Gesellschaft - Bundeswehr
Deutschland zieht in einen Krieg und hofft auf eine "weisse Weste"
Äußerungen unserer Politiker zur Erweiterung des Mandats der Truppen in Afghanistan machen ein großes Manko klar. Die Nato beschließt am Hindukusch mit Truppen die Ruhe wieder herzustellen, die großen Partner bekämpfen die Rebellen, die deutschen bauen Brunnen und Krankenhäuser. Von allen anerkannt eine gute Arbeit, aber wer hat sich in unserem Land wirklich vorgestellt, das die Situation so bleibt? Verständlich, dass z.B. Kanada, ebenfalls im Wahlkampf, nach mehr Präsenz der Deutschen ruft. Bleibt die Berliner Politik dabei, ist die Nato in ihrer Einheit gefährdet. Auch die Soldaten brauchen einen klaren Rückhalt, denn sie riskieren ihr Leben.
Soldaten brauchen klaren Rückhalt, denn sie riskieren ihr Leben |
Ob beim Gipfel in Vilnius oder bei der Sicherheitskonferenz in München: je schwieriger die Lage vor Ort, desto lauter die Stimmen, die eine faire Teilung der Lasten und Risiken in der NATO fordern. Zieht ein Bündnis in den Krieg, steht bei Ungleichheit die Solidarität auf dem Prüfstand.
Doch das traut sich keiner aus der Regierung öffentlich zu sagen. Die deutsche Bevölkerung muß sich klar werden, das junge Deutsche ihr Leben riskieren und sie haben ein Recht darauf aus der Heimat unterstützt zu werden. Und das es sich um einen Krieg handelt, steht wohl außer Frage.
Ein bisschen Krieg ist wie ein bisschen schwanger, schlicht nicht möglich. Die Bündnispartner haben ein Recht darauf, gleich behandelt zu werden. Für die Afghanen sind die Deutschen Besatzer, wie die Amerikaner auch. Sie werden alle bekämpfen, die sie nicht im Land haben wollen, auch unsere „Brunnenbauer“.
Wer genau aufpasst, weiß ja schon, das deutsche Spezialkräfte auch im südlichen Teil des Landes eingesetzt werden. Und im Zweifel schiessen die erst und schauen dann, ob sie den richtigen getroffen haben. Aus einem Krieg kommt keiner mit „weisser Weste“ raus.
Schwer für Deutsche Bürger zu begreifen, das es wieder deutsche Soldaten sein sollen, die tatsächlich offensiv vorgehen. Aber die Bereitschaft sich in diesem Konflikt zu engagagieren beinhaltet eine neue Qualität von Soldaten. Hinter vorgehaltener Hand wird den Partnern zugeflüstert: Bitte, bitte nicht weiter drängeln, wir können nicht, wie wir wollen. Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer ist der Meinung, in Afghanistan ginge es für die Nato um Sieg oder Niederlage, und daher um die Zukunft des Bündnisses insgesamt: Deutschland laufe Gefahr, bei einem Scheitern international als der Hauptverantwortliche zu gelten. Er warnte vor diesem „Maximalschaden“.
Die Diskussions-Drückebergerei ist unserem Land nicht würdig.
Matthias Gehlhar
Diese Nationen sind am Afghanistaneinsatz beteiligt:
Soldaten USA: 15000 Tote:482
Soldaten Großbritannien: 7800 Tote:87
Soldaten Deutschland: 3210 Tote:26
Soldaten Italien 2884 Tote:11
Soldaten Kanada 2500 Tote:78
Soldaten Niederlande 1654 Tote: 14
Soldaten Frankreich 1515 Tote:12
Soldaten
Polen 1100 Tote:1
Soldaten
Australien 1070 Tote:4
Soldaten Dänmark 780 Tote:9
Soldaten Spanien 740 Tote:23
Soldaten
Türkei 675 Tote: 0
Soldaten
Rumänien 535 Tote: 5
Soldaten Norwegen 495 Tote: 3
Soldaten
Bulgarien 420 Tote: 0
Soldaten
Belgien 370 Tote: 0
Soldaten
Schweden 345 Tote:2
Soldaten Litauen 260 Tote:0
Soldaten
Ungarn 230 Tote:0
Soldaten
Kroatien 190 Tote:0
Soldaten Portugal 160 Tote: 2
und 19 weitere Nationen Nationen insgesamt Soldaten:43250 insgesamtTote:764
Quelle: Isaf (www.icasualties.org), Bundeswehr Tsp/FB

