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BVEA - Rundschau Ausgabe 3-2006 - Zum Geleit
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Brunhild BaldLiebe Leserin, lieber Leser,

nun sind unsere Gäste, die Deutschland zur Fußball-WM besucht haben, wieder in ihre Heimatländer abgereist. Ich denke, viele nehmen ein neues Deutschlandbild mit. In den vier Sommerwochen haben wir eine herrliche Atmosphäre in diesem Land gespürt, die kaum jemand erhoffen konnte und auch den größten Fußballmuffel begeistert hat. Das Wetter stimmte, die Mannschaft riss alle mit und der Trainer, unser „Klinsi", hat uns rundum erfreut.

Leider hat er uns als Trainer „Lebewohl" gesagt - das müssen wir akzeptieren. Leider! Eigentlich hatte er nach der WM den sichersten Arbeitsplatz der Welt, aber das, was vorausgegangen war, grenzte ja oft schon an das bekannte berufliche Mobbing. Und das hat er eben nicht vergessen.

Der Trainer hatte nur das Glück, auf diesen Arbeitsplatz nicht angewiesen zu sein, wie sonst so viele andere in diesem Land. Er brachte neue gute Ideen und Konzepte mit; er verfolgte sie konsequent gegen alle Widerstände bis ans Ziel. Davon wünschten wir uns mehr in den Berliner Politikerkreisen, mehr Menschen, die Mut zu Neuem haben und die Stärke spüren, den Gegenwind auch aushalten, z. B. für unser aller Gesundheit und die damit verbundenen Kosten.

Jeder dritte Jugendliche steht vor verschlossenen Toren

Mit der Gesundheitsreform, die jetzt angekündigt wurde, droht ein Moloch zu entstehen, der die Beiträge aller Gruppen einsammelt und weitergibt. Neue Verteilungskämpfe sind damit auf jeden Fall gesichert - die angestrebte Zentralverwaltung baut in den GKV 30.000 Arbeitsplätze ab. Dafür werden in der neuen Zentrale jedoch nur 12.000 Arbeitsplätze benötigt. Da fragt man sich,was ist da los? Hätte eine Verwaltungsreform in den GKV nicht schon längst eine überfällige Kostensenkung einleiten müssen? Was geschieht da mit unseren Beiträgen? Ebenso gibt es in Krankenhäusern immer noch absolut unnötige Doppeluntersuchungen, die organisatorisch leicht abzustellen wären. Kostensenkungen spielen in der angekündigten Gesundheitsreform eine viel zu geringe Rolle. Die Macht der Lobbys, vor allem der Großindustrie und Ärzteverbände, scheint ungebrochen und ist ein andauernder Skandal.

Unabhängig von der Klage der Kommunen ist der Streik der Ärzte solidarisch zu unterstützen. Seit vielen Jahren hat der Europäische Gerichtshof die Arbeitgeber in Deutschland dazu verurteilt, den Ärzten eine angemessene Arbeitszeitregulierung, insbesondere an den Wochenenden und nachts, zu gewähren. Ohne Streiks wären die Bedingungen für menschenwürdige Arbeitsbedingungen nicht erfolgt. Auch wenn hier der Marburger Bund offenkundig unter Realitätsverlust leidet.

Die Bundesagentur für Arbeit hat im August für den Herbst eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt angekündigt. Das wäre gut. Aber was das Wirtschaftswachstum wirklich mit sich bringt, wirft bei uns ganz kritische Fragen auf. Wir wären froh, eines der wichtigsten Themen des Arbeitsmarktes nicht ansprechen zu müssen: Die Chancen für die Auszubildenden. In was für einem Lande leben wir eigentlich, wenn nach dem größten Einsatz von Wirtschaftsminister Glos und Arbeitsminister Müntefering die BA für Arbeit meldet, dass 402.000 offene Lehrstellen gemeldet sind. Gleichzeitig jedoch gibt es 678.5000 Bewerber/innen für Lehrstellen. Mit anderen Worten, jeder dritte Jugendliche, der in diesem Sommer die Schule abgeschlossen hat, steht vor verschlossenen Toren für einen Beruf und die eigene Zukunft. Welches Selbstbild haben die führenden Politiker und Verbandsführer in diesem Land, dass sie ruhigen Gewissens in diese Sommerpause enteilen konnten. Die existenziellen Entscheidungen für die Jugend lassen sich nicht so einfach übergehen. Die soziale Verantwortung kann nicht in Dauerurlaub gehen. Dies ist keine Nachricht aus dem Sommerloch, auch wenn die verehrten Leserinnen und Leser es seit vielen Jahren gewohnt sind, mit diesen Fakten im Herbst immer wieder konfrontiert zu werden.

Auch wir als BVEA mussten uns der aktuellen Finanznot beugen - und das Damoklesschwert der Schließung der Geschäftsstelle in Berlin rückt erschreckend näher. Vieles muss vom Vorstand nun neu geregelt werden - auch unsere Satzung müssen wir an die neuen Bedingungen anpassen. Da sie in neuen Jahr schon wirksam sein muss, werden wir eine außerordentliche Delegiertenversammlung brauchen, die allein dies beschließen kann. Die Vorbereitungen laufen und wir bitten sehr um rege Teilnahme. Als Termin wurde derzeit der 4. November 2006 festgelegt, sie wird im sächsischen Zwickau stattfinden. Die Einladungen dazu werden rechtzeitig auf den Weg gebracht.

Behalten Sie in wenige der guten, toleranten und fröhlichen WM-Atmosphäre in Ihrer Erinnerung - für die kommenden trüben Tage!

Herzlichst Ihre Brunhild Bald

Bundesvorsitzende des BVEA

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Bundesvorsitzender Bernhard Dausend - stellvertretender Vorsitzender, amtierender Vorsitzender
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