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BVEA - Rundschau Sonderausgabe 2-2008 - " Allianz freier Sonntag"

Volle Kraft
Das Engagement evangelischer Arbeitnehmerverbände für den freien Sonntag

Plakat Allianz für den freien Sonntag

Das Engagement der Mitgliedsorganisationen des BVEA vollzieht sich in erster Linie in vier Dimensionen:

  • - politische Solidargemeinschaften in der Arbeitswelt
  • - kirchliche Gemeinschaften
  • - Veranstalter (politischer) Erwachsenenbildungsangebote
  • - für die in ihr engagierten Menschen eine Familie, eine Heimat.

In allen vier Dimensionen spielt der Schutz des freien Sonntags eine herausgehobene Rolle:

  • 1. als politische Solidargemeinschaft in der Arbeitswelt, als Aktionsgemeinschaft für die Belange von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer setzen sich die BVEA- Mitgliedsverbände für die Schwachen in Gesellschaft und Arbeitswelt ein. In der Frage des verkaufsoffenen Sonntag unterstreichen wir durch unseren vielfältigen Einsatz vor Ort die mahnenden Worte des bayrischen Landesbischofs Johannes Friedrich:
    „Wer morgen sonntags einkaufen will, muss übermorgen sonntags arbeiten.“ (Chrismon, 01/2007, S. 10).
    Wir sind uns einig mit den Gewerkschaften und mit den vielen von Inhaberfamilien geführten Einzelhandelsgeschäften:
    am Sonntag soll der Mensch nicht um des Profits willen arbeiten müssen.

  • 2. als kirchliche Gemeinschaft feiern wir bei unseren Seminaren am Sonntag Gottesdienst, um auf diese Weise das Ideal einer Verbindung aus religiösem Glauben und politischer Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Damit bezeugen wir, dass Gott die Welt eben nicht in sechs Tagen erschaffen hat, weil er am siebten Tag „nur“ ruhte und anscheinend nichts tat.
    Das Reflektieren, ob etwas gelungen ist oder nicht, die Zeit des Innehaltens und des "Nicht-Produktiv -Seins" ist christlicher Bestandteil des Schaffens – ohne einen arbeitsfreien Sonntag gibt es diese Reflexion der Arbeit nicht, sie ist Bestandteil von Arbeit im christlichen Sinn.

  • 3. als Familie oder Heimat benötigen wir wie andere Familien synchrone Strukturen freier Zeit,
    denn Familie oder geistig-geistliche Heimat kann mah nur gemeinsam begehen; dafür braucht es dringend gemeinsame Zeitkorridore.
    Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Flexibilität, diese allenthalben geforderten beruflichen Tugenden stehen den Menschen nur dann zur Verfügung, wenn sie in vertrauten Kraft tanken können. Das kann nur geschehen, wenn möglichst viele Menschen gleichzeitig frei haben.

  • 4. als Veranstalterin von (politischer) Erwachsenenbildung
    benötigen wir diese Zeitstruktur besonders.
    Ohne ein gemeinsames freies Wochenende wäre es für viele Menschen nicht möglich, gemeinsam Bildung zu erleben. Für unsere Mitgliedsorganisationen ist es in einer Arbeitswelt, deren Anforderungen permanent steigen und in der die Möglichkeiten der Entspannung mehr und mehr schwinden, notwendig wie nie, den „kleinen“ Mann und die „kleine“ Frau zu unterstützen. Sie benötigen Angebote zum Austausch und zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten - damit die Scheren (PISA, arm und reich) nicht noch weiter aufgehen.
    Gleichzeitig wird es im Umfeld des permanenten Konsums, des nie pausierenden Internets immer schwieriger, gerade diese Menschen zu erreichen.
    Die Sirenentöne, die Verlockungen werden lauter. Wie sollen wir mit einem Wochenendseminar, einer Mai-Kundgebung oder mit einem Gottesdienst Menschen gewinnen, die sich oftmals die ganze Woche mit stupiden Tätigkeiten herumschlagen müssen und dann „einfach nur mal Konsumieren“ wollen.

Unser Einsatz für den freien Sonntag findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern mitten in der Gesellschaft

Der Erhalt des arbeitsfreien Sonntags ist deshalb nicht nur ein Kampf in unserem eigenen Interesse, nein, er ist auch ein Kampf um unsere Ziele für eine gerechte, solidarische und mit sich in Frieden und in Ruhe lebende Gesellschaft und Kirche.

