Glauben
Anspruch Gottes
auf das gesamte Leben
Jahreslosung für 2006: Gott spricht:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. (Jos. 1, 5 b)
Während
ich diese Überlegungen im Oktober 2005 aufschreibe, jährt sich die Rückkehr
der letzten Kriegsgefangenen aus Russland zum fünfzigsten Mal.
Die meisten von ihnen wollten in die damalige Bundesrepublik ausreisen. Die
Rückkehr fiel in die Zeit der Aufrüstung in beiden deutschen Staaten, die durch
ihre Einbindung in den westlichen bzw. östlichen Staatenblock geprägt war.
Die Spaltung Deutschlands ist aufgehoben; geblieben sind die Erinnerungen, auch
an die Erfahrungen und Lebensleistungen der integrierten Heimkehrer. Im nächsten
Jahr jährt sich die Stuttgarter Rede des damaligen amerikanischen Außenministers
James E. Byrnes in Stuttgart zum sechzigsten Mal, in der er die Wahl einer deutschen
Regierung verlangte. Damals verhinderte die politische Blockbildung die wirtschaftliche
und politische Einheit Deutschlands.
In allen Teilen Deutschlands sind damals beachtliche Anstrengungen unternommen
worden, ein Gemeinwesen neu zu errichten. Im gleichen Jahr erfolgte unter der
politischen Autorität der Besatzungsmächte die Nachkriegsgründung des Männerwerkes
der Evangelischen Kirche in Deutschland, das die Lebenswirklichkeit der als
in
Altersgruppen, Geschlechter und Berufe vorgestellten Gesellschaft mit dem Wort
Gottes neu durchdringen und so auch für die Gemeinde fruchtbar werden lassen
wollte.
Diese wenigen Andeutungen zeigen hinlänglich, dass sich vieles gewandelt hat,
was die Arbeit des BVEA und der ihm angeschlossenen Verbände bestimmt. Zugleich
aber bestehen Grundsätze der Arbeit, die nicht fallen gelassen werden sollen.
Die Jahreslosung für 2006 schärft die Verlässlichkeit Gottes ein und deutet
damit zugleich Folgen für die Menschen an, die diese Aussage ernst nehmen: "Gott
spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." (Jos. 1, 5 b)
Es ist ein persönliches Wort. Gott wendet sich weder an eine Gruppe noch an
das ganze Volk. Ein einzelner Mensch wird angesprochen. Ihm wird die heilsame
Nähe Gottes nicht berichtet oder beschrieben, sondern persönlich zugesprochen.
Mit zwei Ausdrücken, die in ihrem Bedeutungsfeld ganz nahe beieinander liegen,
wird der Sachverhalt wiedergegeben: "Nicht fallen lassen" und "nicht verlassen".
Sie unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Zusage Gottes, die einem Menschen
in Not durch einen Priester oder Propheten zugesagt werden konnte. Als ein Aufruf
zur Standhaftigkeit ist die Aussage verstanden worden; denn Gott ist wohl verborgen,
aber dennoch gegenwärtig und kräftig, da er seinen Anspruch auf den Menschen
durchsetzen will. Der Mensch soll also nicht einem anderen anheim fallen oder
diesem überlassen werden, was einer Missachtung dieses Menschen durch Gott gleichkäme.
Gott will ihn auch nicht zurücklassen, weil er sich evtl. mit anderen auf den
Weg machen möchte und diesen dann aus seiner Beziehung entlassen würde.
|
Denn Gott ist wohl verborgen,
aber dennoch gegenwärtig und kräftig
|
Wem ist dieses Wort nun zugesagt worden? Josua, dem Nachfolger von Mose,
der einem ganzen Buch der Bibel den Namen gegeben hat, aber dennoch relativ
blass gegenüber seinem Vorgänger geblieben ist. Trotz dieses persönlichen Wortes
am Anfang des Buches, ist das Werk im Zuge der politischen Neuordnung unter
den Persern nach dem babylonischen Exil vorübergehend aus dem Kanon genommen
worden, da die hier erzählte Gebietsverteilung nicht den administrativen Vorstellungen
der Perser entsprach.
Josua war einst in der Besiedlungsgeschichte der israelitischen Stämme in der
vorstaatlichen Zeit eine besondere Rolle zugefallen. So wird berichtet, dass
er das Volk an die Höhen und Tiefen der Besiedlungsgeschichte erinnerte, die
z. T. kriegerisch und z. T. friedlich und ohne besondere Anstrengung der Stämme
erfolgt war. Er hatte sie sowohl auf die Treue zu ihrem Gott eingeschworen als
auch auf die überkommenen Lebensregeln verpflichtet. Josua lebte in seinem Handeln
aus der Überzeugung, dass Gott hinter ihm steht und er nichts zu fürchten habe;
denn ihm persönlich hatte Gott ja seine Gegenwart bezeugt. Aus dieser Treuezusage
Gottes ergab sich für ihn die zwingende Folge, nun auch in dem gewonnenen Land
nach den Geboten zu leben, die einst einem Stamm am Sinai von Gott dem Volk
mit auf den Weg gegeben worden waren.
Der Verlässlichkeit Gottes korrespondiert eine entsprechende Haltung des Glaubenden.
Sie kann als Verpflichtung beschrieben werden, den Anspruch Gottes auf das gesamte
Leben ernst zu nehmen.
So
wie Josua die Gelegenheit hatte, sehr grundsätzlich das Volk an die heilsame
Wirkung Gottes zu erinnern, um so die Regeln einzuschärfen, die sich als lebensfördernd
erwiesen hatten, sind auch wir aufgefordert, uns über die Grundsätze zu verständigen,
die wir als lebensfördernd und -sichernd empfinden. Im Neuen Testament begegnen
uns Aussagen, die die Dringlichkeit einer solchen Aufgabe besonders unterstreichen,
wie z. B. das Wort Jesu, zu wirken "solange es Tag ist; es kommt die Nacht,
da niemand wirken kann." (Joh. 9, 4)
Dr. Christian Homrichhausen,
Theologischer Berater
der Evangelischen Arbeitnehmerschaft
Berlin-Brandenburg (EAN)
www.c-homrichhausen.de

|
Inhalt BVEA-Archiv 4-2005
Glauben - Jahreslosung 2006
Reform oder Demontage - Ende des Sozialstaats?
Zu guter Letzt
Presse:
Christliches Menschenbild als Kompass
Offener Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Grünen/Bündnis 90, der CDU/CSU,
SPD und FDP
Inhalt Archiv
4-2005 aus den Landesverbänden:
|