Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V.
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15.08.05
____________________...Aktuelles
BVEA Rundschau Ausgabe 4 - 2004
Die konservativen Parteien versuchen die Zustimmung zu erhalten, radikale Einschnitte am bestehenden Arbeitsrecht vorzunehmen. Es geht um die Wirtschafts- und Sozialpolitik in der Zeit nach der nächsten Bundestagswahl. Dabei sind massive Eingriffe in die Tarifstruktur und die Lockerung des Kündigungsschutzes vorgesehen. Die "verbandliche Tarifbindung", also die allgemeine Verbindlichkeit von Tarifverträgen, soll abgeschafft werden. Was so abstrakt formuliert wird, heißt im Klartext: Die CSU will "Unternehmen die Möglichkeit einräumen, Arbeitsuchende im ersten Jahr ihrer Beschäftigung unter Tarif zu beschäftigen". Erst bei Betrieben ab 20 Beschäftigten soll es einen regulären, aber gegenüber heute durchlöcherten Kündigungsschutz geben.
| Nach der Mitbestimmung jetzt der Kündigungsschutz |
Es ist inzwischen harte Politik geworden, dass sich die Attacken auf die
Rechte von Arbeitnehmer/innen in immer kürzeren Abständen häufen. Nachdem die
Arbeitgeber die Mitbestimmung gegeißelt hatten, ist nun die CSU mit einer neuen
Linie an die Front gezogen. Hatte sich nicht Ministerpräsident Stoiber noch vor
kurzem als das soziale Gewissen der Regierung profiliert und den Anschein
erhoben, er wolle die SPD links überholen? Nun wird mit Priorität das Projekt -
"Abbau der Mitbestimmung" - betrieben. Dabei ist interessant, dass die CSU die
entsprechenden Vorschläge der Schwesterpartei CDU eindeutig toppen will. Die
vermeintlichen "Reformer" lauschen auf den Applaus der Wirtschafts-Lobby.
Der beabsichtigte radikale Einschnitt in den Kündigungsschutz ist unklug und
sachlich falsch. Menschen in Arbeit empfinden ein solches Projekt als Bedrohung
und Verunsicherung, Menschen ohne Arbeit sehen darin keine Hoffnung und
Verheißung. Weniger Kündigungsschutz bringt keine Arbeitsplätze, aber die
demotivierende Wirkung bei den Arbeitnehmer/innen ist sicher. Die menschliche
Seite übersehen heißt, die Betriebsrealität verkennen.
Vertrauensschutz in den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft scheint es nicht
mehr zu geben: Der soziale Zusammenhalt in Deutschland, der nach 1945 den
Wiederaufbau so nachhaltig mitbegründet hatte, wird leichtfertig aufgegeben.
An den Rechten der Arbeitnehmer wird herumgefeilt, ohne sich Gedanken über ein
neues ausgewogenes Konzept des Miteinanders von Betrieben, Managern und Kapital
zu machen. Dieser neoliberale Wildwuchs verstärkt bei den Menschen das Gefühl,
dass einseitig zu Gunsten der einen Seite gedacht wird und dass eine Schieflage
bei dem Zumutbaren besteht. Die Forderungen der CSU bezeugen, dass die Debatte
um neue Formen der Mitbestimmung und des Tarifrechts aus dem Gleichgewicht
geraten ist. Vertrauen geht weiter verloren.
Es ist natürlich seit Jahren Mode geworden, immer neue Einschnitte zu Lasten der
Menschen zu ersinnen und die einseitigen Belastungen der Arbeitnehmer/innen als
"Reformen" zu verkaufen. Der Mangel an politischer Kompetenz darf in diesem Land
nicht eine "neue Armut" bescheren. Nur wer hier das richtige Maß findet, kann
Misstrauen in Vertrauen wandeln. Das aber setzt voraus, dass der Mensch wieder
in den Mittelpunkt der Politik gerückt wird und Politik eine zeitgemäße Form der
sozialen Gerechtigkeit zu verwirklichen anstrebt.
| Mangel an politischer Kompetenz beschert uns "neue Armut" |
Wir warnen vor einer einseitigen Sozialpolitik neoliberaler Prägung und rufen
die Arbeitsgruppen für Arbeitnehmerfragen der Parteien auf, den Anfängen zu
wehren, bevor ein Trend unaufhaltsam wichtige Fundamente der Sozialen
Marktwirtschaft zerstört.
Ein Jahr ist vorbei, schon bald feiern wir das Weihnachtsfest. Das Jahr war
turbulent und ohne das tatkräftige Engagement der Kollegen/innen im Vorstand und
in den Landesverbänden wäre es nicht so erfolgreich verlaufen. Die
Vorbereitungen zur Sozialwahl laufen auf vollen Touren, Dank an alle, die sich
in ihrer Freizeit um die Belange der Sozialversicherung kümmern. Aber auch der
Ruf nach Unterstützung für unsere christlichen Kandidaten dann im Mai, wenn alle
ihr Kreuzchen bei der Sozialwahl machen.