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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2007- Ehrenamt
Warum gemeinnützige Vereine unverzichtbar sind - Klaus Reinhard - RAKÜ Hamburg

Warum gemeinnützige Vereine unverzichtbar sind!
Wer sich nicht den richtigen Fragen stellt, wird am Ende selbst in Frage gestellt

erster mai-demo - bild Elke LartzDer Verein stellt sich ständig den Anforderungen in einer sich sehr schnell verändernden Welt, verliert dabei aber seinen traditionellen Auftrag aus der Satzung nicht aus den Augen. Der Verein informiert über gesellschafts- und sozialpolitische Zusammenhänge mit dem Ziel, Gerechtigkeit, sozialen Frieden und Humanität zu erreichen.

In diesen Tagen verzweifeln viele Menschen und Institutionen an den bevorstehenden Reformen und ihren sozialen Folgen. Lässt sich dieses Land mit seinem mächtigen Interessenkartell nicht mehr reformieren? Das ist deutliche Kritik an den Verbänden, zu denen auch die Kirchen und im Vorfeld solche Organisationen wie RAKÜ und BVEA gehören.
Zorn ist manchmal die Voraussetzung für neuen Mut

Eine Umfrage des „World Economic Forum“ in Davos hat in 47 Staaten das Vertrauen der Menschen in 17 Institutionen des öffentlichen Lebens untersucht. In Deutschland belegen die Kirchen den allerletzten Platz. Höher ist hier das Ansehen der nicht-regierungsabhängigen Organisationen wie z.B. das Rote Kreuz. Sie liegen an 4. Stelle hinter Polizei, UNO und Bundeswehr. Vielen Menschen erscheint heute die Kirche als Fortsetzung des Staates mit anderen Mitteln. Die Wandlung von der Heils- zur Sozialkirche hat den christlichen Kirchen allerdings nichts genutzt, denn sie verlief parallel zum Ausbau des fürsorglichen Sozialstaates.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Wir bejahen ihn, denn er eröffnet uns eine Fülle von Möglichkeiten zu unmittelbarer bzw. repräsentativer Mitwirkung auf verschiedenen Ebenen unseres Gemeinwesens. Unser Staat sollte auch uns als gemeinnützigen Verein und als Mitglied im Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen wahrnehmen. Er sollte in Zukunft so sozial handeln, dass wir keine Reformen zu fürchten brauchen.

Nach der Definition der Abgabenordnung verfolgt ein Verein gemeinnützige Zwecke, wenn seine Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.

Die diakonischen, sozial- und gesellschaftspolitisch arbeitenden Initiativen, Dienste und Werke haben im evangelischen Raum in einer langen und arbeitsteiligen Geschichte auf den Ebenen der Gemeinden, der Landeskirchen bzw. der EKD Organisationen mit losen oder auch festen Mitgliedschaften herausgebildet. Sie sind heute in den konkreten Lebensbereichen der Gesellschaft präsent. Hier werden Brücken geschlagen für eine vielfältige Begegnung mit der Berufs- und der Wohnwelt, aber auch über Grenzen hinweg zu unseren europäischen Nachbarn.

Wie sieht nun die Praxis aus? Vereine, Verbände, Dienste und Werke tragen zur Sicherung der Fundamente unserer Gesellschaft bei, indem sie daran erinnern, dass diese von Voraussetzungen lebt, die sie selbst nicht herstellen kann; suchen Menschen in ihren konkreten Lebenssituationen auf; leisten zielgruppenorientierte Arbeit; bieten Raum für Menschen, sich zweckgebunden zusammenzuschließen und gemeinsam aktiv zu arbeiten; sind Orte der Begegnung, des Gesprächs und überregionalen Engagements, bieten exemplarische Lernfelder an, in denen Menschen die Befähigung erlangen, als mündige Personen Verantwortung zu übernehmen; eröffnen Chancen, bei den angesprochenen Menschen Begabungen und Talente zu entdecken und zu profilieren; leisten Beiträge zur Erwachsenenbildung, indem sie Teamfähigkeit, kommunikatives Verhalten, Verantwortungsbewusstsein, Verbindlichkeit und Kritikfähigkeit fördern und erweitern schließlich das Spektrum hauptamtlicher Kompetenz.

Ehrenamtliche Tätigkeit kann eine große Erfüllung sein: Menschen kennen lernen, sich in den Dienst einer gemeinsamen Sache stellen, anderen beistehen, die eigenen Fähigkeiten einbringen, Neues lernen, Sinn und Erfolg spüren.

Nirgendwo sonst gibt es die Möglichkeit zu ehrenamtlicher Betätigung in solcher Vielfalt wie in der Kirche und den Vereinigungen in ihrem Umfeld.

Jeder von uns muss stets bereit sein, Neues aufzunehmen. Anders können wir die Vergangenheit nicht bewältigen und die Zukunft nicht meistern.

Es war nicht das Gestern, das feige kapitulierte und nun beseitigt ist, sondern Menschen taten das, die weiterleben und nun dem neuen Geist die gleiche Aufgabe stellen, die der alte nicht bezwungen hat.

Wir verlangen nicht die Rückkehr zum mittelalterlichen Weltbild der Kirche - Gott oben, der Teufel unten, der sündige Mensch dazwischen -, sondern eine Ordnung dessen, was seit nunmehr zwei Jahrzehnten Globalisierung genannt wird.

Informationen sind jetzt das wichtigste Produktionsmittel, forschende Intelligenz die strategische Ressource. Dateien und Bilder eilen in Sekunden um den Globus und verbinden Menschen und Märkte. Wir stehen an der Abbruchkante der Postmoderne, und was wir sehen, ist beides: optimierte Systeme internationalen Austauschs und die Auswüchse langfristiger Machtkompromisse.

Mit anderen Worten: Zorn ist manchmal die Voraussetzung für neuen Mut. Andererseits gilt auch: Eigeninitiative ist inzwischen die vierte Gewalt! Veränderungen in der Gesellschaft führen auch zur Ausbildung neuer Persönlichkeitstypen: Ich lasse mir von niemandem sagen, wer ich bin. Ich bin, der ich bin! Dieses Selbstbestimmte Ich sucht sich im Wir zu realisieren, im gemeinsamen Erleben.

Klaus Reinhard-Rakü HamburgMit solchem neuen Wir-Erleben geht eine neue Art von Sozialität und Gemeinsinn einher. Statt Beziehungen zu pflegen, werden Kontakte geknüpft und gepflegt. Je mehr Kontakte jemand hat, desto stärker fühlt er sich verbunden. Ein tatsächlich starkes Ich und eine kreative Persönlichkeit resultieren aus menschlichem Vermögen in Form von eigenem Wahrnehmen, Vorstellen, Denken, Fühlen, Wollen, Entscheiden und Handeln. Wir leben wohl überwiegend vom Sachwissen.

Aber schon, wie man anderen nützt mit seinem Können, das hat viel mit Sozial-Kompetenz, mit Haltung und einem Hauch von Weisheit zu tun.

Wir leben doch für Freude, Freundschaft und Anerkennung. Wir müssen uns selbst als geliebt und gebraucht wissen. Das ist Vertrauenswissen, das uns trägt!
Ich meine schließlich, mit Konfuzius gesprochen: "Wenn du einen Weg gehst, gehe ihn ganz und aus vollem Herzen!"

Klaus Reinhardt, RAKÜ e.V.,Hamburg

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