Unser Einsatz für den freien Sonntag findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern mitten in der Gesellschaft. Damit hat dieses Eintreten positive Konsequenzen für die evangelische Arbeitnehmerarbeit und ihr Ansehen. Das drückt sich so aus:

Kirche vor Ort: Der Einsatz für den freien Sonntag trifft genau das Interesse der Kirche vor Ort, der Ortsgemeinde wir erleben große Dankbarkeit, daß das Thema durch uns aufgegriffen wird.
Es finden viele gemeinsame Aktionen auf unterschiedlichen Ebenen statt, in Dekanaten und Gemeinden, mit Pfarrer/ innen, Großstadtdekaninn/en und Regionalbischöf/innen. Dabei erreichen wir eine höhere kirchliche Sensibilität für die Belange von Arbeitnehmer/innen, z. B. beim Ladenschlussgesetz.

Ökumene: Die Sonntagsallianz führt zu einer intensiven ökumenischen Zusammenarbeit, die gerade bei unserer Minderheiten-Situation in Bayern mit einem Größenverhältnis von 80:20 wichtig ist.
Die Sonntagsallianz ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe – schließlich gibt es die meisten regionalen Bündnisse dort, wo viele Evangelische leben und wo afa und kda aktiv sind. Dies ist ein gutes Vorzeichen für die weitere Zu- sammenarbeit, z. B. im Hinblick auf die Sozialwahlen.

Gewerkschaften: Aufgrund des ökumenischen Vorgehens und wegen der reibungslos funktionierenden Zusammenarbeit mit dem kda und der katholischen Betriebsseelsorge sind die kirchlichen Arbeitnehmerverbände hervorragende Partner für die Gewerkschaften.
Das Sonntags-Thema verleiht uns eigenes Gewicht durch unsere sozialethische Kompetenz – für die Gewerkschaften bedeutet das eine Erhöhung der Glaubwürdigkeit ihres Anliegens und einen Zuwachs gesellschaftlicher Akzeptanz.

Gesellschaft: Durch die Gewinnung größerer gesellschaftlicher Unterstützer für unser Anliegen (VdK, Landessportbund) werden arbeitsweltliche und ethische Themen in ihren Auswirkungen für andere Gesellschaftsbereiche erkennbar. In den Allianzen vor Ort kommen weitere spezifische Bündnispartner aus dem gesellschaftlichen Bereich dazu, z.B. Familienorganisationen oder lokale Bildungseinrichtungen.

Viele Stadtratsmitglieder fühlen sich den Indteressen großer Einzelhandeskonzerne ausgeliefert

Öffentlichkeit: Bei unseren Aktionen registrieren wir durchweg ein großes Medieninteresse auf regionaler Ebene: der Sonntag ist ein wichtiges Thema in der Lokalpolitik. Dabei war die Sonntagsallianz oft die erste Plattform gegen eine Politik, die bei vielen Menschen Unmut hervorgerufen hatte – wir gaben dieser Unzufriedenheit eine Stimme.
Man hatte das Gefühl, dass viele Menschen nur darauf gewartet hatten. So sprachen sich etwa in Bamberg bei einer Internetumfrage der Lokalzeitung fast 75 % der Teilnehmenden gegen Sonntagsöffnungen aus.

Politik: Kommunalpolitiker/innen griffen unser Anliegen gerne auf, da sich viele Stadtratsmitglieder den Interessen großer Einzelhandelskonzerne ausgeliefert fühlen. Ein großer Vorteil bestand darin, dass die Allianz politische Parteien als Mitglieder von vornherein ausgeschlossen hatte – so fanden keine Vereinnahmungsversuche statt, die Glaubwürdigkeit blieb gewahrt. Den Befürwortern der Sonntagsöffnung war es nicht möglich, den inhaltlichen Argumenten für den Sonntag etwas entgegenzusetzen, da es ihnen doch nur um die Gewinnmaximierung für Wenige geht.
Ich konnte das selbst erleben: der Bamberger City-Manager und Stadtratskandidat bat bei einer Diskussion im evangelischen Bildungswerk höflich darum, das Thema doch auszusparen.

Ehrenamtliches Engagement: Die Sonntagsallianz führt bei der afa Bayern zu einem hohen ehrenamtlichen Enga- gement.
Wir kämpfen für eine gute Sache, erhalten vielseitige Unterstützung und öffentliche Resonanz – deshalb hat der afa-Landesvorstand ein Sonderbudget für diese Aktivitäten zur Verfügung gestellt.

Die afa Bayern hat damit zum dritten Mal in kurzer Zeit ihre Kampagnenfähigkeit unter Beweis gestellt:

  • 2004/2005 mit dem Wahlkampf für die Sozialwahlen,

  • 2006/2007 mit dem landeskirchlichen Prozess „Kirche vor Ort“, wo wir eine Bauwagenkirche erstellt haben und

  • 2008/2009 mit unseren Aktivitäten in der „Allianz für den freien Sonntag“.

Martin Becher, Geschäftsführer der afa Bayern

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