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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2008 - Zeitgeschichte - Freiheit gegen Unverbesserliche verteidigen - vor 75 Jahren begann das dritte Reich - Werner Künkler

Freiheit gegen Unverbesserliche verteidigen

Vor 75 Jahren begann das dritte Reich - Lehren, die wir alle ziehen müssen

Am 30.1.1933, also vor 75 Jahren, ergriff Adolf Hitler mit der Hilfe des damaligen Ex-Reichskanzlers Franz von Papen, als neuer Reichskanzler, die Macht in Deutschland.

ein vaterländisches KirchengebetAls Führer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) hatte Hitler es verstanden, mit großen, vollmundigen, populistisch gefärbten Versprechungen, wie der Behebung der großen Arbeitslosigkeit (6 Millionen Arbeitslose) und der damit einhergehenden Massenverelendung, Ankurbelung der Wirtschaft, Nichtanerkennung der Versailler Verträge (die die Weimarer Republik in große Bedrängnis brachten) mehr und mehr die Masse der Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Zuvor, bei den Reichtagswahlen, am 31.07.1932, gelang es der NSDAP , mit 37,4 % der Stimmen, als stärkste Partei, in den Reichstag einzuziehen. Was dann politisch folgte, hatte Hitler, schon Anfang der zwanziger Jahre in seinem Buch „Mein Kampf“ während seiner Festungshaft im bayerischen Landsberg, in der Beschreibung der Entwicklung und der Ziele des damaligen Nationalsozialismus, vorrausgesagt. Leider wurde das von den etablierten Kräften damals nicht ernst genommen. Aber auch die demokratischen Parteien und Abgeordneten im Deutschen Reichstag waren aus vielerlei Gründen über den politisch richtigen Weg im damals durch die Weltwirtschaftskrise gebeutelten Deutschland sachlich und ideologisch erheblich zerstritten. (Weltweit waren 30 Millionen Menschen ohne Arbeit).
Erinnern heißt in erster Linie, aus der Geschichte zu lernen

Vor diesem Hintergrund und einem Vertrauensverlust großer Teile der Bevölkerung, in die noch junge Demokratie und einer großen Sehnsucht nach besseren Verhältnissen, konnte Hitler, mit großer Mehrheit, am 5. März 1933 das so genannte Ermächtigungsgesetz durchsetzen. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten.

Dies war der Anfang vom Ende wie wir heute wissen. In unmittelbarer Folge, der ihm mit dem Ermächtigungsgesetz gegebenen Machtfülle wurde unter anderem die Geheime Staatspolizei (Gestapo) ausgebaut und in Dachau wurde von Heinrich Himmler (damaliger Polizeipräsident in München) das erste Schutzhaftlager, später Konzentrationslager, für politisch im Sinne der NSDAP unliebsame deutsche Staatsbürger errichtet.

Damit waren die Meinungsfreiheit, die politisch u. gesellschaftlich unabhängige Beteiligung und Arbeit für Parteien, Gewerkschaften, und der christlichen Arbeitervereine beendet. Die so genannte Gleichschaltung, d.h. die Unterwerfung aller Organe und relevanten Gruppen unter die NS-Herrschaft, war Gesetz.

Wer sich dem widersetzte kam ins KZ. Gleichzeitig wurde in Presse und Rundfunk, mit der zur Reichstagswahlkampf ausgesetzten Judenhetze wieder begonnen. Die Partei rief die Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäfte auf, was schließlich im weiterem Verlauf zu der verbrecherischen Vernichtung von 6 Millionen Juden führte. Demokratischen Politiker, besonders aus den Reihen der Sozialdemokraten, aber auch Zentrumspolitiker, wie z.B. der preußische Sozialminister Hirtsiefer, wurden interniert oder in ihrer Menschwürde beschädigt.
Ermächtigungsgesetz war auch das Ende der christlichen Arbeitervereine

Erstaunlich war, dass diese Diffamierungen in aller Öffentlichkeit geschahen. Die inzwischen gleich geschaltete Presse berichtete ausführlich darüber, oft in einer widerwärtigen Art. (siehe Artikel Leipziger Volkszeitung)

Leider empfanden ein großer Teil der deutschen Bevölkerung, die immer noch obrigskeitsstaatlich geprägt war, ein Großteil der Beamtenschaft, auch viele Akademiker, bis hin zu den christlichen Kirchen, dies als einen Weg zu einer neuen Ordnung und es wurde Teil eines wiedergeborenen Nationalstolzes. So rief die lutherisch sächsische Kirche zu einem väterländischen Dankgebet für den Reichskanzler und das Vaterland auf.

Erst 1934, viel zu spät, stellte sich eine Gruppe innerhalb der evangelischen Kirche mit den Barmer theologischen Erklärungen gegen das menschenverachtende System der Nationalsozialisten.

Gerade hier und heute ist es sehr wichtig, aus der Geschichte zu lernen. Auch mit der Erkenntnis, dass ein Zusammenhalten der demokratischen Parteien in der Weimarer Republik und ein entschlossenes Entgegentreten den Nationalsozialismus verhindert hätte.

Heute leben wir in Deutschland mit unserem einmaligen Grundgesetz in dem besten Staat den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat. Deshalb ist es nach wie vor unser aller Aufgabe in Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Industrie und Öffentlichkeit die so schwer errungene Freiheit und Demokratie zu verteidigen gegen Unverbesserliche von rechts und links, nach innen und außen.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg nationalsozialistischen Gedankengutswar damals die wirtschaftliche Not und die Verelendung großer Teile der Bevölkerung aufgrund der Massenarbeitslosigkeit.

Deshalb sind heute alle Politiker hier in der Verantwortung, für eine gut ausgebildete Jugend zu sorgen, damit alle Menschen in unserem Land eine gesicherte Zukunft haben, die große Arbeitslosigkeit beseitigt wird, und alle Menschen von ihrer Erwerbsarbeit leben können.

Bildung muss dabei im Elternhaus anfangen, in den Schulen, in der Berufsausbildung und der Weiterbildung und auf allen Ebenen weitergeführt werden. Nur was den sozialen Frieden in unserem Land dient, hilft auch weltweit den Frieden zu bewahren. Dazu sind wir alle aufgerufen.

Deshalb erinnern wir uns an die Zeit vor 75 Jahren und wollen das niemals vergessen.

Werner Künkler Bundesvorstand BVEA


Erinnerung Leipziger Volkszeitung 1933: Links oben: Vaterländisches Dankgebet der lutherischen sächsischen Landeskirche
Schon 1934 wurde die Veröffentlichung des Staatshaushaltes eingestellt und so das ständig am Rande des Staatsbankrotts arbeitende Regime vor Kritik geschützt.nach oben

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