch auf die Sozialpolitik im Alter aus. Eine besser gestellte jüngere Generation kann sich eher der älteren widmen und umgekehrt. Kinder und Enkelkinder sind dabei unverzichtbare Bindeglieder.

Mindestens drei Anforderungen sind also an die Politik zu stellen: - stärkere Förderung der Kinder - stärkere Förderung der Alleinerziehenden - gesetzliche Stärkung des Solidarprinzips.

Helmut Faber, EAB NRW

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