Der Kreis tagte vom 15. bis 16. September in Hannover. Eine umfangreiche Tagesordnung war zu bewältigen.
Dr. Christian Homrichhausen - Theologischer Berater des BVEA - erläuterte zunächst seinen Entwurf zur „theologischen Frage" mit anschließend eingehender Diskussion darüber, worauf es evangelischen Arbeitnehmern ankommt.
Übereinstimmung gab es bei den grundlegenden Feststellungen, dass die Evangelischen Arbeitnehmer (BVEA) auf „konfessioneller", reformatorisch geprägter und „neuzeitlicher" Grundlage stehen. Sehr deutlich erkennbar daran, dass gesellschaftliche und soziale Fragen immer im Spannungsfeld zwischen individuellen Interessen und gemeinschaftlicher Verantwortung, zwischen Ich und Wir zu sehen sind.
Die Realität in Welt und Gesellschaft ist eine andere als die von Gott geschenkte Wirklichkeit.
Luther sprach von den „zwei Reichen". Auch in der Gemeinschaft evangelischer Arbeitnehmer befinden wir uns in diesem Spannungsfeld.
So setzen sich evangelische Arbeitnehmer seit über 100 Jahren für „Menschenwürde und Menschenrecht" ein. Wir bemühen uns um „gesellschaftliche Mitwirkung im Geist der Gleichheit und Solidarität", um Gerechtigkeit und die Überwindung von Konflikten und sind doch selber Teil der Konflikte.
Zu einem „christlichen Realismus" gehört auch, dass uns Gottes Gegenwart und Liebe erlauben, zuversichtlich und verantwortlich für friedliche und gerechte Ordnungen einzustehen. Diese Überzeugung zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte „theologische Frage".
Seit Beginn der Arbeiterbewegung haben sich die Bedingungen in Gesellschaft, Arbeitswelt, Kirche und Wirtschaft grundlegend geändert. Das Kapitel „Die Bedeutung der Arbeit und die Beziehung zwischen evangelischen Arbeitnehmern und ihrer Kirche" bedenkt diese Zusammenhänge. Seit der Auflösung des Ost-West-Gegensatzes werden die sich in weltweiten, globalen Abhängigkeiten befindlichen gesellschaftlichen, ökonomischen Bedingungen unseres Landes deutlich. Nationalstaatliche Programme greifen nicht mehr. Auch Kirche und Kultur erleben völlig neue Herausforderungen. Eine Beschränkung auf geschichtlich gewachsene Religions- und Kulturräume ist nicht mehr möglich.
Fragen der Arbeitswelt sind daher bezüglich der Zusammenhänge und Folgen global zu betrachten. Damit erhält auch die in letzter Zeit vehement geforderte Rückbesinnung auf die Wertegemeinschaft neue Dimensionen.
Der BVEA versteht sich nicht als ein kirchliches Werk. Er will vielmehr eine eigenständige, offene Brücke zwischen Kirche und Arbeitswelt sein. Seinen Ort sucht der BVEA mit seinen Gliederungen in den Gemeinden. Er benötigt Formen der Vergemeinschaftung und bevorzugt die Vereinsform. Das hängt mit seiner Zielrichtung und den Bedürfnissen seiner Zielgruppen zusammen.
Ein eigener Tagesordnungspunkt war die eingehende Beschäftigung mit unseren Zielgruppen. Es ergab sich, dass der BVEA mit einer Minderheit der Kirchenmitglieder arbeitet. Die Aufgabenstellung des BVEA liegt nicht im „Mainstream", denn die Mehrheit sieht in der Kirche keine Voraussetzung für mitverantwortliche Arbeit, aktives soziales Engagement und daraus resultierende verändernde Kraft.
Stark war die Motivation des Arbeitskreises Theologie, die nächsten konkreten Schritte zu unternehmen und weiter beratend zur Seite zu stehen.
Helmut Faber

