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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2007 - Kirche - Reformenzur Startseite
Nahe bei den Menschen! Bitte! - Helmut Faber EAB Oberhausen

Armut - Collage Elke LartzNahe bei den Menschen ! Bitte!
Zum Impulspapier der EKD „Kirche der Freiheit“

Mit dem Zukunftskongress vom 25. bis 27. Januar diesen Jahres in Wittenberg hat die Diskussion um eine veränderte Evangelische Kirche der Zukunft begonnen. Grundlage ist das Impulspapier der EKD „Kirche der Freiheit“ vom Juli 2006. 12 Leuchtfeuer sollen die Richtung dieser Kirchenreform des 21. Jahrhunderts markieren: Die Veränderungsbereiche umfassen (als Kernangebote der Kirche): Verkündigung, Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindeformen, die Mitarbeitenden, das Handeln in der Welt und die Selbstorganisation. Mentalitätswechsel, missionarischer Auftrag, Profilierung und Kompetenz sind durchgehende Forderungen auf allen Ebenen.

Auffallend ist, dass der Bereich Kirche und Arbeitswelt nur beiläufig erwähnt wird; genau genommen nur zweimal: im Zusammenhang mit „praktisches Christentum im Alltag“ und unter „gesamtkirchliche Arbeitsfelder“. Das entspricht allerdings nicht der Gewichtung, die der Arbeitswelt zukommen muss, wenn es an anderer Stelle des Impulspapiers heißt: „Nur auf der Grundlage einer Verständigung über die Gegenwart, ihre Grundprobleme und Lebensformen, lassen sich die Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten der Kirche erkunden“ (Zitat S.34 Impulspapier) .Schließlich will die Kirche “zuverlässiger Lebensbegleiter“ für alle Menschen sein, die es wünschen. So ist schon das erste Leuchtfeuer ein Hinweis darauf, dass die Kirche „nahe bei den Menschen „ sein wird (49).
Arbeitswelt kommt kaum noch vor

Ein gutes, notwendiges Ziel! Dann gehört allerdings die Arbeit als Lebensgestaltung – zumal Arbeitslosigkeit sie verhindert - zu den unverzichtbaren Aufgabenfeldern der Kirche, um nahe bei den Menschen zu sein Aber das lässt sich nicht nur mit übergreifenden Kompetenzzentren, Akademien und Instituten machen, sondern braucht Lebensnähe zu den Menschen und Gemeinschaft mit ihnen. Die Formen der Vergemeinschaftung werden vielfältig und offen sein müssen: Vereine, Aktionsgruppen, Arbeitskreise, Initiativ- und Fördergruppen (unabhängig von der Zugehörigkeit zur verfassten Kirche, die einlädt und Raum gibt). Damit kann auch der Betrieb gemeint sein als Gemeinde vor Ort.

Die aufgeworfenen Fragen der Erneuerung und Veränderung betreffen auch die bisherigen Gestaltungsweisen kirchlicher Präsenz im Lebensbereich Arbeit. Luthers Bezeichnung der Arbeit als „alltäglicher Gottesdienst“ hat nichts an Bedeutung verloren: Manchmal hat man bei dem Reformentwurf allerdings den Eindruck, dass die geforderte „geistliche Profilierung“ zu Lasten der erfahrenen Lebenswirklichkeit geht Manchmal hat man den Eindruck, das Geistliche sitze in der ersten Reihe und das Weltliche in der zweiten. Die enge Zusammengehörigkeit müsste deutlicher werden. Erinnert sei an das Gemeinsame Wort der Kirchen vor gerade erst 10 Jahren: „Ein weltloses Heil könnte nur eine heillose Welt zur Folge haben“(Ziff.101).

Christliche Arbeiterbewegungen und kirchliche Dienste haben zwar eine lebendige und anerkennungswürdige Geschichte, aber zu Recht müssen sie sich nach ihrer zukünftigen Gestalt und Aufgabenstellung fragen lassen. Auch hier ist Reform angesagt. Demografische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen fordern das zwingend heraus. Arbeit ist mehr als die Erwerbstätigkeit im bisherigen Sinn. Sie muss umfassender verstanden und bewertet werden. Sie ist Lebensleistung im gesamtgesellschaftlichen Umfeld, lokal, regional, national, global, von der Erziehung über Pflegeleistungen, politische Arbeit, soziale und ökologische Dienste u.s.w.. Das sind ja keine Ausweichfelder der Arbeit für 1 Euro.

Diese Arbeit wird immer wichtiger, je mehr die Erwerbsarbeit der Gewinnmaximierung zum Opfer fällt. Hierfür braucht es neue Bewertungskriterien und angemessene Einkommenssicherungen. Eine wichtige Aufgabe für „Kompetenzzentren“ und Vordenker.

Aber an der Basis bei den Betroffenen muss es Orte geben, wo man Solidarität – auch und ganz stark – zwischenmenschlich, geistlich leben kann. Da kann die Kirche der rechte Ort sein. Das ist ja ein schmerzvoller Prozess, der Solidarität, Bestärkung, Neuorientierung und Bildung erfordert.

Wenn es zu den Zielen der Reform gehört, Menschen in der Kirche wieder zu beheimaten, dann ist es umgekehrt ebenso wichtig, dass Kirche sich in der Lebenswelt der Menschen beheimatet.

Die missionarischen Zielvorstellungen des Impulspapieres deuten eher in die andere Richtung. Die Arbeitswelt und ihre existenzielle Auswirkung auf Beschäftigte und Nichtbeschäftigte bleiben in Gemeinden und Kirchenkreisen am Rande. Sie wird zwar individuell gesehen in Seelsorge und Diakonie, nicht aber als sozialethisch unverzichtbares Aufgabenfeld. Es wird Aufgabe und Chance sein, dieses und damit ein wichtiges Stück Lebenswelt wieder in den verschiedenen Formen von Gemeinde zu beheimaten. Auch das gottesdienstliche Leben gewinnt so an Lebensnähe und Anziehungskraft. Die immer wieder beklagte Mileuverengung wird aufgebrochen.

Helmut FaberWenn in den Gemeinden vor Ort dem Lebensbereich Arbeit wieder mehr Beachtung zukommt, werden auch mehr Menschen angesprochen. Besonders bemerkenswert ist schon immer das deutliche Interesse und die große Zahl der ehrenamtlich Mitarbeitenden, wenn es um Arbeit und Lebensbedingen geht. Auch das trägt zur Kompetenz und zum Profil in der Kirche bei.. Hier liegen vielversprechende Neuansätze für die auf die Arbeitswelt bezogenen Dienste, Organisationen und traditionsreichen Bewegungen in der Kirche. Der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen (BVEA) vereinigt diese große Zahl der engagierten und kompetenten Ehrenamtlichen.

Natürlich führen Neuaufbrüche auch zu Traditionsbrüchen, was aber nicht gleichbedeutend ist mit Traditionsverlust!

Helmut Faber, EAB Oberhausen

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