BVEA Archiv4-2006 | Archiv4-2006 aus den Landesverbänden| zurück | weiter
BVEA - Rundschau Ausgabe 4 - 2006 - Aus den Landesverbänden
afa Thüringen - Armut ist gefährlich
afa-LogoThüringen

Armut ist gefährlich

Offenes Bürgerbüro in Thüringen als Mittler

„Der Sozialstaat ist Voraussetzung dafür, dass die Werte von Individualität und Freiheit nicht nur ein Privileg der Einkommensstarken und Vermögenden sind, sondern allen Menschen zukommen."(212) (aus dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, 2003).
Wie schon im Sozialwort der beiden großen Kirchen von 1997 festgestellt wurde, hat sich die Spaltung der Gesellschaft in immer mehr Arme und Reiche vertieft.

Bild Elke Lartz - Artikelbild zu "Armut ist gefährlich"Allein in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt leben nach Berechnungen der Grünen rund 7.700 arme Kinder. In Deutschland leben 2,5 Mill. Kinder auf Sozialhilfeniveau. Für die Kinder bedeutet dies eine „erhebliche Reduzierung ihrer Chancen auf einen guten Schulabschluss", einen „mangelhaften Gesundheitszustand bedingt durch schlechte Ernährung" und eine „verminderte Förderung".

Aus der Vielzahl von hilfesuchenden Bürgern, die sich an das soziale Projekt der afa Thüringen Offenes Evangelisches Bürgerbüro wenden, sei ein Beispiel genannt, wie ein Bürger als selbstständig tätiger Unternehmer Schritt für Schritt durch den verlorenen Arbeitsplatz, und damit der verloren gegangenen Lebensgrundlage, verarmen kann.

Herr Müller ist heute 52 Jahre alt, war bis 2004 selbstständiger Bauberater, und ist seit dem arbeitslos. Seit 2003 hat er keine Einkünfte mehr. Die vielen Bewerbungen in großen und kleinen Betrieben, Verbänden und Organisationen um eine bezahlte Arbeit, blieben erfolglos. Dabei hätte Herr Müller jede Arbeit angenommen, einschließlich Schichtarbeit. Für das tägliche Überleben brauchte er seine Ersparnisse auf und musste seine freiwillige Altersvorsorge kündigen.

Als ehemals selbstständiger Unternehmer ist ihm der Krankenversicherungsschutz verwehrt. Aufgrund der persönlichen Verhältnisse lag sein Anspruch auf Arbeitslosengeld II bei einem Tagessatz von 11,03 Euro.
Herr Müller fragt:

  • „Werde ich für meinen bisherigen Fleiß damit bestraft, dass mir alles genommen wird,
    wofür ich in meinem bisherigen Leben als ehrlicher Steuerzahler gearbeitet habe?"
  • „Bin ich dazu verurteilt, am Leben nicht mehr teilhaben zu dürfen,
    z.B. kein Kinobesuch mehr, kein Geschenk mehr für meinen Enkel zu Weihnachten, usw.?"
  • „Bin ich nun mit 52 Jahren ein Mensch 2. Klasse ?"
  • „Warum ist eine vernünftige Arbeitsverteilung innerhalb der Gesellschaft nicht möglich ?"
  • „Bald stehe ich vor der Wahl, mich entweder von der Brücke zu stürzen
    oder mir auf kriminelle Art und Weise meinen Lebensunterhalt zu sichern."

Auch wenn im Fall des Herrn Müller die Ausweglosigkeit drohte, ist Herr Müller in zahlreichen Gesprächen und Hilfestellungen über das Offene Evangelische Bürgerbüro immer wieder aufgebaut, Mut zugesprochen, das Selbstvertrauen und Lebenswille gestärkt worden. Er wird auch weiterhin auf der Suche nach einer bezahlten Arbeit vom Offenen Evangelischen Bürgerbüro begleitet und unterstützt.

Der lange Arm der globalen Wirtschaft und Finanzmärkte zerstört zuweilen gut geplante und mit viel Eigeninitiative aufgebaute Existenzen und ganze Familien. Die gegenwärtig zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Reiche, deren Reichtum zunimmt, und Arme, denen die soziale Sicherung gemindert wird, ist weder gerecht, noch mit der Würde des Menschen vereinbar. Sie stellt zudem eine Gefahr für den wirtschaftlichen und sozialen Frieden dar.

Armut darf nicht als ein Randproblem unserer Gesellschaft missdeutet und bagatellisiert werden. Armut ist nicht einfach „Schicksal". Es gibt viel mehr neben der Eigenverantwortlichkeit stets auch eine Mitverantwortlichkeit der Gemeinschaft für die Lebenssituation der in ihr lebenden Benachteiligten. Armut ist mehr als nur Einkommensarmut.

Wo die Lebensverhältnisse geordnet, gute Wohnmöglichkeiten gegeben, Arbeit und Einkommen gesichert sind, die Gesundheit gewährleistet ist, dort sind Menschen meist auch in der Lage mit Belastungen zurecht zu kommen, wie etwa auch mit der Last eines geringen Einkommens.

Roland Walther Geschäftsführer afa Thüringen
Leiter Offenes Evangelisches Bürgerbüro


Veränderungen in der Arbeitswelt Gleichberechtigung der Frauen in der EU Schon zur Tradition geworden sind die Tagesseminare des afa Kreises Lichte/Piesau mit Renate Licht vom DGB-Ostthüringen. Schon immer waren diese Diskussionsrunden sehr interessant und kurzweilig, weil sie aktuelle Probleme ansprach, die alle gleichermaßen bewegten. Diesmal ging es um die Gleichberechtigung der Frauen im Rahmen der EU-Erweiterung und welche Veränderungen dabei zu erwarten sind.  mehr...

Eine Erfolgsgeschichte aus den neuen Bundesländern Ein junger Verband blickt zurück und in die Zukunft - 15 Jahre afa Thüringen Die Teilnahme zahlreicher prominenter Gäste aus Politik, Kirche, Gewerkschaft, Industrie und befreundeten Vereinen, an der Festveranstaltung zum 15-jährigen Bestehen der Aktionsgemeinschaft für Arbeitsnehmerfragen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen (afa), war Ausdruck der Wertschätzung der afa. Zeitgleich erfolgte damals auch die Gründung des afa Kreises Neuhaus/Rwg. 1992 wurde der afa Kreises Sonneberg, ein Jahr später der in Lichte/Piesau gegründet. 1995 folgte einer in Eisenach. mehr...

zum Seitenanfang - BVEA - Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
bvea@bvea.de
©BVEA Internetseiten 2001-2015 Deutschland | Stand 18.06.2015
Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich - siehe Impressum
Nachdruck und andere Veröffentlichungen der hier genannten Artikel und gezeigten Bilder sind nur nach vorheriger Genehmigung des BVEA erlaubt!

Über uns | Landesverbände | Aktuelles BVEA | Aktuelles aus den Landesverbänden | Pressemitteilungen | Impressum |

Startseite BVEABundesverbandLandesverbändeAktuellesRundschauArchiv

Suche: