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Als ich noch studierte, war es das Prinzip der "Gewinnmaximierung",
an dem sich die deutschen Unternehmen im Rahmen der "Sozialen Marktwirtschaft"
orientierten. Wie geradezu putzig das heute klingt! Mein Studium der Volkswirtschaftslehre
liegt allerdings schon fast 40 Jahre zurück. Damals aber wurden bei mir die
Fundamente gelegt, dass ich Zeit meines Lebens begeisterter Anhänger der "Sozialen
Marktwirtschaft" im Sinne Ludwig Erhards wurde, deren Grundsätze es gegen allzu
linke, rechte oder auch nationalistische Tendenzen zu verteidigen galt. Heute
ist es das neoklassische Denken im Sinne eines "Kapitalismus pur", der unserer
"Sozialen Marktwirtschaft" den Garaus machen will. Natürlich gibt es unter all diesen Leuten eine ganze Menge honoriger Menschen, die ernst nehmen, was die zitierte Verfassungs-Prosa verlangt. Aber wir wissen nicht erst seit der ganz jungen AEG-Tragödie, dass in den Führungsetagen vieler Konzerne die Arbeitnehmer nur noch als Kostenfaktoren gelten. Als lästige Gewinn-Minimierer, die man möglichst gründlich entsorgt. Die schöne Grundgesetzformulierung ist ja, gottlob, nicht einklagbar. Zudem kommt in einem zivilisierten Land wie dem unseren den Menschen-Entsorgern der Umstand entgegen, dass der Unterhalt der Geschassten (der "Freigesetzten", wie die Bosse das in ihrem Schmusedeutsch nennen) nicht zu Lasten der Firmenkasse geht.
Die Gemeinschaft muss dafür zahlen. So läuft das seit Jahren, ein Ende ist nicht in Sicht. Die das aushecken, sagen, sie täten das gar nicht gerne, aber es müsse sein. Wegen der Unbilden am Standort D. Hohe Steuerlast, überzogene Löhne, kurze Arbeitszeit, starres Tarifsystem. Ach, sie lamentieren doch nicht vor tauben Ohren der Politik, der Gewerkschaften, der Betroffenen. Steuerlich waren ihnen die Rot-Grünen schon mal so weit entgegengeeilt, dass die Finanzämter zurückzahlten statt zu kassieren. Mit dem Segen der Gewerkschaften bieten die Arbeitnehmer mehr Arbeit bei gleichem Lohn oder Verzicht auf Gratifikationen an. Na und? Die allergehorsamsten Diener des Kapitals schmeißen weiterhin die Leute raus. In der guten alten Zeit, in der man noch von Sozialer Marktwirtschaft sprechen konnte, ohne rot zu werden, galt durchweg die Übereinkunft, dass der Arbeitnehmer an der Wertschöpfung einen Anteil hatte, der ihm und seiner Familie ein Leben deutlich über dem Notwendigen garantierte - abgesehen von dem Stück Sinngebung, das eine produktive Tätigkeit dem Menschen schenkt. Als sich dann erwies, dass Roboter und Computer die Produktivität erhöhen konnten, da hieß man anfangs diese neuen Helfer willkommen: selbstlose Kollegen sozusagen, die Wert schufen, ohne Unterhalt zu fordern, den arbeitenden Menschen zum Wohle. Was natürlich schrecklich naiv ist.
Je kräftiger die anspruchslosen Roboter zum Mehrwert beitrugen,
desto üppiger kassierten die Aktionäre ab. Und desto lästiger erschienen die
Ansprüche der leibhaftigen Mitarbeiter. Also verschwinden mit den 1.750 Nürnberger
AEG-Werkern ganz folgerichtig auch 1.750 Arbeitsplätze. Die aber kommen nie
wieder. Nicht anders läuft das bei der Deutschen Bank, der Telekom, bei Opel
und Karstadt, bei IBM und Ford. Und so weiter. Dr. Gerhard Kühlewind siehe auch: Solidaritätsschreiben an die KollegInnen der AEG in Nürnberg
Inhalt BVEA-Archiv 1-2006
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