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2-2005
Presse: aus Nachrichten - Veröffentlichungen
Wie sozial ist die deutsche Wirtschaft noch?
Kapitalismus-Kritik: Evangelische
Unternehmer und Arbeitnehmer kontrovers
Die vom SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering geäußerte Kapitalismus-Schelte hat
im Protestantismus ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Während der
Bundesverband der Evangelischen Arbeitnehmerorganisationen die von Müntefering
ausgelöste Debatte begrüßt, spricht der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU)
von einer "verantwortungslosen wahltaktischen Kampagne" im Vorfeld der
nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 22. Mai. Der SPD-Chef hatte
Finanzinvestoren als "Heuschreckenschwärme" kritisiert, die Arbeitsplätze
vernichteten. "Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen über Unternehmen
her, grasen sie ab und ziehen weiter. Gegen diese Form von Kapitalismus kämpfen
wir." Es geht um Firmen, die sich mit privat geliehenem Kapital bei Unternehmen
einkaufen und später die Firmen oder Teile davon mit hohen Gewinnen wieder
verkaufen.
AEU: Kapitalismus-Schelte gefährdet Arbeitsplätze
AEU-Geschäftsführer Stephan Klinghardt (Karlsruhe) wirft Müntefering vor,
Ängste zu schüren und für Wahlkampfzwecke auszunutzen. Das könne sich negativ
auf die Investitions- und Konsumbereitschaft auswirken und damit Arbeitsplätze
gefährden. Außerdem verzerre Müntefering die Wirklichkeit, denn zahlreiche
Private-Equity-Unternehmen seien wichtige Investoren. Es gebe in Deutschland nur
"einige wenige Investment-Gesellschaften, die Unternehmen aufkaufen, zerlegen
und gewinnbringende Teile verkaufen und andere stillegen". Diese vor allem aus
dem angelsächsischen Bereich stammenden Firmen seien Ausnahmen und nicht
charakteristisch für die deutsche Wirtschaft. Klinghardt wies die Behauptung
Münteferings zurück, dass die Gewinne deutscher Unternehmen ständig stiegen, und
fragte: "Warum nehmen dann die Firmenpleiten in Deutschland immer mehr zu?"
Wut bei Arbeitnehmern
Dagegen hält der Geschäftsführer der evangelischen Arbeitnehmer, Matthias
Gehlhar (Berlin), die Kritik des SPD-Chefs für berechtigt. Unter den
Arbeitnehmern steige die Wut darüber, dass profitable Unternehmen Arbeitsplätze
in Deutschland abbauten und die Gewinne ins Ausland flössen. Es bestehe die
Gefahr, dass dadurch in der Bevölkerung das Vertrauen in die Wirtschaftsordnung
schwinde: "Wir müssen aufpassen, dass die Soziale Marktwirtschaft nicht in einen
Ur-Kapitalismus umschlägt." Gehlhar erinnerte Unternehmer an ihre soziale
Verantwortung: "Es geht nicht, dass der Reiche sich vom Armen völlig abkoppelt."
Notwendig seien erfolgreiche und zugleich sozial denkende Unternehmer.
aus ideaSpektrum Ausgabe 18/2005
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