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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2007 zur Startseite
- Zum Geleit - Brunhild Bald

brunhild baldLiebe Leserin, lieber Leser,

nun sind die Menschen wieder unterwegs, um in den Innenstädten und Einkaufszentren für sich und ihre Lieben Geschenke für Weihnachten oder ihren Winterbedarf einzukaufen.

Der Handel klagt derzeit noch, dass die Bevölkerung nicht genug konsumiert und hofft darauf, dass wir am verkaufsoffenen Sonntag unser Geld ausgeben – Geld, das viele unserer Mitbürger schon längst nicht mehr haben.
Dazu ein Ausschnitt aus der diesjährigen „Berliner Rede“ des Bundespräsidenten am 1. Oktober 2007, an der ich dank seiner Einladung teilnehmen konnte – die allerdings nur sehr kurz auf Gehör in der Presse stieß.
Nun mag man über seine rhetorischen Fähigkeiten diskutieren – er hatte dennoch etwas zu sagen, sprach er doch eindeutig und klar einige Wahrheiten über die Verhältnisse in unserer Gesellschaft an, die wir als BVEA schon lange anmahnen und die nun auch er mit Sorge betrachtet und benennt.
Aber vielleicht mögen einige Journalisten in unserer Medienwelt an solchen unangenehmen Wahrheiten nicht lange dran bleiben.

Ungleichheit der Einkommensverteilung

Der Bundespräsident ist ein ausgewiesener Finanzexperte. Daher frage ich mich, warum die Politik-Kollegen und -Kolleginnen nicht hinhören mögen.

Diese Worte waren zu hören:
„Die Ungleichheit der Einkommensverteilung in Deutschland hat zugenommen – nicht zuletzt, weil die Einkünfte aus Kapitalerträgen viel stärker gestiegen sind als die Arbeitslöhne.“
Harte Fakten.

Wer mehr darüber wissen wollte, erfuhr in der Süddeutschen Zeitung vor wenigen Tagen am 30. November im Wirtschaftsteil die statistischen Details. Während die Brutto-Unternehmensgewinne von 1996 bis 2006 von 238 Milliarden Euro auf 472 Milliarden Euro gestiegen sind, sank die Netto-Lohnquote (Anteil des Einkommens minus Steuern und Abgaben) von 1991 bis heute von 48 Prozent auf 38 Prozent.
Die Einnahmen aus Vermögen steigen, doch das privat verfügbare Geld der Arbeitnehmer sinkt weiter. Und das drastisch.
Horst Köhlers Kommentar dazu: „Wir haben in der Vergangenheit eine wachsende Ungleichheit der Einkommen nur hingenommen, weil die Kurve für alle nach oben wies.“
Das aber ist seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr der Fall.
So heißt die Kritik des Bundespräsidenten weiter: „Der Aufstieg der einen darf nicht der Abstieg der andern sein!“

Es ist zwar nicht im einfachen Sinne direkt vergleichbar. Aber wir wissen doch, dass die Abgeordneten des Bundestages ihre Diäten leicht um nahezu 10 Prozent erhöhten und die Vorstände ihre Bezüge und Gratifikationen um 10 oder auch 20 Prozent erhöhen, aber dieselben Abgeordneten in der Mehrheit der CDU/CSU-Fraktion (die FDP von vornherein) sind nicht bereit, Mindestlöhne für die sensiblen Berufe festzulegen. Die Bevölkerung sieht darin Zeichen der Ungerechtigkeit, da sich bei vielen Angst vor Armut und sozialem Abstieg breit macht. Der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ boomt paradoxerweise gerade und es tut weh, wie oft er verwendet wird, (und von wem!) ohne dass auch nur die geringsten Entscheidungen dafür getroffen werden; er ist für den Bundestag nur zum Spiel, als Muster ohne Wert, im Vorwahlkampf geworden. So muss es all denen vorkommen, die aus Arbeitslosigkeit oder mit nur geringen Rentensätzen oder auch zu geringem Verdienst aus eigener Arbeit, an materieller Not leiden.

Die Politik wird ständig unglaubwürdiger. Die folgende Wahrheit glaubt auch keiner mehr, auch wenn sie diesmal aus dem Munde des höchsten Repräsentanten dieses Staates kommen: “Wer unverschuldet in Not gerät soll sich auch künftig auf das soziale Netz verlassen können und eine wirksame Starthilfe erhalten.“ Das Problem der sozial Schwachen ist, dass die Löcher in diesem Netz immer größer werden, so dass immer weniger Bedürftige darin aufgefangen werden. Eine politisch glaubwürdige Lösung für viele wären die Mindestlöhne, damit das soziale Netz gar nicht erst gebraucht wird. Zurück zum weihnachtlichen Einkaufsbummel.

Soziales Netz wird grobmaschig

Anderen Freude zu bereiten kann ja auch Spaß machen: Etwas Besonderes finden – ein Schnäppchen machen – sich auf die Überraschung freuen, anschließend sich mit Freunden am Glühweinstand zu treffen... . Nur den Sonntag, den sollten sie uns als konsumfreien Tag schenken. Darüber würden wir uns sehr freuen.

Ein frohes Weihnachtsfest mit fröhlichen aber auch besinnlichen Stunden im Kreise von lieben Menschen und ein gesundes, im guten Sinn ereignisreiches neues Jahr wünscht euch/Ihnen allen

Eure Bruni Bald

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