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BVEA Rundschau der Evangelischen Arbeitnehmer Ausgabe 1 - 2006
Zum Geleit
Liebe Freunde und Freundinnen des BVEA,
wie doch die Zeit vergeht - vier Jahre meines Lebens als Vorsitzende des BVEA sind
um - und im Rückblick waren es im privaten wie im ehrenamtlichen Bereich höchst
intensive Jahre. Es waren "Lehrjahre", keine "Herrenjahre"! Gleich wurde ein Ton
angeschlagen, der uns vier Jahre lang begleitete. Finanzielle Sorgen begleiteten
die Arbeit. Wir konnten uns "WiSo", den Wirtschafts- und Sozialpolitischen Ausschuss,
in der bekannten Form nicht mehr leisten, ebenso nicht andere erträumte Themenarbeitsgruppen,
die dem Vorstand mit Resolutionen zuarbeiten sollten. Dabei hätten wir diese Unterstützung
dringend gebraucht - die Problemthemen aus der Arbeitswelt sind uns bis heute nicht
ausgegangen.
Dass wir dennoch die Arbeitnehmerprobleme nicht aus den Augen verloren haben, gelang
nur durch erhöhten Einsatz des Vorstands, der Geschäftsstelle und mit Hilfe der
Landesverbände. An dieser Stelle sei noch einmal erinnert, dass auch dieser Vorstand
ehrenamtlich arbeitet ohne Verdienstausgleich (Urlaubstage) oder irgendeine sonstige
finanzielle Zuwendung. (Im Gegenteil...)
Dann kam das Thema dieser vier Jahre auf: es ging um Standort und Kooperationspartner
des BVEA. Dem Vorstand und mir wurde eine bis dahin unbekannte, arbeits- und kostenintensive
und in jeder Hinsicht belastende Baustelle aufgedrängt. Viel Zeit sollten wir danach
für und um dieses Thema verbringen, das uns bis heute und auch noch weiter beschäftigen
wird: Den Erhalt des BVEA und seine Existenzberechtigung innerhalb der EKD.
Alles begann mit einem Treffen in Kassel, zu dem die EKD (Oberkirchenrat Dr. Jens
Kreuter) den KDA, die Sozialakademie Friedewald, das SWI, den Männerverein und uns
eingeladen hatte. Welchen Zweck dieses Treffen haben sollte, war schnell klar: Alle
wurden auf den Prüfstein gelegt hinsichtlich ihrer Zuschüsse von der
EKD, ein Zusammenschluss dieser Organisationen an einem Ort gefordert und das Haus
des Sozialen Protestantismus erstmalig ins Gespräch gebracht. Insbesondere wurde
der BVEA der Unkorrektheit (sogar Lüge) bezichtigt hinsichtlich seiner Mitgliederzahlen.
Das traf uns heftig.
Alle diese Einrichtungen wurden aufgefordert, einen gemeinsamen Ort und ein gemeinsames
Konzept für die gemeinsame zukünftige Arbeit zu erstellen. Als es nach vielen Treffen
und Verwerfungen eine Einigung und ein Konzept gab und dieses auch der EKD vorgelegt
wurde, hatte diese sich längst in eine andere Richtung bewegt. Das SWI wurde kurzerhand
nach Hannover beordert und mit dem Pastoral-Soziologischen Institut zum SI unter
der Leitung von Prof. Wegener vereint.
Während alle Beteiligten sich zuvor auf den Standort Friedewald geeinigt hatten
mit der Außenstelle BVEA in Berlin als Kontaktorganisation zu allen öffentlichen
Organen, beschloss der Rat der EKD demgegenüber kurzerhand für Friedewald das Aus,
d.h. die Zuschüsse zu streichen. Damit wurden wiederum neue Maßstäbe gesetzt. Während
wir noch um Standorte kämpften, waren die Würfel bei der EKD längst gefallen. Alle
sollten nach Hannover unter das Dach des SI.
