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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2007 - Gesellschaft - Globalisierungzur Startseite
Den Glauben leben im Kontext der Globalisierung - Helmut Faber EAB Oberhausen

Den Glauben leben im Kontext der Globalisierung

Regierungen entscheiden unter dem Druck des Kapitals gegen ihre Wähler

Nun ist es unausweichlich geworden: die Kirchen müssen sich mit der Globalisierung auseinander setzen.
In der Ökumene geschieht dies schon seit längerem , zuletzt mit dem AGAPE- Papier auf der Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre (2006). ( AGAPE = Alternative Globalisation Adressing People and Earth).
Inzwischen ist die Globalisierung auch Thema von Landes-und Kreissynoden.

Genau genommen geht es um die wirtschaftliche Globalisierung und deren verheerende Folgen.

Daß die „eine bewohnte Welt“ ( die Ökumene) globale Möglichkeiten der Kommunikation entwickelt hat und politisch gewollte territoriale Öffnungen erfahren hat, kann man einerseits positiv sehen, wenn da nicht die erschreckende andere Seite wäre: die wirtschaftliche Globalisierung.

Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit

Das private Kapital bemächtigt sich grenzenlos und unkontrolliert der Ressourcen, der Produktionsmittel und der Menschen weltweit. Die Finanzströme entziehen sich jeder politischen Einflußnahme. Die Größenordnungen sind nur noch in Billionen zu beschreiben.

Spuren der Globalisierung
Die Nationalstaaten verlieren ihre politische und wirtschaftliche Eigenständigkeit. Sie können nur noch auf die Forderungen des Kapitals reagieren. Die Heilslehre, die zum Glaubensbekenntnis erhoben wurde, ist der Neoliberalismus und der freie Markt. Was zählt, sind nur noch Regelungen zum Schutz des expandierenden privaten Kapitals. Wer darüber nicht verfügt, ist rechtlos.

Nur wenige Beispiele: Selbst demokratisch gewählte Regierungen müssen unter dem Druck des Kapitals gegen ihre Wähler entscheiden. (Der Streit um den Mindestlohn ist bezeichnend).

Die Forderung nach mehr Arbeitsplätzen gehört inzwischen zum kosmetischen Outfit der Parteien und Regierungen. Praktisch ändern können sie mit Ausnahme der Statistik gar nichts, denn menschliche Arbeit ist für die neoliberal orientierte Wirtschaft gewinnschädigend, es sei denn, man kehrt zu Mindest- oder entwürdigenden Löhnen zurück.

Gleichzeitig werden Sozialleistungen zurückgefahren. Bildungsanstrengungen zielen nur noch auf Eliten. Zum neoliberalen System gehört die maßlose Einkommensumver- teilung zu Gunsten des wirtschaftlichen und politischen Managements. Selbst unsere Regierungsvertreter nehmen das für sich in Anspruch. Die Armut nimmt weiter zu. Diese Entwicklung betrifft schädigend oder lebensbedrohend alle Teile der Welt. Das Kapital bemächtig sich privaten Landes, der Ernährungs- ressourcen, sogar des Wassers und der Energiereserven. Die Schädigung des Klimas (die Zerstörung des Planten und des Lebens) wird an Börsen gehandelt. Zynischer geht es nicht.

Die globale Strategie fühl der des Kapitals führt auch zu globalen, imperialen Ansprüchen breit mit der Folge mili- tärischer Bedrohung und Durchsetzung (z.B Irak, Afghanistan, erneute Aufrüstung der USA und Russlands).

Es ist verständlich, dass viele Menschen angesichts dieser Entwicklung, Augen und Ohren verschließen und sich zurückziehen. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit. Gefordert wird wieder mehr Religion. Auch die Kirche soll zu ihrem „Kerngeschäft“ zurückkehren.

Haltung zeigen.
Wenn sie es denn wirklich täte, fände sie zum Vertrauen auf Gott und zum Evangelium zurück. Sie würde die Erfahrung machen, dass der Glaube an Gott und die Nachfolge Jesu sich nicht auf die Innerlichkeit und die private Sphäre beschränken – nicht „Wellness der Seele“ - sondern die Würde des Lebens und den Schutz alles Lebendigen einschließt. Zur Zentralgestalt der Kirche würden die Armen. Die Kirche ist in ihrer Geschichte immer wieder der Versuchung erlegen, ihr Glaubensgut preiszugeben oder umzudeuten, um sich ihre Privilegien zu sichern.

Unpolitisch wollte sie sein, dabei war und ist sie politisch, indem sie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen akzeptiert und für sich nutzt.

Jetzt ist vielleicht der Zeitpunkt gekommen umzudenken. Wir machen uns wieder das wertvollste Gut unserer Lebensauffassung zu zeigen. Wir lassen uns als Geschöpfe Gottes vergewissern und begreifen die Menschengemeinschaft als die Familie Gottes, wie es Desmond Tutu auf dem Kirchentag in Köln 2007 immer wieder ausgerufen hat. Wir sehen die Welt als das eine Haus zum Leben und wir sind bereit dafür entschieden einzutreten.

Eine halbe Sache kann und darf es nicht sein. .Die Barmer Erklärung von 1933 sagt das unmissverständlich: „ Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zueigen wären.“

Die Kirche muss ihren Standort bekennen, klare Position einnehmen, auch auf die Gefahr hin, sich Gegner zu schaffen. Nur so bleibt sie Kirche und hat Zukunft.

Gestaltungskraft des Glaubens in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Bis in unsere Gemeinden und Gruppierungen hinein, sind wir aufgerufen, aus unseren Selbstinteressen herauszutreten, für eine Ökonomie Gottes einzutreten und eine Lebensgemeinschaft im Haus der „familia die“ zu pflegen.

Kirche im Weg
Das wird der Kirche ein neues Image verschaffen: Sie wird auf sich aufmerksam machen, Vertrauen gewinnen, auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Kirche und Glaube sind zwar angreifbar, aber das Reden von Gott wird hautnah, menschlich und greifbar.

Christliche Arbeitnehmer müssen Stellung beziehen.

Die Herausforderung durch die wirtschaftliche Globalisierung betrifft die Arbeitswelt und die Arbeitnehmerorganisationen in besonderer Weise.

Das Eintreten für die Verarmenden und die Benachteiligten in allen Bereichen von Produktion und Dienstleistung – lokal wie global - wird zur Hauptsache.

Dabei ist die Kooperation mit anderen Organisationen unerlässlich (Bündnisse, Solidarität und Protest).
Das Thema lautet:
Alternative Globalisierung im Blick auf Menschen und Erde ( AGAPE = Alternative Globalisation Adressing People and Earth).
Für Bildungsarbeit, Anregungen und Aktionsbündnisse stehen viele kompetente Referenten zur Verfügung.

Helmut Faber / Oberhausen


 

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