|
Jetzt haben wir es auch amtlich. Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher! Und: Die Armen werden immer mehr in Deutschland. Dies besagt der zweite Armuts- und Wohlstandsbericht der Bundesregierung, der im letzten Jahr fertig gestellt, aber erst Anfang März dieses Jahres im Bundeskabinett behandelt und offiziell publiziert wurde. Sicherlich hätte die Bundesregierung diesen Bericht am liebsten ganz in der Schublade versenkt, kommt er doch - angesichts des zumindest noch immer propagierten Regierungsziels einer sozial gerechteren Gesellschaft - im wahrsten Sinne des Wortes einem Armutszeugnis gleich."Soziale Ungleichheit ist eine Tatsache", heißt es gleich auf der ersten
Seite des Berichts, "und in manchen Bereichen ist sie in den letzten Jahren
gewachsen".
Am stärksten von Armut bedroht sind in Deutschland Arbeitslose, allein
Erziehende, Behinderte und Migranten. Doch auch Bevölkerungsteile aus der Mitte
der Gesellschaft müssen zunehmend damit rechnen, unter die Armutsgrenze zu
fallen. Beispiel "Hartz IV": Wenn laut offizieller Definition ein Mensch arm ist, der
weniger als 703 Euro zur Verfügung hat, dann ist das von SPD und Union gemeinsam
verabschiedete Arbeitslosengeld II (345 Euro + 245 Euro Mietzuschuss ) ein
gigantisches "Armuts-Ankurbelungsprogramm" (Armin Jelenik, Nürnberger
Nachrichten). Das Fazit aus all dem lautet: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Der Sozialstaat in Deutschland zerbröckelt. Die "Soziale Marktwirtschaft" wird trotz milliardenschwerer Ausgleichszahlungen unsozialer. Wenn nicht bald Einhalt geboten wird, nähern wir uns im Zeitalter der Globalisierung zwar langsam aber stetig amerikanischen Verhältnissen.
"Brüchig und morbid", so lautet denn auch der Kommentar dazu von Armin Jelenik in den Nürnberger Nachrichten vom 01. März 2005 .Dort heißt es (S.3): "Die Geiz-ist-geil" Mentalität, mit der Politiker aller Parteien versucht haben, den Sozialstaat gesund zu schrumpfen und dabei die finanzielle Leistungsfähigkeit der Betroffenen außen Acht ließen, hat erheblich zu dieser Schieflage beigetragen. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob ein Arbeitnehmer oder ein Sozialhilfeempfänger etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Zehn Euro Praxisgebühr pro Quartal sind im einen Fall eine ärgerliche Mehrausgabe, im anderen können sie eine massive Belastung sein. Immer schärfere Einschnitte in das soziale Netz, das zeigen die sozialpolitischen Bilanzen, bringen nichts - schon gar nicht mehr Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Wer den Sozialstaat immer weiter aushöhlt, untergräbt auch einen Erfolgsfaktor der sozialen Marktwirtschaft, der jahrzehntelang für stabile Arbeits- und Produktionsverhältnisse gesorgt hat. Erst wenn die Fürsorgepflicht des Staates wieder als Standortvorteil und nicht als bloßer Kostenfaktor wahrgenommen wird, wird auch eine Diskussion darüber möglich sein, wie der Sozialstaat seiner Umverteilungsfunktion zielgenauer nachkommen kann. Dazu muss dann auch gehören, dass Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre zurückgenommen werden: Wer Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II bekommt oder obdachlos ist, sollte nicht auch noch Zuzahlungen für seine medizinische Versorgung leisten oder Zahnersatz allein absichern müssen. Mit 3,5 Milliarden Euro, welche die Krankenkassen 2004 mit der
Gesundheitsreform gespart haben, dürfte das auch ohne neue Umverteilungsaktionen
möglich sein. Augenmaß ist bei der Reform des Sozialstaates gefragt - sonst
müssen wir ihn tatsächlich bald verschrotten."
Inhalt BVEA-Archiv 2-2005
|
Presse:
|
| |||||
|
Willkommen - Bundesverband - Vorstellung - Vorstand -
Geschäftsstelle - Impressum -
Landesverbände
- Termine
- BVEA Rundschau -
BVEA Aktuell -
"Links" - Der BVEA ist für den Inhalt externer Internetseiten nicht verantwortlich BVEA Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V. Auguststr. 80, 10117 Berlin - Mitte Tel.:
030
283
95
151
- Fax:
030
283
95
167 - mail: |