Der KDA hat sich dem angeschlossen. Sein Büro hat der Bundes-KDA jetzt in Hannover
bezogen. Dem BVEA wurde sehr dringend nahe gelegt, es ihm gleich zu tun. Die letzte
Delegiertenversammlung hatte den Vorstand noch zu entsprechenden Gesprächen mit
der EKD bevollmächtigt, doch dort waren längst wieder andere Beschlüsse gefasst
worden _ den BVEA ab 2009 gar nicht mehr zu bezuschussen. Dem voraus gingen natürlich
immer sehr detaillierte Anfragen der EKD, in denen wir uns in seitenlangen Antworten
darstellten, die Existenzberechtigung einer Laienorganisation für Arbeitnehmerfragen
nachwiesen und vor allem jedes Mal die ermüdende Frage nach den Mitgliederzahlen
neu formulieren mussten.
Gespräche mit Dr. Kreuter, aber auch mit dem stellvertretenden Amtsleiter der EKD,
Dr. Barth, waren regelmäßig Zurechtweisungen im Sinne einer Auftragserteilung, was
wir nun zu tun oder zu lassen hätten. Es war auffällig, was noch gesagt wurde: Wir
hätten uns stromlinienförmig, aus EKD-Sicht, nach außen hin zu äußern, gegenüber
Parteien und politischen Entscheidern wohl am besten den Mund zu halten; mit der
Regierung hätten wir keinen Kontakt aufzunehmen. Vor allem aber sollten wir nicht
in die Befugnisse des Bevollmächtigten des Rates der EKD, Dr. Reimers, eingreifen
(was uns völlig fern lag!). Das Ganze kam einem Maulkorb gleich. Das Vorgehen hat
mit der Meinungsvielfalt, mit der sich der politische Protestantismus auszeichnet
und manchmal so gern schmückt, nun gar nichts mehr zu tun. Das fiel der EKD - nach
langen und heftigen Protesten unsererseits - nach einem Jahr auch wieder ein. Es
hieß, "der Maulkorb war ja eigentlich so genau auch nicht gemeint..."
Unser Standort Berlin war und ist ein Dorn im Fleisch der EKD. Warum genau, hat
uns bis heute niemand erklären können. Natürlich gibt es mancherlei Vermutungen
diesbezüglich, aber es sind eben nur Vermutungen. Klarheit für uns ist, wie aus
dem oben Beschriebenen leicht zu erkennen, bislang nicht vorgesehen. Es sei denn,
bei dem Beschluss, uns kein Geld mehr zu geben, weil sich die EKD aus finanziellen
Gründen von einigen Organisationen verabschieden muss, um andere, für die EKD bedeutendere,
besser unterstützen zu können. Das haben wir schriftlich. Der BVEA gehört als Dachverband
der evangelischen Arbeitnehmerorganisationen in Deutschland nicht dazu.
Unser (vorerst) letzter Kampf fand mit Unterstützung von Bruno Viertlmeister, als
synodales Mitglied, auf der Synode in Berlin im November 2005 statt. Er hat sich
für uns weit aus dem Fenster gelehnt. Ihm gelang es, die Synode in einer bemerkenswerten
Rede zu überzeugen, die Mittelstreichung für 2009 nochmals zu überdenken und die
Entscheidung dem Rat der EKD zur erneu ten Beratung vorzulegen. Der Beschluss der
Synode erfolgte. Wir wurden erneut um eine Darstellung unseres Verbandes gebeten,
die, wie das Verfahren bei der EKD so ist, natürlich in einer zusammenfassenden
Vorlage von Dr. Kreuter, dem Rat der EKD vorgelegt wurde. Nun traf sich der Rat
der EKD vor wenigen Tagen in Loccum am 26. und 27. Januar; er hatte auch den BVEA
auf der Tagesordnung. Eine endgültige Entscheidung aber steht weiterhin aus, allein
schon deshalb, weil nur die Synode abschließend befinden kann.
Die Kriterien der Entscheidung bleiben für uns weiterhin im Dunkeln. Obwohl der
Rat der EKD sechs Kriterien zur weiteren Bezuschussung von Verbänden u.ä. formuliert
hatte, können wir nicht erkennen, dass nun nach ihnen entschieden wird.
Der Auftritt des BVEA bei den Sozialwahlen soll zwar sichergestellt werden, eine
Geschäftsstelle in Berlin allerdings wird in der bisherigen Form nicht mehr finanziert.
Erhebliche Strukturveränderungen werden notwendig sein.
Wohin wird es gehen? Die Zukunft des BVEA hängt davon ab.
Wenn mir das alles vor vier Jahren eine/r erzählt hätte...
Eure Bruni Bald
Brunhild Bald
Bundesvorsitzende des BVEA