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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2007 - Gesellschaft - Bücher
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Dr.Heinz KappUnser früherer Sozialsekretär und ean Mitglied Dr. Heinz Kapp, Singen hat ein Buch heraus gegeben, welches wir sehr empfehlen
„Weil ihr selbst Sklaven seid, könnt ihr Sklaven nicht entbehren“ (Börne: 31)

Die Dissertation von Dr. Heinz Kapp:
REVOLUTIONÄRE JÜDISCHER HERKUNFT IN EUROPA 1848/49 entreißt mit schweren Vorurteilen belastete Menschen dem Grab des Vergessens. Die im europäischen Zusammenhang bisher unerforscht gebliebenen jüdischen Beiträge zur 48er- Revolution, der jüdische Mut zur Freiheit und ihr patriotischer Kampf um Gleichheit mit Nichtjuden werfen neues Licht auf die Entstehung einer Kultur der Ebenbürtigkeit und den ersten Durchbruch der europäischen Demokratie.

Juden wurden noch im 19. Jahrhundert von der „Heiligen Allianz“ in allen Lebensbereichen bevormundet und durch die Karikatur der Judensau diskriminiert, die man an Ghettobrücken und Kirchen angebracht hatte. Sie durften nur verachtete Berufe wie Straßenhändler, Viehhändler oder Geldwechsler ausüben und nicht ohne Erlaubnis der städtischen Obrigkeiten heiraten. Vor 1848 widerstanden die Juden dieser Diskriminierung nur selten. Der jüdische Historiker Jacob Toury zählte 160 Juden, die sich zwischen 1815 und 1848 politisch betätigten. Zwar stand die überwiegende Mehrheit deutscher Juden der Gewalt ablehnend gegenüber. Dennoch vollzogen alle, auch die staatstreuen Vertreter der Juden, eine „innerjüdische“ Wende. Sie hörten auf, den Willen des Herrschers mit dem Willen der göttlichen Vorsehung gleichzusetzen (3).

Der Arbeiterdichter Moritz Levinson rief 1848 seinen Berliner Glaubensgenossen zu:
„Leeres Hoffen, weibisch Bitten, hat uns lang genug entmannt;
Auf, die Zukunft sei erstritten mit den Waffen in der Hand.
Vorwärts! vorwärts! Mit Gott fürs Vaterland!“ (332)

Über die Arbeiterschaft hinaus erfassten Verbrüderungsszenen bei Bürgerfesten ganze Stadtviertel. Vom Sängerchor des Berliner Handwerkervereins wurde ein Lied vorgetragen, dessen Refrain lautete: „Hoch lebe, Bruder, ob Jud‘ oder Christ/ Ein Hoch, weil Du ein Theil der Menschheit bist“. Vor allem diese Zeilen stießen unter den anwesenden 1200 Bürgerwehrmännern auf große Resonanz (333). Ähnliche Bündnisse entstanden in Palermo, Rom, Venedig, Wien, Budapest, Mainz, Frankfurt, Prag, Paris und auch in Baden und der Pfalz. Jüdische Revolutionäre wollten eine „gebildete Revolution ohne viel Blut“ zustande bringen, um wie England und Frankreich „durchs Rote Meer ins Land der Freiheit“ zu gelangen (208). Der Auszug Israels aus der Sklaverei durchs Rote Meer, den der jüdische Dichter und Paulskirchenabgeordnete Moritz Hartmann herauf beschwor, war für alle an der Revolution beteiligten Juden ein starkes Handlungsmotiv.

