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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2007
- Gesellschaft - Glauben - Dr. Christian Homrichhausen - Die Befreiungstat Gottes "

WeihnachtsbaumDie Befreiungstat Gottes

Als aber die Erfüllung der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, von einem Weibe geboren (Gal. 4,4)

Zu Weihnachten erklingt die Antwort der Gemeinde seit der Mitte des 16. Jahrhunderts immer wieder mit den Worten: „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich, in seinem höchsten Thron, der heut schießt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn“. (EG 27) In den ersten Tagen der Christenheit aber war die Feier des Weihnachtsfestes nicht selbstverständlich. Die Verwechslungsgefahr mit dem Geburtstagsfest des Kaisers war zu groß.

Der 23. September wurde in Kleinasien als der Geburtstag des göttlichen Kaisers Augustus und als Neujahrstag gefeiert, mit dem die Weltgeschichte gleichsam neu begonnen habe. Die dem Untergang entgegen eilende Welt habe dieser neu aufgerichtet, so heißt es, und der ganzen Welt ein anderes Ansehen gegeben, die sonst am liebsten ihre Vernichtung erwählt hätte. Die Erlösung der Völker von den verheerenden Wirkungen des Krieges im Inneren wurde mit dem Wirken dieses Kaisers gleich gesetzt, der während seiner Regierungszeit Bürgerkriege beenden konnte und eine Zeit des Friedens gebracht hatte. Ihm konnte man nicht besser huldigen, als dass man seine Geburt als die Erscheinung eines Gottes auf Erden feierte und als den Beginn eines neuen Zeitalters proklamierte. Die Christen konnten weder die Unterwerfung unter einen Kaiser als Gott akzeptieren noch den damit einhergehenden Glauben an viele Götter noch die Gleichsetzung von weltlicher und religiöser Herrschaft. Die Geburt Jesu Christi konnte erst gefeiert werden, als der Herrscher selbst zum Christ geworden war und die Unterscheidung von Politik und Religion praktiziert wurde.

Der Weg bis dahin war lang und nahm mehr als 300 Jahre in Anspruch. Paulus stand am Anfang dieses Weges. In seinem Brief an die Gemeinden in Galatien, im Inneren der heutigen Türkei gelegen, erklärt er die Geburt Jesu als den Beginn einer Befreiungstat Gottes unter den Menschen. Die einen hatten begonnen zu verstehen, dass sie unter der Herrschaft des Gesetzes standen und wie Kinder durch die Androhung von Strafen auf dem rechten Weg gehen konnten und auf Belohnung aus waren. Eine wirkliche Wende zum Guten aber war ihnen verwehrt geblieben. Die anderen begriffen zusehends, dass sie sich in Abhängigkeit von den Naturgewalten und Himmelsmächten begeben hatten, die Angst und Furcht hervorriefen. Durch sorgfältige Beachtung der kultischen Verpflichtungen suchten sie diese zu besänftigen und zu wohlwollenden Taten zu veranlassen. Jesus Christus, der menschgewordene Gott, hatte, wie einst Abraham, beiden Menschengruppen die Möglichkeit eröffnet, in eine unmittelbare Beziehung zu Gott zu treten. In der Nachfolge Jesu wenden sie sich direkt an Gott als „Vater“, ohne den Umweg über die Beachtung von Gesetzesvorschriften oder kultischen Handlungen zu nehmen. Sie sind von der Macht des Gesetzes und des Kultes befreit worden, indem sie sich auf die Bindung an Jesus Christus einließen.

Der Verlust der alten Bindungen ist aufgehoben durch einen vielfachen Gewinn, der als Erbe bezeichnet wird. Die Befreiungstat Gottes versetzt die Menschen nicht nur in Aufbruchsstimmung, sondern verleiht ihnen auch neue Zuversicht, eine neue innere und äußere Ruhe, die zur Besinnung und zur Pflege sozialer Beziehungen genutzt werden kann. Die Verheißung des Landes hat Jesus denen gegenüber erneuert, die sich trotz anderer Umstände sanftmütig und mild verhalten. Die sich in diesem Leben zu ihm durch ihr Verhalten bekennen, hat er das Reich Gottes verheißen. Paulus hat die Zusage des Reiches Gottes und des ewigen Lebens aufgenommen und als Erbe der Söhne (und Töchter) Gottes bezeichnet. Dies haftet gleichsam wie ein Anker in der Seele des Menschen, verleiht ihm Zuversicht auf seinem Weg durch die Zeit. Der Petrusbrief spricht von der reichen Gabe, die Christen geerbt haben: sie lieben das Leben und hüten sich vor dem Bösen, sie meiden es und tun das Gute (Ps. 34, 13-15).

Die Atmosphäre unserer Weihnachtsfeiern ist besonders von diesem letzten Aspekt geprägt, der Ruhe und der Besinnung. Die Hinwendung Gottes zu den Menschen steht im Vordergrund, verbunden mit dem Bild einer Familie, die eine schlechte, aber mit einem besonderen Licht versehene Unterbringung gefunden hat, da sie die Ankunft des Erlösers feiert. Oft wird auch der Fesseln und Bindungen gedacht, die Menschen unserer Zeit sonst in Anspruch nehmen und ihre Berechtigung geprüft. In einem sehr grundsätzlichen Sinn macht das Weihnachtsfest darauf aufmerksam, dass erst die kollektive Einsicht in falsche Bindungen die Möglichkeiten zur wahren Ruhe und Besinnung schafft.

In abschwächender Weise ist dies vergleichbar mit dem seit alters bestehenden einfachen Brauch, die Liebe zum Leben mit einer Ruhephase für Mensch und Tier zu verbinden, um sie nicht bis zum Letzten auszunutzen.

Dr. Christian Homrichhausen
Theologischer Berater des BVEA

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