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________________...Pressemitteilung des BVEA 7.März 2006


Presseerklärung zum 8. März 2006

 JETZT BETRIEBSRÄTE IN BILLIGDISCOUNTERN GRÜNDEN

Breites Aktionsbündnis ruft Frauen und Männer zur Solidarität mit Arbeitnehmerinnen auf.

Aus Anlass des Internationalen Frauentages am 8. März erklären wir uns solidarisch  mit den Frauen, die im stetig wachsenden Discountbereich beschäftigt sind, im Einzelhandel, im Vertrieb oder in der Produktion, hier in Deutschland und weltweit.

Allein in Deutschlands drei größten Discountern Lidl, Schlecker und Aldi arbeiten über 100 000 Frauen, die ca. 80 % der gesamten Belegschaft ausmachen. Die große Mehrheit arbeitet ohne den Schutz des Betriebsverfassungsgesetzes, da Initiativen zur Bildung von Betriebsräten oft mit Sanktionen belegt werden.

In besonderer Weise wird dies in dem beinahe mitbestimmungsfreien Schwarz-Konzern deutlich: In den über 2600 Lidl-Filialen mit rund 40 000 Beschäftigten in Deutschland gibt es lediglich 6 Betriebsräte. Viele Fälle von menschenunwürdiger Gängelung, unbezahlter Mehrarbeit und Missachtung des Gesundheitsschutzes, von Austausch von Stammpersonal gegen "billige" Kräfte, von Bespitzelung und willkürlicher Arbeitseinteilung sind mittlerweile bekannt.

Reguläre Arbeitsplätze, ausreichende Stellenschlüssel, planbare Arbeitszyklen und vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen werden zunehmend in Frage gestellt. Ein Klima der Angst bedroht den gesamten Lebenszusammenhang der Beschäftigten. Familiäre, aber auch soziale und kulturelle Bindungen werden der Verfügbarkeit für den Arbeitgeber untergeordnet. Davon sind die Beschäftigten hier im Einzelhandel und Vertrieb ebenso betroffen wie in der Produktion in den Entwicklungsländern.

Die Lidl-Kampagnen von attac und ver.di haben im letzten Jahr mit Nachdruck auf diese Missstände aufmerksam gemacht und Handlungsalternativen aufgezeigt.

Wir wollen die beschäftigten Frauen ermutigen, sich mit Selbstbewusstsein für ihre Teilnahme und Teilhabe an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen. Ein geeignetes Instrument hierfür sind Betriebsräte, deren Wahlen noch bis zum 31. Mai 2006 laufen.

Nur wenn sich die Beschäftigten einer breiten Solidarität und Unterstützung, auch der Konsument/innen, sicher sein können, werden sie den Mut aufbringen, ihr gesetzlich verbrieftes Recht zur Mitbestimmung in den Unternehmen wahrzunehmen.

Bei ihrem Einsatz für menschenwürdige, für gerechte und partnerschaftliche Arbeitsverhältnisse und für eine angemessene Entlohnung sagen wir den Beschäftigten unsere Unterstützung zu.  

Am heutigen Internationalen Frauentag zeigen sich Katholische Betriebsseelsorge (BS), Bundesverband Evangelischen Arbeitnehmerorganisationen (BVEA), Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB), Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) der EKD Evangelischen Kirche in Deutschland und Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED) solidarisch mit den Arbeitnehmerinnen in den Billigdiscountern und ermutigen die Frauen, jetzt Betriebsräte zu gründen.

Berlin, Stuttgart, Köln, Hannover, den 7. März 2006