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Die Begegnung mit Polen war mehr als eine Studienreise. Es war ein Horchen
und Schauen, ein unerwartetes Entdecken und oft ein Schweigen, um nicht vorschnell
etwas einzuordnen, was man gerade erst im Begriff war zu verstehen. Breslau strahlt wieder, die Lebensfreude der Jugend explodiert rund um den
Markt. Dahinter gähnen noch finstere Höfe und traurige Fassaden. Aber es wird
zusehends besser. Die Kaufkraft steigt. Die Arbeitslosigkeit auch; mit 18,1 % die höchste in den Mitgliedsstaaten der EU. Kolchosen haben desozialisierte Menschen hinterlassen. Für viele verläuft das Leben an der Armutsgrenze. Schwarzarbeit ist unvermeidlich. Nicht wenige versuchen den Sprung nach England oder Schweden.
Und dann Krakau. Die Stadt des Papstes, die patriotische Stadt, die nationale
Hochburg. Sie gehört nicht mehr zum Westen. Hier spricht man nur polnisch oder
englisch. Vor dem Holocaust ein Zentrum jüdischer Kultur mit eigenem Stadtteil.
Nach Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" (1993) heute eine touristische
Attraktion. Man isst dort angeblich "koscher" und hört Klezmer- Musik, aber
ohne Juden.
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