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...BVEA
Archiv 3-2005
Glauben
Regierungen kommen und gehen...
...und was hat eine Löwengrube damit
zu tun?
"Regierungen kommen und gehen ..." - Wie geht der Satz weiter?
Früher hätte man wohl gesagt: "... aber das Volk bleibt!" Weil es eben nicht
möglich ist, dass sich die Regierenden (frei nach Bert Brecht) ein anderes Volk
wählen können, geschieht es manchmal in glücklichen Momenten der Geschichte,
dass eine Gesellschaft mit dem Ruf "Wir sind das Volk!" die Regierenden hinwegfegt.
Aber auch das passiert ja nur ziemlich selten, - und noch seltener mit dem Erfolg
einer wirklichen Änderung zum Besseren.
Der Monatsspruch für den Monat August allerdings tutet in ein ganz anderes
Horn: "Er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit. Sein Reich geht niemals
unter; seine Herrschaft hat kein Ende." (Daniel 6, 17) "Menschengemachte Regierungen
kommen und gehen, Gott aber regiert immer und ewig!" Oder it dem alten Kirchenlied:
"Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl."
Kaum einer kann das nachvollziehen.
Und wenn wir uns den Textzusammenhang ansehen, aus dem dieser Vers stammt,
wird die Sache nicht unbedingt glaubwürdiger und übersichtlicher. Es ist kein
frommer und weiser Israelit, der ihn spricht, sondern ein junger, aufbrausender,
heidnischer König: der Mederkönig Darius, der sich zuvor als direkter Konkurrent
dieses ewig regierenden Gottes aufgespielt und dessen Anbetung bei Todesstrafe
verboten hat. Daniel, ein frommer Exil-Jude, der als hoch geachteter, aber auch
viel beneideter Premierminister am Königshof in Babylon arbeitet, verstößt gegen
dieses eigens seinetwegen erlassene "Gesetz der Meder und Perser", indem er
dreimal täglich zu seinem Gott Jahwe betet. Er wird - gegen den inneren Willen
des Königs, jedoch dem Gesetze entsprechend - in die Löwengrube geworfen. Als
der König am nächsten Morgen ängstlich am Rand der Grube erscheint und Daniel
lebend vorfindet, erkennt er, dass der ewig regierende Gott seines jüdischen
Mitarbeiters mächtiger und wohl auch klüger regiert als er selbst, der mächtige
Herrscher von Babylon.
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Es regieren eigentlich ganz andere |
Er lässt Daniel herausholen und dessen politische Gegner und
Ankläger zu den Löwen hinunter werfen, - samt Weib und Kind (dieser Gott regiert
gelegentlich sehr rigoros!): "Und ehe sie den Boden erreichten, ergriffen die
Löwen sie und zermalmten alle ihre Knochen" (Vers 25). Der heidnische König
aber kommt zu der alles umwälzenden Einsicht: "Dieser ist der lebendige Gott,
der ewig bleibt, und sein Reich ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat
kein Ende." Und er befiehlt allen Bewohnern seines Riesenreiches, diesen Gott
künftig zu respektieren und zu verehren.
Und was hilft die Regierung dieses Gottes uns heute - insbesondere im Hinblick
auf das Geschäft unseres eigenen Regierens oder Regiertwerdens, da doch eigentlich
ganz andere als die zur Regierung Gewählten das Heft in der Hand haben und unsere
Zukunft gestalten?
Vielleicht ist dies zunächst einmal die wichtigste Einsicht: Menschliches Regieren
bleibt in der Welt der vergänglichen Dinge und Werte und der ständig überholbaren
Probleme und Problemlösungen. Deshalb darf von den Verantwortlichen nichts als
heilig, unantastbar und ewig gültig propagiert werden, - weder das Volk, die
Nation, der Staat, noch die Rechte des Privateigentums, die Gesetze des Marktes,
die ökonomischen Theorien des Neokapitalismus oder der American Way of Live.
Alles darf, ja muss hinterfragt werden auf das Kriterium hin, ob es den Menschen,
vor allem den weniger Privilegierten unter ihnen, eher schadet oder nützt, ob
es dem Frieden dient oder einem mörderischen Wettbewerb um knappe Güter, ob
es die Schöpfung zerstört oder bewahrt. Wie das am besten angestrebt werden
soll, darüber kann dann mit Recht politisch gestritten werden.
Und das Zweite: Wenn wir wissen, dass allein Gott in der ewigen Regierung sitzt
und diese zu Gunsten von uns Menschen einsetzen will, dass wir aber im Bereich
des Vergänglichen, ständig Veränderbaren und höchst Vorläufigen tätig sind,
dann können wir uns jede Hektik, jeden Dogmatismus und Fanatismus sparen und
uns mit Ruhe, Umsicht und Gelassenheit an die vor uns liegenden Aufgaben machen.
Es geht ja nicht ums Letzte! Das letzte Wort hat Gott, und der wird - wie in
der Geschichte von Darius und Daniel - schon dafür sorgen, dass in unserem Vorletzten
immer wieder mal das Licht des Ewigen aufblitzt.
Dr. Walter Sohn
Theologischer Berater des BVEA

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Inhalt BVEA-Archiv 3-2005
Regierungen kommen und gehen
BVEA Vorstand im Kanzleramt
Interview mit Bundeskanzler Schröder
Wahlerfolg der ACA
Die neue Posse vom alten "Klassenkampf"
Hände weg von der Tarifautonomie
Verdienstkreuz für August
Krüger
Kirchentag 2005
Presse:
Pressemitteilung Exklusivinterview
mit Dr.Gerhard Schröder und Ergebnisse Sozialwahlen 2005
Inhalt Archiv
3-2005 aus den Landesverbänden:
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