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BVEA - Rundschau Ausgabe 1-2007
- Gesellschaft - Glauben - Dr. Christian Homrichhausen - Einsatz für die christliche Freiheit

freiheit-bild epdEinsatz für die christliche Freiheit

„Und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8, 32)

Mit diesem Wort sprach Jesus seine Jünger an, die zum Glauben gekommen waren. Als Antwort der Christen auf das, was sie von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus empfangen hatten, bildete sich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten der christliche Gottesdienst heraus.

Das Impulspapier des Rates der EKD „Kirche der Freiheit“ (Juli 2006) stellt Visionen als „Leuchtfeuer“ vor, die auch auf eine neue Verankerung der Gottesdienste in unserer Gesellschaft zielen: „Zentrale Begegnungsorte des evangelischen Glaubens“ machen „evangelische Kirche erfahrbar“ und zeigen „die Fülle ihrer geistlichen Kraft“ „im „Sinne der ‚Stadt auf dem Berge‘ (Matthäus 5,14)“.

Aus christlicher Freiheit heraus ist dieses Ziel formuliert worden. Und es lässt sich erkennen, dass dieses Ziel um der Liebe und der Nächsten willen, die in ihrem christlichen Glauben gestärkt oder sogar erst Christen werden wollen, aufgestellt worden ist. Es ist auch nicht zu leugnen, dass z. B. die Grabeskirche in Jerusalem ein Anziehungspunkt für die Christen weltweit darstellt und jede Konfession ihre eigenen geistlichen Zentren hat. Die Anfänge aber waren vielfältig und unscheinbar. Sie zeigen eine erstaunliche Verquickung von lebensweltlicher Erfahrung und gottesdienstlicher Praxis.

Von angeblichen Apostaten des christlichen Glaubens erfuhr der römische Statthalter Plinius der Jüngere (um 112 n. Chr.), dass diese sich an bestimmten Tagen vor Sonnenaufgang zu versammeln pflegten, um Christus durch einen Wechselgesang als ihren Gott zu preisen. Außerdem verpflichteten sie sich schwere Sünden aus ihrem Leben zu verbannen. Danach seien sie auseinander gegangen, um später zum gemeinsamen Essen wieder zusammen zu kommen.

Der Lobpreis, das Bekenntnis, die Verpflichtung auf einen den Geboten Gottes folgenden Lebenswandel und das Abendmahl, das noch mit einem Sättigungsmahl verbunden war, sind wesentliche Elemente christlicher Gottesdienste gewesen.

Diese Versammlungen fanden in Privathäusern statt. Unmittelbar nach dem Tode Jesu hatten sich die ersten Anhänger Jesu noch im Tempel versammelt. Paulus predigte und lehrte sowohl in den Synagogen als auch in Schulhäusern der Philosophen. Der Synagogengottesdienst war an die Anwesenheit von zehn Personen gebunden. Diese Versammlungen waren Orte, wo man sich in der erkannten Wahrheit bestärkte und durch diese zu einem neuen Lebenswandel befreit wurde. „Ist jemand in Christus, so ist er ein neues Geschöpf. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist neu geworden.“ ( 2. Kor. 5,17)

Allerdings hatten einst Juden nach der Überlieferung des Johannesevangeliums, die sich nicht zu den Jüngern Jesu zählten, seiner Aussage widersprochen, dass sie frei werden würden. Sie betrachteten sich als Nachkommen Abrahams und meinten nie jemandes Knechte gewesen zu sein. Aber darin sah Jesus wohl eine Verkennung ihrer wahren Lage.

Der Kirchenvater Aurelius Augustin (354 – 430 n. Chr.) bezeichnet in seiner Predigt über diese Stelle die Haltung der Widersprechenden als blanken Hochmut (gehalten 416/417 n. Chr.). Schließlich hatten die Juden doch einst Frondienste in Ägypten geleistet, Joseph war nach Ägypten verkauft worden, der Prophet Ezechiel war in die Verbannung geraten und Jeremia nach Ägypten verschleppt worden.

Zur Freiheit gehört die Erkenntnis der Wahrheit. Sie zu leugnen bewirkt Unfreiheit und führt zur Verhärtung gegenüber dem Angebot der Wahrheit. Ein solcher Knecht wird das Haus des Herrn verlassen, führt Jesus im Anschluss an seine Zusage an die Jünger aus.

Denn Wahrheit hat es durchaus mit der Anerkennung historischer Sachverhalte zu tun, die ein Volk, eine Volksgruppe oder eine Gemeinschaft bestimmen. Ebenso geht es aber auch um die Anerkennung der mit dem Menschsein verbundenen Gefahren der Knechtschaft oder Versklavung, die jeden einzelnen betreffen.

lutherbibel-epd-bildDie Einsicht in diese Zusammenhänge haben die Christen mit heidnischen Philosophen durchaus geteilt. So wie diese wissen auch Christen, dass der Mensch ein Knecht der Begierde sein kann, der Habgier und des Geizes, sicherlich auch des Ehrgeizes. Dass die Menschen anfällig sind für Versprechungen, die ihren Hoffnungen Nahrung geben und nicht nur von Lebenszuversicht gekennzeichnet sind, sondern auch Angst haben, ist sowohl den Heiden als auch den Christen geläufig gewesen. Aber sie gingen mit diesen Bestandteilen ihrer Persönlichkeit verschieden um und gaben unterschiedliche Antworten.

Wie es von Plinius bezeugt ist, war es für die Christen wichtig, die als Verbrechen zu kennzeichnenden Gebotsverletzungen aus ihrem Leben zu verbannen. Aber es blieben die anderen Anfechtungen der Seele, die unfrei machen

Augustin benutzte das Bild von Jesus Christus als Arzt. Zu seiner „Herberge“, seiner gottesdienstlichen Versammlung, sollen die Verletzten gehen und sich von Christen versorgen lassen, die Gesandte an Christi Statt sind. Sie können Heilmittel den nach Gesundung Dürstenden bieten.

Dr. Christian Homrichhausen
Theologischer Berater des BVEA

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