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BVEA - Rundschau Ausgabe 2007- 2 - aus den Landesverbänden - RAKÜ - Besuch in Gorleben zur Startseite

RAKÜ - Zwei spannende Stunden für ein „Aha-Erlebnis“

Wohin mit dem Atommüll?

Eindrücke beim Besuch des Erkundungsbergwerks „Salzstock Gorleben“

Gruppenfoto RAKÜ in GorlebenKernkraftwerke decken in Deutschland rund ein Drittel des Strombedarfs. Zum Betrieb dieser Anlagen gehört auch eine sichere und umweltverträgliche Entsorgung der Kraftwerksabfälle. Dafür haben die Energieversorgungsunternehmen die Gesellschaft für Nuklear-Service eingerichtet, die ihrerseits die Brennelementlager Gorleben GmbH beauftragt hat, dort das Brennelement-Zwischenlager für die Transportbehälter, das Abfall-Lager für Betriebsabfälle und die Pilotanlage für die Erprobung neuer Endlager-Techniken zu betreiben.


Für die Einrichtung eines künftigen Endlagers sind insgesamt 6 Behörden zuständig: Das Bundesumweltministerium für die kerntechnische Sicherheit und den Strahlenschutz, das Bundeswirtschaftsministerium für die Bereitstellung des Personals, das Bundesbildungsministerium für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, das Bundesamt für Strahlenschutz für Errichtung und Betrieb von Endlager-Anlagen, die Bundesanstalt für Geowissenschaften für geologische und geotechnische Fragen und die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für die Planung und den Endlager-Bau.
Für die Einrichtung eines künftigen Endlagers sind insgesamt 6 Behörden zuständig

Als relativ sichere Form der Endlagerung radioaktiver Abfälle gilt heute die Verwahrung in geologischen Formationen des tiefen Erd-Untergrundes wie Salz, Granit, Ton oder Tuff.

Folgende Anforderungen sind dabei zu berücksichtigen: Die geologische Stabilität über eine Zeitraum von etwa 10 000 Jahren, die Sicherheit, dass kein Wasser eindringt, wodurch die Schadstoffe ausgelaugt oder auch abtransportiert werden könnten und eine gute Wärmeleitfähigkeit zur Ableitung der beim anhaltenden radioaktiven Zerfall entstehenden Wärme. Deshalb werden die radioaktiven Abfälle in eine feste Form gebracht, die auch über längere Zeiträume eine Austritt von Radioaktivität verhindert. Schwach - bis mittelaktive Abfallstoffe, z.B. Abwässer, werden mit Bitumen oder Beten in Stahlfässer gepresst, während hochradioaktive Materialien mit Glas verschmolzen und anschließend mit rostfreiem Stahl umschlossen werden. Die Endlagerung durch Versenken von Abfällen ins Meer in Tiefen von mehr als 4000 Metern wurde bis 1983 vorwiegend mit schwachaktiven Abfällen praktiziert.

Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle ist international ein bisher weder technisch noch finanziell befriedigend gelöstes Problem. In Deutschland wurde ein Endlager •- ursprünglich von der DDR eingerichtet -• in Morsleben (Sachsen-Anhalt) betrieben, das jedoch seit 2001 Zug um Zug stillgelegt wurde. Die Genehmigung für die Umrüstung des Schachts „Konrad“ des früheren Eisenerzbergwerks bei Salzgitter als Endlager für schwach- und mittelaktiven Nuklearabfall soll nun umgehend erteilt werden; ein Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht ist erst am o4.04.2007 abgeschlossen worden.

Im letzten Jahr besuchten Mitglieder des RAKUE e.V. das Erkundungsbergwerk Gorleben. Der Salzstock wurde für eine intensive Untersuchung zur Endlagerung radioaktiver Abfälle unter 20 norddeutschen Salzstöcken ausgewählt. Mit der Übertageerkundung wurde 1979 begonnen und 1985 im Wesentlichen abgeschlossen. 1986 begann die Erkundung untertage und wurde im Oktober 2000 durch ein Moratorium der Regierung für 3-10 Jahre unterbrochen. Diese Jahreszahlen sind ein Beispiel dafür, wie aufwendig derartige Untersuchungen sind, von den Kosten ganz zu schweigen; bis 2000 wurden mehr als l Milliarde Euro ausgegeben. Die Erkundung wurde bis heute nicht wieder aufgenommen. Z.Zt. sind 75 Angestellte des Bundesamtes für Strahlenschutz damit beschäftigt, die Schächte und Grubenräume funktionsfähig zu halten (Kosten pro Jahr: ca. 3 Millionen Euro), bis eine Entscheidung über Fortführung oder Ende der Erkundung getroffen wird. Daran anschließend würden für eine verlässliche Aussage über die Eignung des Salzstocks noch 5-7 Jahre benötigt.

Bis zur endgültigen Genehmigung würden weitere 8-10 Jahre und bis zur Errichtung noch einmal 5 Jahre vergehen, so dass der Betrieb zwischen 2025 und 2030 aufgenommen werden könnte.

Unsere Besichtigung unter Tage begann mit der bergmännischen Einkleidung: Ein feuerroter Overall, schwere Sicherheitsschuhe, Helm mit Grubenlampe, über die linke Schulter der Akku für die Lampe, über die rechte Schulter das Sauerstoffnotversorgungspakt, zusammen über 5 kg, und dann ging es mit dem Förderkorb in ca. 850 m Tiefe. Es war ein beeindruckender Anblick, plötzlich in einer großen, breiten Halle zu stehen und in ebensolche breiten Tunnel zu blicken. Ca. 2 Stunden dauerte der „Spaziergang“ durch einen Teil des Tunnelsystems, vorbei an Werkstätten, Lager- und Betriebsräumen, durch beleuchtete und unbeleuchtete Stollen bis auf eine Tiefe von 900 m. In dieser Tiefe herrscht eine angenehme Temperatur von fast 30°.

Wir erhielten einen nachhaltigen Eindruck in die geologischen Strukturen des Salzstocks, der ungefähr 14 km lang und 4 km breit ist sowie eine Tiefe von 3,5 km erreicht.

Welche Erkenntnisse haben wir bei unserem Besuch insgesamt gewonnen?

  • 1. Gorleben ist ein politisches Problem für die Region Dannenberg, das Land Niedersachsen und ebenso für ganz Deutschland;

  • 2. Gorleben ist ein Problem für die Energieerzeuger, die – noch – die Kernkraft für die Stromversorgung Einsetzen;

  • 3. Gorleben ist als Zwischenlager ein Problem für die Betreiber, die für die ankommenden Transporte der Castor-Behälter und deren sichere Lagerung verantwortlich sind;

  • 4. Gorleben ist ein wissenschaftliches Problem für die Erforscher des Salzstocks auf seine Eignung als mögliches Atommüll-Endlager und

  • 5. Der vorstellbare Ernstfall wäre die Signatur dieser Epoche; die Zeit für jegliches Wunschdenken ist dann vorbei!

Elke Denk, Klaus Reinhardt,
RAKUE e.V. Hamburg


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