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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2008 - Gesellschaft - Religion
- Zu viele Moscheen in Deutschland? - Dr. Gerhard Kühlewind

Zu viele Moscheen in Deutschland?

Volle Moscheen machen keine Sorgen, eher leere Kirchen

Ein gemeinsames Gebet für den Frieden auf der Welt sollte nicht nur auf Festivals möglich sein.

Der Islam ist nun auch sichtbar in Deutschland angekommen. In jeder größeren Stadt gibt es mindestens eine Moschee - ob in Bayern oder in Berlin. Insgesamt werden nach Angaben des Islamarchivs zurzeit rund 159 Moscheen genutzt. Dazu kommen noch rund 2600 Gebetshäuser. 184 Moscheen sind zurzeit im Bau oder Planung.

Bischof Huber billigt den Moslems das Recht auf Moscheen zu

Viele Bürger sind angesichts dieser Entwicklung verunsichert. Im Hinterkopf haben sie überdies die Bilder von furchtbaren Anschlägen und Verbrechen fundamentalistischer Islamisten, die sich einfach nicht verdrängen lassen, obwohl man weiß, dass 99,9 % der Muslime in Deutschland damit nichts zu tun haben möchten. An so manchen Orten wird gegen die neuen Moscheen heftig demonstriert.

Ein Beispiel, das durch Presse und Fernsehen besonders bekannt wurde, ist Berlin - Heinersdorf. Hier entsteht eine Moschee für die Ahmadiyya-Gemeinde. Und die Anwohner sind dagegen. Seit Monaten protestieren sie. Es geht um Toleranz einerseits, um Angst vor Fremden andererseits. Seit Monaten liegen die Nerven blank. Der Bau ist aber genehmigt und wächst, wie das Unverständnis.

Auch auf der EKD-Synode in Dresden Anfang November dieses Jahres beschäftigte man sich mit dieser Frage. Bischof Wolfgang Huber, Vorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland, billigte da den Muslimen in Deutschland ausdrücklich das Recht zum Bau von Moscheen zu.

Damit sei aber eine kritische Auseinandersetzung über den Ort, die Größe und die Zahl der Gotteshäuser nicht ausgeschlossen. Vor dem Hintergrund einer „groß angelegten Moscheebauinitiative“ sei auch die Frage erlaubt, inwieweit dies eine „Befriedigung religiöser Bedürfnisse“ sei oder hier „Machtansprüche zum Ausdruck kommen“.

Der EKD-Ratsvorsitzende betont einmal mehr, die evangelische Kirche hat immer wieder klar gesagt, dass Religionsfreiheit auch die Freiheit Andersgläubiger sei.

Im Dialog dürften kritische Fragen nicht ausgeklammert werden. Mehr als erstaunt haben mich die Worte unseres Innenministers Wolfgang Schäuble zu diesem Thema. Ich zitiere ihn zum ersten Mal wirklich gerne: „Gelingende Integration heißt, dass die Menschen, die zu uns kommen, sich hier heimisch fühlen.

Und wenn Muslime heimisch sein wollen, dann müssen sie hier auch Moscheen haben. Das ist für mich Ausdruck gelungender Integration“. Und: „Ich fühle mich durch eine Moschee nicht bedroht und als Christ sage ich im Übrigen: Volle Moscheen machen mir keine Sorgen, eher leere Kirchen.“

Dr. Gerhard Kühlewind

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