Aus dieser Exodustradition und dem französischen Frühsozialismus entwickelten sich revolutionäre Charaktere: „Das grundlegende Merkmal des ‚revolutionären Charakters‘ besteht darin, dass er unabhängig – dass er frei ist. Es ist leicht zu erkennen, dass Unabhängigkeit das Gegenteil der symbiotischen Bindung an die Mächtigen oben und an die Machtlosen unten ist, wie das beim autoritären Charakter zu beobachten ist.“ (vgl. E. Fromm, 593) Börne hat die Antisemiten als egoistische und obrigkeitsgläubige Heuchler entlarvt. Den Christen sei jede Religion gleichgültig geworden, auch, ob der Jude einen falschen oder

wahren Gott anbete, es liege ihnen nur am Herzen, dass „der jüdische Schacher den christlichen nicht verkümmere.“ (31) Im Widerstand gegen erneute Versklavung verwandelten sich religiöse Traditionen bei Juden in politische Handlungsmotive: Nicht nur einzelne Menschen sollten befreit werden, sondern alle Unterdrückten – beginnend mit Abrahams Exodus aus der Heimat und Israels Exodus aus Ägypten bis zum Aufbruch der neutestamentlichen Gemeinde in eine neue Welt in der Nachfolge Jesu (vgl. Theißen: 604). Die Aufklärung löste auch bei Revolutionären christlicher Herkunft Jenseitsfrömmigkeit durch Weltfrömmigkeit ab und wurde zur Diesseitsreligion (vgl. Soeffner: 588).

Nach jüdischer Auffassung ist die Welt ausschließlich dazu da, durch ihre Veränderung geheiligt, also verbessert zu werden. Denn die Schöpfung ist zwar prinzipiell gut, aber nicht vollendet, die Menschheit mitnichten erlöst, die Welt noch weit von ihrer Vollkommenheit entfernt. Darum sind die Menschen aufgerufen, an der Vollendung dieser Welt entschieden und tatkräftig mitzuwirken (vgl. Nachwort Wiehn: 648).

Mit dieser zur Freiheit drängenden Haltung haben die jüdischen Revolutionäre dem um eine neue Gestalt ringendenden Europa ein lange verschmähtes Erbe hinterlassen.

Das Buch erschien mit 650 Seiten als Band 12 unter den „Konstanzer Schriften zur Schoáh und Judaica“ mit einem Nachwort von Prof. Dr. rer. soc., Dr. h. c. E. R. Wiehn im Hartung-Gorre Verlag. Es ist in allen Buchhandlungen erhältlich und kostet 29,80 €.

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Mundart
Ein anderes Mitglied der ean hat ein Buch in Mundartdichtung herausgegeben auf das wir hinweisen wollen.

Wolfgang MüllerWolfgang Müller wurde 1950 in Söllingen im Pfinztal geboren. Bei seiner Spracherziehung hat das ganze Dorf mitgeholfen und erst jetzt sieht und hört man, was dabei herausgekommen ist.

Seit er „Ernscht macht mit em Spass an de Fraid“ und als mehrfacher Preisträger bei renommierten Mundartwettbewerben nachweisen kann, dass im Pfinztal ein „ausgezeichnetes“ Deutsch gesprochen wird, häufen sich die Anfragen zu Lesungen und Mundart-Workshops.

Als Gutseles-Autor beim SWR gibt Wolfgang Müller einer stattlichen Hörergemeinde regelmäßig „was zum Schlotze“ mit in den Tag, wobei er sein Sortiment von leicht verdaulich bis extra herb variiert.

In seinem Buch „Hollywood in de Krottelach“ hat Wolfgang Müller neben der vom Arbeitskreis Heimatpflege mit dem Prosapreis 2005 bedachten Titelstory und dem beim Wettbewerb 2003 ausgezeichneten Text „Shakespeare in Pfinztal“ weitere Geschichten, Gedichte und Gedankensplitter zu einem Mundartpuzzle zusammengesetzt, das Lust und Mut „auf‘s Schwätze, wie uns de Schnawwel gwachse isch,“ machen will.
Oifach mol neigugge!
Hollywood in de Krottelach
Mundart aus‘m Pfinztal
Edition Mundart im Info Verlag
ISBN 3-88190-447-6
Ihr vom Autor handsigniertes Exemplar
können Sie hier für 11.- Euro inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten (Selbstkosten) bestellen: www.mueller-soellingen.de

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