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Zum Geleit
Liebe Leserinnen und Leser,
Das hat uns dann die Große Koalition beschert. Sicherlich heißt das zunächst:
Alte Fronten abbauen, Vorbehalte und Vorurteile einmotten, Gräben und künstliche
Gegensätze zuschütten - mit dem Ziel, Vertrauen herzustellen. Denn das ist dringend
notwendig, damit das Land einen Schritt nach vorne macht. Das ist das Ergebnis dieser Wahl: Wir haben dem puren Liberalismus, dem neoliberalen
Fetisch der Ökonomie, eine klare Absage erteilt. Die Neuauflage des Kapitalismus,
wie sie mit den Namen Thatcher oder Reagan verbunden ist, will die deutsche Bevölkerung
nicht haben. Diese Lektion hat die CDU schnell gelernt und das Leipziger Programm,
für das sich Angela Merkel vor zwei Jahren so stark gemacht hatte, über Bord geworfen. Die andere Seite ist die: Die Deutschen wollen die Fortentwicklung des Wohlfahrtsstaates. D.h. die Politik hat den Auftrag, eine zeitgemäße Form der Sozialen Marktwirtschaft zu konzipieren und dann umzusetzen. Das gilt für die Altersvorsorge insgesamt, die Rentenversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Förderung der Kinder, wieder einmal die Krankenversicherung ...
Als Vorsitzende des BVEA habe ich daher nach der Wahl wichtige Politikerinnen und Politiker aller Parteien angeschrieben, dass sie diesen sozialen Belangen die entsprechende Aufmerksamkeit widmen (nachzulesen auf Seite 6 der Rundschau). Es ist in dieser historischen Situation wichtig, in der Richtungsentscheidungen für langfristige Entwicklungen getroffen werden (müssen), die Stimme zu erheben - auch wenn wir im BVEA nur einen kleinen Teil des umfassenden sozialen Protestantismus im Rahmen der EKD verkörpern. Der BVEA wird daher auch in der kommenden Zeit bei Einzelentscheidungen für die sozialen Systeme, wie gehabt, wieder die Stimme erheben. Viele Gedanken macht mir der Umgang der Parlamentarier untereinander. Kaum eine Debatte im Bundestag kann man verfolgen, ohne dass man erleben muss, wie sehr die Damen und Herren Abgeordneten in einen rüden Ton verfallen. Daran ist vor allem aber erschreckend, dass sie öffentlich den anderen keine Achtung geben, dass sie die anderen als Personen und Experten nicht akzeptieren und häufig ihn/sie lächerlich machen. Eigentlich nehmen sie sich damit selbst die Würde, indem sie dem Gegner/der Gegnerin nicht den notwendigen Respekt erweisen. Alles geht nach dem Motto: Hauen und Stechen! Klar geht es im Wahlkampf auch mal heftiger zur Sache, und das soll auch so sein. Das Parlament jedoch ist ein anderes Podium. Sachdebatten sind erwünscht - aber bitte im gegenseitigen Respekt, der erlaubt, auch nachher noch menschenwürdig miteinander zu verkehren.
Eines sollten unsere Politiker in diesem Zusammenhang bedenken: Sie sind, ob
sie wollen oder nicht, allein durch ihre ständige Präsenz in den Medien auch Vorbilder
in der und für diese Gesellschaft. Die Verrohung unserer Jugend sollte zu denken
geben. Bundesvorsitzende des BVEA
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