BVEA Archiv4-2006 | Archiv4-2006 aus den Landesverbänden| zurück | weiter
Gesellschaft - Glauben

Feuerwerk-Schnitt kleine Wunderkerze-großes Feuerwerk - Collage Elke LartzDer Schnitt durch die Gesellschaft
Glauben und Armut bekämpfen

„Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft im Brechen des Brotes und in den Gebeten und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie unter alle, je nachdem einer es nötig hatte. Und täglich waren sie einmütig im Tempel beieinander. Das Brot aber brachen sie hin und her in den Häusern. Sie hielten ihre Mahlzeiten mit Frohlocken und in Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und waren beliebt beim ganzen Volk (Apg. 2, 42,44 - 47a).

Der Text aus der Apostelgeschichte ist aus den gottesdienstlichen Lesungen des siebenten Sonntags nach Trinitatis bekannt.In der Apostelgeschichte steht die zusammenfassende Kennzeichnung des urchristlichen Gemeindelebens im Anschluss an die Pfingstpredigt des Petrus.

Der flammende Aufruf des Apostels an die zum Wochenfest in Jerusalem zusammengekommenen Menschen aus der Diaspora, Jesus als den von Gott zum Herrn gemachten Erlöser anzuerkennen, der in eine Massentaufe mündete, erfolgte an dem Ort, den Jesus in einer prophetischen Zeichenhandlung von weltlichen Geschäften gereinigt hatte und damit Platz für Lehre und Heilungen geschaffen hatte.

Die Auseinandersetzung mit den Hohepriestern um die Auferstehung Jesu war geblieben, und als ein Ort der Lehre und der Heilungen wurde der Tempel auch von den Aposteln genutzt. Getragen wurde das gemeinsame Auftreten im Tempel von einer Gemeinschaft, die in den Häusern der Gemeindeglieder zu Hause war.

Die Gemeindeglieder pflegten sicherlich keinen Urkommunismus, Produktionsgüter teilten sie nicht, sie verkauften und teilten aus nach Bedarf und ließen so Gerechtigkeit walten. Sie traten freiwillig füreinander ein.

Eine Vorschrift, das Vermögen der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, hat sicherlich nicht bestanden.

Sie verstanden sich als eine neue, von Gott durch seinen Sohn ins Leben gerufene Gemeinschaft,
in der galt: „es wird bei dir keine Armen geben; denn reichlich wird der Herr dich segnen". (5. Mose 15,4)

Abendmahlsfeiern und Mahlzeiten gingen noch ineinander über.
Die Ämter, z. B. für Predigt, Lehre und Diakonie, begannen in den Gemeinden erst zu entstehen
und die Briefe des Paulus belehren uns auch darüber, wie gering die wirtschaftliche Belastbarkeit
der ersten Gemeinden war.

Aus der kleinen Minderheit ist heute ein knappes Drittel der Weltbevölkerung von über sechs Milliarden Menschen geworden
Mehr als neunzig Prozent von ihnen müssen mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen.

Die sozialen Unterschiede in den christlichen Gemeinden der Erde sind offensichtlich.
Die Denkschrift „des Rates der EKD", „Gerechte Teilhabe. Befähigung zu Eigenverantwortung und Solidarität"
bezieht sich auf „Armut in Deutschland" (2006). Sie weist auf, dass es auch in unserem Land extreme Armut gibt,
d. h. Menschen leben außerhalb des staatlichen Hilfesystems und selbst ihre minimalen Grundbedürfnisse sind nicht gesichert.

Schwerer wahrzunehmen ist die so genannte verdeckte Armut.
Die Gefahr der „Armut im Sinne sozialer Ausgrenzung und nicht mehr gewährleisteter Teilhabe" am gesellschaftlichen Leben droht in unserem Kulturbereich insbesondere Menschen mit Sozialhilfeanspruch, wenn sich der Bezug verstetigt und ein Ausstieg durch Neuaufnahme einer Erwerbstätigkeit bzw. die Überwindung von Arbeitslosigkeit nicht gelingt.

Gemäß einer Methode der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), die auch in dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung benutzt wird, liegt das Armutsrisiko für einen Einpersonenhaushalt bei 938,- Euro monatlich.
Die Denkschrift argumentiert für Beteiligungs- und Befähigungsgerechtigkeit, insbesondere für Anstrengungen im Bereich der Bildung.
Die Denkschrift fragt auch nach den globalen Zusammenhängen wachsender Armut bei uns: „Gefährdet der Aufschwung von Entwicklungsländern, insbesondere der Erfolg von Schwellenländern wie China und Brasilien, Arbeitsplätze in Deutschland oder schafft er neue Absatzmärkte und Arbeitsplatzmöglichkeiten?
Der Appell an die Verantwortung der Sozialpartner ist nicht zu überhören, wenn es unter der Überschrift „Wirtschaft" heißt: „Die sozialen, ökologischen und ökonomischen Gestaltungsaufgaben einer fairen globalen Strukturpolitik verdienen Unterstützung, auch dann, wenn damit besondere Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt verbunden sind."

Die ersten christlichen Gemeinden hatten eine so große innere geistige und lebensgemeinschaftliche Kraft, dass sie auch dann zusammenblieben, als die Gewinne aus den Verkäufen aufgebraucht waren. Angesichts anderer Zusammensetzungen der Gemeinden und Gruppen heute, veränderter Mentalitäten, die durch Skepsis und weniger durch Einfalt und Schlichtheit gekennzeichnet sind, zeigt sich, dass hier der wahre Kern christlicher Gemeinschaft zu suchen ist.

Dr. Christian Homrichhausen
Theologischer Berater des BVEA

zum Seitenanfang - BVEA - Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
bvea@bvea.de
©BVEA Internetseiten 2001-2015 Deutschland | Stand 18.06.2015
Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich - siehe Impressum
Nachdruck und andere Veröffentlichungen der hier genannten Artikel und gezeigten Bilder sind nur nach vorheriger Genehmigung des BVEA erlaubt!

Über uns | Landesverbände | Aktuelles BVEA | Aktuelles aus den Landesverbänden | Pressemitteilungen | Impressum |

Startseite BVEABundesverbandLandesverbändeAktuellesRundschauArchiv

Suche: