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BVEA - Rundschau Ausgabe 2-2007
www.bvea.de - Gesellschaft - Glauben - Dr. Christian Homrichhausen - Beziehungsfelder der "Familie"

freiheit-bild epdBeziehungsfelder der „Familie“

Der Vater hat uns aus der Macht der Finsternis errettet und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt (Kol. 1, 13)

Von einer Rettung wird gesprochen, die der Errettung der Kinder Israels aus der Sklaverei in Ägypten durchaus entspricht.

Die „Macht der Finsternis“ ist ein Sammelbegriff für die lebensfeindliche Abhängigkeit, in der die Gemeindeglieder in Kolossae einst standen. Nun sind sie in das Reich Jesu Christi verpflanzt, in dem die Liebe herrscht. Worauf sich die Liebe richtet, wird nicht genannt. Die Liebe ist umfassender als die geschlechtliche Liebe. Sie ist eine Wohltat des Geistes Gottes, sie ist unverstellt, gottesfürchtig, sie zaudert nicht, sie ist der Liebe von Kindern vergleichbar, sie drückt Übereinstimmung aus, ist eifrig und ist vollkommen. Sie kennzeichnet die wechselseitige Beziehung des Sohnes zum Vater.

Die Gemeindeglieder werden in ein familiäres Verhältnis zu Gott und Jesus Christus versetzt. Beruht die Liebe zwischen Gott und Jesus Christus auf ihrer Gleichheit, wird den Gemeindegliedern Anteil an dieser Liebe gewährt, sie werden in die Beziehung zwischen Vater und Sohn aufgenommen und befähigt.

Dass ein Leben im „Reich des Sohnes seiner Liebe“ nicht selbstverständlich war, sondern eingeübt werden musste, zeigt die Haustafel des Briefes (3,18 – 4, 1), die gesellschaftliche Konventionen der Familienmitglieder reflektiert. Grundsätzlich galt, dass die Bindung der Familienmitglieder sowohl zwischen den Erwachsenen als auch unter und mit den Kindern sowie den Sklaven auf gemeinsamen Grundlagen beruhte. Drohte die Freude am gemeinsamen Leben zu zerrütten, scheiterte ein Auseinandergehen an der Einsicht, dass die Aufrechterhaltung einen größeren Nutzen hat als die Auflösung des familiären Verbandes.

Menschen, die ihr Zuhause verloren haben, zeigen uns immer wieder wie lebenszerstörend Heimatlosigkeit ist. Um das Jahr 60 n. Chr. ist die Kolossae benachbarte Stadt Laodicea in der heutigen Westtürkei von einem Erdbeben fast vollständig zerstört worden und musste sich aus eigenen Kräften aufhelfen, da offensichtlich auch die Nachbarstädte einschließlich Kolossae von dem Erdbeben betroffen worden waren. Kolossae war ein berühmtes Zentrum für die Produktion von Wolle und lieferte an häusliche Spinnereien in Laodicea. Nun hatten Laodicea und Kolossae keinen gemeinsamen Handel mehr. Es gab eine Zeitlang nichts, was man zur Mehrung des gemeinsamen Wohlstandes teilen konnte, die Not überdeckte alles.

Die Rettung, von der gesprochen wird, meint auch die Überwindung der Heimatlosigkeit. Menschen bekommen Anteil an einem neuen Zuhause, das zum einen geistlicher Natur ist und zum anderen Bindungen, die durch die Blutsverwandtschaft bestehen, überschreitet. Im Angesicht von Naturkatastrophen, die auch unserer Zeit nicht fremd sind, ist eine die irdische Existenz transzendierende Gemeinschaft, die Qualitäten der Familie hat, ein großes „Dennoch“ des Glaubens. Der Glaube an die durch den Geist Gottes erbaute Gemeinschaft, die Kirche, lenkt zudem den Blick auf die von Menschen verursachten und von ihm beeinflussbaren Formen der Heimatlosigkeit und führt in die Arbeit an ihrer Überwindung.

Zu einer wesentlichen Herausforderung unserer Zeit zählt der Wirtschafts- und Sozialausschuss des BVEA den demographischen Wandel. Geleitet von dem sozialethischen Grundsatz eines von der Liebe erleuchteten Sachverstandes wird an einer neuen Übereinstimmung der Generationen gearbeitet. Wenn die Zahl der über 60-Jährigen zunimmt und die Zahl der Jüngeren zurückgeht, werden die Älteren in ganz neuer Weise gefordert sein und die jüngere Generation wird ihre Verpflichtungen neu finden müssen.

So wie zwischen den Generationen ist in jeder Familie eine empfundene Ungleichheit der Lebenschancen eine Herausforderung, Gerechtigkeit zu suchen. Familien, die Orte sind, in denen sich das Bedürfnis des Menschen nach Vertrauen ausbildet, suchen und benötigen Hilfen, wenn unter modernen Bedingungen beide Ehepartner für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse berufstätig sein wollen und müssen oder ihre Kinder in Armut zu fallen drohen.

Dr. Christian Homrichhausen
Theologischer Berater des BVEA

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