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BVEA - Rundschau Sonderausgabe 2-2008 zum Thema: Freier Sonntag

  Gesellschaft - Glauben - Dr. Christian Homrichhausen - Der Sonntag ist eine Gabe für den Menschen."

Sonntag-Familie Collage Elke LartzDer Sonntag ist eine Gabe für die Menschen
Die Einstellung der Arbeit erfolgt innerhalb eines Ganzen

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn; denn an ihm hat Gott geruht von all seinem Werk, das er geschaffen und vollbracht hat. (Genesis 2,3)

Gott stellt die Arbeit an seinem Werk ein und hat etwas Einmaliges und Besonderes geschaffen. Er schließt seine Arbeit nicht willkürlich ab. Die Einstellung der Arbeit erfolgt innerhalb eines Ganzen, dem Rhythmus von sieben Tagen.
Diesen letzten des Tag sondert Gott aus. Er heiligt ihn als seine Gabe für die Menschen. Der Scheidung von Licht und Finsternis, Tag und Nacht folgt die Scheidung von Arbeit und Ruhe als Grundbestandteile der Ordnung Gottes für die Menschen.

Aufgrund von Artikel 140 GG mit Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung ist es grundsätzlich verboten, an Sonntagen und staatlichen anerkannten Feiertagen einer öffentlich bemerkbaren Arbeit nachzugehen, die eine äußere Arbeitsruhe stört und die „seelische Erhebung“ nicht gewährleistet. Dieses Verbot ist durch zahlreiche Ausnahmen durchbrochen.
Niemand darf zur Sonntagsarbeit verpflichtet werden.
Ausnahmen aber bestehen für das Gaststättengewerbe, für Musik- und Theateraufführungen und für das Verkehrsgewerbe. Dringende Arbeiten sind insbe- sondere bei Notfällen und bei öffentlichem Interesse auch am Sonntag zulässig.
Sonderregelungen bestehen für Krankenpflegeanstalten, in der Landwirtschaft und für die Seefahrt.

Erfreute sich die Kritik an der Ausweitung der Sonntagsarbeit insbesondere zur besseren Verwertbarkeit von Maschinen und einer besseren Verwertung industrieller Anlagen allgemeiner Zustimmung, werden nun zunehmend die Sonderregelungen im Bereich des Ladenschlussgesetzes angefochten.
Manche meinen, dass die Konsumenten durch den Kauf als Ersatzhandlung ihre Bedürfnisse nach Selbstvergewisserung und Wertschätzung befriedigen.

Der Konsum deckt also Bedürfnisse, die ehemals durch Kontemplation und Religion gestillt worden sind.

Damit treten neben die bisher für den Sonntagsschutz maßgebenden Gründen des Arbeits- und des Religionsschutzes allgemeine kulturelle Veränderungen, die das Selbstverständnis des modernen Menschen betreffen, in das Blickfeld.

Im antiken Rom war der Sonntag der zweite Tag der Woche. Er war damit der erste Werktag nach dem jüdischen Sabbat. In Analogie zur jüdischen Sabbatruhe verordnete Kaiser Konstantin I 321 n. Chr. die volle Sonntagsruhe.
Es war verboten, an diesem Tag Gerichtsverhandlungen durchzuführen und Dienstleistungen auszuführen.
Jetzt war der erste Tag der Woche der Tag der Auferstehung Jesu und nicht mehr der von Ort zu Ort verschiedene Markttag.

Der Tag des Herrn musste feierlich begangen werden. In der mittelalterlichen Frömmigkeit sah man deshalb die Verletzung der Sonntagsruhe durchaus als Verletzung des Heilandes an.
Diese Vorstellung ist heute wohl kaum noch anzutreffen. Allerdings begegnet die Vorstellung von der Besonderheit des „Herrentages“ in manchen Gegenden – weniger in den Städten - heute durchaus noch.
Die Menschen wollen dem Charakter des Tages mit ihrer Kleidung, dem „Sonntagsstaat“, der „Sonntagskleidung“ entsprechen.

Ursprünglich diente die Aufforderung zur Ruhe dem Schutz der arbeitenden Tiere und dann auch der arbeitenden Menschen: „Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, am siebenten Tag aber sollst du feiern, damit dein Rind und dein Esel ruhen und der Sohn deiner Sklavin und der Fremdling aufatmen können.“ (Ex. 23,12)
Diese Regel des Lebensschutzes gewann zunehmende Bedeutung, als die Feste der erwerbstätigen Landbevölke- rung, die Darbringung der Erstlinge und der Erntefeste, aufgrund des Verlustes des Tempels nicht mehr kultisch gefeiert werden konnten.
Das Einhalten des Sabbats wurde zu einem fundamentalen Bekenntnisakt, mit dem man sich des Heilshandelns Gottes an der Menschheit und seinem Volk versicherte (Exodus 20, 11ff und Deuteronomium 5, 12- 15).

Christian HomrichhausenIn der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft hat das Erwerbsleben keinen direkten gottesdienstlichen Bezug mehr.
Menschen wollen sich aber vor den lebenszersetzenden Einflüssen einer zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitszeiten mit ihren immer höheren Anforderungen an die zeitliche Budgetplanung der Familien schützen.

Die Christen wissen, dass der Sonntag um der Menschen willen vorhanden ist, so dass sie durch die Gestaltung dieses Tages zum Ausdruck bringen können, dass Gott ihnen ein Tag geschenkt hat, mit dem sie Ferien vom Alltag, von der durch Arbeit geforderten Leistung und vom alltäglichen Egoismus gestalten können.
Je besser sie dem Ausdruck geben können, desto größer wird die allgemeine Akzeptanz des Sonntagsschutzes sein.

Dr. Christian Homrichhausen
(Theologischer Berater des BVEA)

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